Kino

Disney öffnet seine Schatztruhe

Für Walt Disney könnte 2016 kaum besser laufen: Schon vor einigen Wochen überschritt das Studio die Marke von vier Milliarden Dollar globalem Einspiel. Und die Tradeshow in Barcelona machte einmal mehr klar: An potenziellen Hits mangelt es auch die nächsten Monate nicht.

24.06.2016 13:04 • von Marc Mensch
Bei "Rogue One: A Star Wars Story" ist Geheimhaltung nach wie vor Trumpf (Bild: Walt Disney)

Für die Walt Disney Company könnte 2016 kaum besser laufen: Schon vor einigen Wochen überschritt das Studio die Marke von vier Milliarden Dollar weltweitem Einspiel; "Findet Dorie" legte dann mit rund 135 Mio. Dollar gleich noch den historisch besten Start eines Animationsfilms in den USA hin. Nicht umsonst konnten Dave Hollis und Ricky Strauss (verantwortlich für internationale Distribution und Marketing) somit zu Beginn der Präsentation auf der verkünden, man erlebe eine "äußerst aufregende Zeit für den Film"; trotz all der Konkurrenz. Denn das Kino sei "die beste Form des Entