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Dirk Lisowsky: "Wir wollen unsere ureigene Identität nicht verlieren"

14.07.2016 14:42 • von
Highlight I: Paramounts Toptitel 2016 "Star Trek Beyond" (Bild: Paramount)

Seit Anfang 2016 vertreibt Universal Pictures die Produkte von Paramount und Highlight/Constantin Wie fällt die Bilanz nach einem halben Jahr aus?

Die Bilanz betrifft ja nicht nur das letzte halbe Jahr, sondern dieser Übergang hatte einen entsprechenden Vorlauf und begleitet uns in verschiedensten Projekten schon seit über einem Jahr. Wir hatten den Vorteil, dass wir nicht das erste Land waren. In Großbritannien wurde dieser Schritt schon Mitte 2015 vollzogen und wir konnten durch den Austausch über die dortigen Erfahrungen profitieren. Die Zusammenarbeit zwischen Universal und Paramount im Vorfeld hat sehr gut funktioniert und wir konnten konstruktiv viele Prozesse vereinheitlichen und vereinfachen. Durch den späteren Zeitpunkt sind uns Erfahrungen erspart geblieben, die andere auf internationaler Ebene machen mussten. Trotzdem hat uns dieser Übergang vieles abverlangt und es war eine enorme Herausforderung.

Aber diese Herausforderungen konnten gemeistert werden?

Wir sind erfolgreich Anfang Januar gestartet und konnten vom ersten Tag an die Produkte von Highlight Constantin und Paramount liefern. Vor allem seitens Highlight Constantin hatten wir zwei ganz große Highlights im ersten Quartal mit "" und "". Diese Bewährungsprobe mit enormen Stückzahlen haben wir zusammen mit Highlight Constantin gemeistert. Darum ist die erste Bilanz sehr positiv. Wir haben gemeinsam sehr viel geschafft und fühlen uns alle sehr wohl in dieser Partnerschaft und Konstellation. Sicherlich gibt es noch das eine oder andere Stellschräubchen zu drehen, aber das ist ein normaler Prozess und betrifft eher Kommunikation und Effizienz.

Die DVDs und Blu-rays von Paramount und Highlight -Constantin wurden in der Vergangenheit von Sony DADCausgeliefert, jetzt wie alle Universal-Produkte von Cinram. War die Logistik die größte Herausforderung?

Natürlich ist das ein entscheidender Baustein, aber wir konnten stark davon profitieren, dass dies in anderen Ländern bereits länger geschieht. Entsprechend hatten wir den gesamten Artikelbestand von Paramount bereits in unseren Systemen und die notwendige Infrastruktur. Unser Partner Cinram hat einen tollen Job gemacht, aber auch in anderen Bereichen waren die Anforderungen enorm. Im Finance zum Beispiel gibt es unterschiedliche Systeme und Reportinganforderungen. Darüber hinaus haben Paramount und Universal unterschiedliche Geschäftsjahreszeiträume, was eine zusätzliche Herausforderung an das Team ist.

Wurde personell aufgestockt?

Wir haben uns durchgängig in allen Abteilungen verstärkt, sonst lässt sich ein solches Programm nicht stemmen. Von Vorteil war sicher, dass wir einige Kollegen der ehemaligen Paramount Home Entertainment neu einstellen konnten, die dort seit vielen Jahren das Programm vermarktet und vertrieben haben. Das hat uns vor allem bei der Katalogvermarktung sehr geholfen und die Einarbeitungsphase erleichtert. Nichtsdestotrotz wird bei einem solchen Schritt oder einer solchen Konsolidierung aus eins plus eins nicht zwei und bringt für das bestehende Team einiges an zusätzlichen Verantwortungen mit sich.

Ist bereits der gesamte Katalog umgerüstet und neu gelabelt?

Wir liefern den gesamten Katalog aus. Derzeit ist es ein laufender Prozess. Einige Produkte haben wir übernommen, andere umgearbeitet, vor allem was den Rechtetext auf den Covern betrifft. Alle Produkte sofort umzurüsten, wäre nicht möglich, aber auch nicht nötig gewesen. Neue Produkte werden natürlich gleich entsprechend angepasst.

Wobei das Konstrukt bei Paramount nicht identisch mit der Highlight Constantin ist. Was sind die Unterschiede?

Das ist schnell zu beantworten. Bei Paramount leisten wir Vertrieb und Marketing identisch zu unseren Universal-Produkten, bei Highlight Constantin ist mit Michael Habedank und Katharina Lindemann ein Marketingteam vor Ort und wir kümmern uns um den Vertrieb der Produkte. Was bei der Stärke des lokalen Produkts bei Highlight Constantin einfach Sinn macht. Wobei wir uns in ganz vielen Belangen wie Potenzialabstimmung intensiv austauschen. Aber grundsätzlich liegt die Verantwortung für das Marketing bei der Highlight Constantin.

Was heißt das bei der Veröffentlichungspolitik? Wer legt hier die Starttermine für Home-Entertainment fest?

Auch hier liegt die Entscheidung ganz allein bei der Highlight Constantin. Für Universal und Paramount sind wir verantwortlich.

Die Vereinbarung gilt für den Verleih und Verkauf der physischen Produkte und für welche Länder?

Das gilt für Deutschland. In Österreich und der Schweiz vertreibt die Rainbow Home Entertainment sowohl das Highlight Constantin als auch das Paramount Produkt. Wir haben in beiden Ländern eigene Vertriebsstrukturen für unsere Universal-Produkte.

Hat sich die Position von Universal gegenüber dem Handel mit solch einem Programmangebot verbessert?

Es hat sich verändert. Früher hat unser Kunde in zwei Gesprächen das gesamte Programm aller drei Unternehmen vermittelt bekommen, jetzt in einem. Wir müssen dabei sicherstellen, dass jeder Titel die gleiche Aufmerksamkeit und Zeit wie früher bekommt. Aber gerade im Backkatalog gibt es ganz neue Möglichkeiten und Chancen. Auch in der Logistik ergeben sich viele Vorteile für den Handel. Wichtig ist uns, dass wir unsere ureigene Identität nicht verlieren. Denn der Handel schätzt die Zusammenarbeit mit uns, das zeigen ja auch die Auszeichnungen als Anbieter des Jahres im Verleih 2015 und im Verkauf über all die Jahre. Das macht Universal Pictures aus und ist unser Markenzeichen. Daran wollen wir nichts ändern und wir hoffen, unsere Partner und der Handel können davon profitieren.

Wie hoch ist der Anteil des Universal-Eigenprogramms noch?

Wir teilen unsere Flächen sicher nicht stur nach Marktanteilen auf, vor allem weil diese ja sehr titelabhängig sind und starken Schwankungen unterliegen. Und ein New Release befeuert auch immer gewisse Backkatalogtitel. Unser Anspruch muss es sein, dass wir jedem gerecht werden und sich jeder darin wiederfindet. Wir sind in der Lage im Handel die Marken unserer Partner eigenständig und sichtbar zu präsentieren. Ein wichtiger Punkt hierbei: Am Ende betrachten wir die Performance jedes einzelnen Studios und nicht nur den Gesamtumsatz.

Werden in der Katalogvermarktung auch die Dachmarken von Paramount übernommen?

Wir haben traditionell unsere erfolgreichen Dachmarken wie die Bestseller, arbeiten aber auch weiterhin mit der Dachmarke Club Cinema von Paramount. Bei der Breite des Programms macht es durchaus Sinn, mit mehreren etablierten Marken zu arbeiten. Was uns nicht abhält, in Zukunft neue Marken zu installieren.

Finden dann auch Paramount-Filme in den Universal-Dachmarken Platz und umgekehrt?

Da gibt es keine Restriktionen. Im Gegenteil, gerade mit einem breiten Programmangebot lassen sich Themen wunderbar bündeln und anders vermarkten als in einer jeweils isolierten Vermarktung.

Im Markt hört man, dass der Katalog sich immer schwerer tut und die Zahl der Veröffentlichungen rückläufig ist. Welche Linie fährt hier Universal und wird nur selektiv veröffentlicht?

Wir spüren in diesem Jahr zum ersten Mal einen stärkeren Gegenwind im Markt. Das hat sicherlich mit verändertem Nutzungsverhalten und den digitalen Angeboten zu tun, gerade im Subscription-Bereich. Dabei spielen oft nicht nur das Medienbudget eine Rolle, sondern auch die verfügbare Medienzeit eines Konsumenten. Und wenn der Kuchen für den Katalog im physischen Bereich kleiner wird, ist es umso wichtiger, das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen. Life-cycle-Management ist unbestritten noch wichtiger, als es in der Vergangenheit schon war. Die Zeiten des Gießkannenprinzips sind definitiv vorbei und der Planungsaufwand ist deutlich größer geworden.

2015 war auch geprägt durch ein enorm starkes Programm mit alleine vier Goldenen Video Awards. Wie will Universal diese Messlatte 2016 schaffen?

Natürlich wissen wir, dass 2015 mit diesem Programm ein besonderes Jahr war und mit diesem Wissen haben wir das Jahr 2016 entsprechend budgetiert. 2015 war auch durch Ereignisse geprägt, die man nicht vorhersehen konnte, wie der tragische Tod von Paul Walker, der die gesamte Planung für "" über den Haufen geworfen hat und wir dadurch den Titel erst 2015 veröffentlicht konnten. Und wenn es einmal läuft, dann läuft es, und viele unserer großen Filme liefen stärker als erhofft. Das fing an mit "", "Fast 7", ging mit "" weiter und setzte sich mit den "" fort. Auch 2016 haben wir ein qualitativ starkes Programm, ganz besonders freuen wir uns auf "Pets" und einen neuen Teil der Bourne-Reihe mit Matt Damon in der Hauptrolle. Im Kino startet vor Weihnachten noch "Sing" und 2017 kommt Ich - Einfach Unverbesserlich 3".

Mit der Constantin hat Universal nun einen Partner, der sehr stark bei deutschen Produktionen ist. Welche Rolle spielt der deutsche Film für Universal?

Wir sind stolz, das erfolgreiche und vielfältige Programm der Constantin vertreiben zu dürfen. Auch Universal hat starke -Erfolge mit lokalen Produktionen feiern können, und wir haben diverse Themen besetzt, zuletzt zum Beispiel "","" oder "Hanni & Nanni". Wir setzen auch weiterhin lokale Akzente.

Der deutsche Film ist im Kino erfolgreicher als im Home-Entertainment. Eine Erfahrung, die auch Universal macht?

Die Videovermarktung ist immer sehr stark abhängig vom Genre. Und gerade der deutsche Film ist stark komödienlastig. Dieses Genre hat es im Home-Entertainment oft schwerer als im Kino und kommt zumeist nicht an die Performance im Boxoffice heran. Aber ich halte nichts von pauschalen Urteilen, das haben aktuell ja auch "Fack Ju Göthe 2" und "Er ist wieder da gezeigt", die beide hervorragend im Home-Entertainment laufen.

Aktuell hat Universal einen Vertriebsdeal mit m4e abgeschlossen. Ist der Vertrieb noch nicht ausgelastet und will Universal weitere Partner gewinnen?

Wir haben als Universal immer Programm akquiriert, seien es TV-Serien, Kinderprogramm oder Special Interest. m4e ist ein Partner, der gerade im Animations- und Kindersegment sehr stark ist und wunderbar in unser Portfolio passt. Das ermöglicht uns wieder eine Bündelung von Themen und schafft mehr Relevanz und Breite.

Auch im Animebereich hat Universal inzwischen Fuß gefasst und will diesen Bereich ausbauen. Steckt auch hier der Ansatz der Produktbreite und -vielfalt dahinter?

Wir sind ja Teil eines global agierenden Unternehmens. Und der Bereich Local Acquisition wird in allen Ländern betrieben. Gerade in Japan ist lokales Produkt sehr dominierend und unsere Schwester ist dort sehr umtriebig, davon profitieren wir. Anime ist ein hoch interessanter Bereich, der enorm preisstabil ist und eine sehr treue Fangemeinde hat.

Die aber auch sehr hohe Anforderungen an die Qualität des Produkts hat, oder?

Absolut, darum haben wir bei unserer ersten Veröffentlichung "" auch sehr viel Liebe und Zeit in das Produkt investiert. Wir können hier auf fundiertes Markt-Know-how und Expertise im Konzern zurückgreifen. Der Titel wurde sowohl vom Handel als auch vom Verbraucher sehr gut angenommen und wir wollen regelmäßigen Output liefern, der den hohen Qualitätsansprüchen und den Besonderheiten dieses Genres Rechnung trägt.

Im September veröffentlicht Universal zusammen mit Turbine Medien Group eine Extended Edition von "Blues Brothers". Warum hat man sich einen Partner ins Boot geholt?

Die Rechte für "Blues Brothers" liegen bei uns. Wir starten hier einen Versuch mit Turbine, die viel Expertise im Bereich der Special Editions haben und mit unglaublicher Leidenschaft an das Produkt rangehen. Diese Liebe zum Detail, die ein solches Produkt benötigt, können wir in unserer aktuellen Situation allein zeitlich nicht leisten. Insofern ergänzen wir uns wunderbar, weil wir so das Produkt bekommen, wie wir es haben wollen. Das können wir uns in ähnlicher Konstellation durchaus öfter vorstellen. Vor allem im Zusammenspiel mit unserer Stärke im Vertrieb.

Wann veröffentlicht Universal die ersten Ultra-HD Blu-rays?

Wir werden in diesem Jahr noch Filme wie "" und "" veröffentlichen, dazu kommt noch der eine oder andere Film aus dem Katalog. Im nächsten Jahr werden wir unsere großen Filme dann regelmäßig auch auf UHD veröffentlichen.

Wie schätzen Sie das Marktpotenzial der UHD ein?

Die ersten Veröffentlichungen im Markt schreiben bereits jetzt durchaus respektable Zahlen. Im TV-Bereich hat sich 4K bei den hochwertigen Fernsehern durchgesetzt und ist fast schon Standard. Nun liegt es an uns als Industrie, die entsprechenden Inhalte zu liefern. Für uns eine tolle Gelegenheit zu zeigen, dass der höchste Qualitätsstandard auch weiterhin mit einem physischen Medium gesetzt wird.

Die Ultra-HD bietet aber keine 3D-Abspielmöglichkeit. Der erste Sargnagel für 3D im Home-Entertainment?

Nein, das sehe ich nicht so. 3D hat unbestritten im Home-Entertainment nicht die Bedeutung erlangt wie im Kino. Aber wir setzen weiter auf das Format und veröffentlichen einen Film im Home-Entertainment auch in 3D, wenn wir das Material zur Verfügung haben. Hier herrscht weiter Nachfrage und es lassen sich sehr gute Stückzahlen vermarkten. Es gibt Platz für 3D und UDH im Handel.

Heißt noch mehr Fläche im Handel, um beide Formate zu präsentieren - plus Blu-ray/DVD. Könnte eng im Regal werden?...

Es ist sicher unsere Aufgabe zu überlegen, wie wir das im Handel abbilden können. Unbestritten benötigen die Toptitel dann entsprechend Fläche.

In Deutschland sind die Absatzzahlen für DVD und Blu-ray weiter stabil. Lässt sich dieser Zustand weiter erhalten?

Wir haben uns in den letzten Jahren in Deutschland beim physischen Produkt im internationalen Vergleich in einem privilegierten Zustand befunden. Das hatte bestimmt mit der guten gesamtwirtschaftlichen Situation in Deutschland zu tun, aber eben auch mit der richtigen Vermarktungsstrategie. Aber auch hier wird die Vielzahl an Angeboten Auswirkungen auf das Nutzerverhalten haben. Und wir haben inzwischen schon mehrere Millionen Nutzer von SVoD-Angeboten, das muss sich entsprechend bei anderen Vermarktungsstufen niederschlagen. Trotzdem sehe ich auf absehbare Zeit weiter ganz klar das physische Produkt als wichtigsten Umsatzbringer, weil digitale Konsumenten nicht automatisch den physischen Konsum einstellen. Für uns als Studio geht es primär darum, den Kunden überhaupt abzuholen - das Vertriebsmodell ist dann sekundär.

Kann die Industrie das rückläufige Kataloggeschäft auffangen?

Natürlich kommt dieser Bereich immer stärker unter Druck beim physischen Produkt. Was isoliert betrachtet schlecht ist. Aber es ist wichtig, dieses Geschäft anderswo aufzufangen. Diese Entwicklung bringt eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Handelspartnern mit sich, das bestmögliche Geschäft aus der verfügbaren Fläche herauszuholen und das Produkt weiter attraktiv zu halten. Der Abgesang auf das physische Produkt ist absolut unberechtigt, da müssen wir als gesamte Industrie gegensteuern. Dazu muss man sich nur die aktuellen Umsatzanteile des physischen Produktes am gesamten Home-Entertainment anschauen.

Wird es auch künftig eine solche Breite an Anbietern geben?

Der physische Markt ist in einer Konsolidierungsphase. Das heißt dann immer, dass das eine oder andere Unternehmen konsolidiert wird, ein anderes hingegen konsolidiert. Davon ist auszugehen. Umso entscheidender wird es sein, dass ein Unternehmen Content hat, der auch relevant ist. Und da kann Universal optimistisch in die Zukunft schauen.

Klaus Burgmair

Hintergrund

Auf internationaler Ebene hat sich Paramount Home Entertainment 2015 entschieden, sein gesamtes Programm über Universal Pictures auszuwerten. Betroffen davon war auch die deutsche Paramount-Division, die ihren Standort zum Jahresende 2015 schließen musste. Das gesamte Marketing und der Vertrieb der physischen Produkte liegt seit 1. Januar 2016 in den Händen von Universal Pictures Germany. Das Programm von Highlight Constantin wurde über viele Jahre in Deutschland von Paramount vertrieben, nach dem Wechsel von Paramount entschied sich auch Highlight Constantin für Universal Pictures. Seit Anfang 2016 liefert Universal Pictures in Deutschland alle DVDs und Blu-rays im Verkauf- und Verleihhandel auch aus, das Marketing ist weiterhin bei Highlight Constantin aufgehängt.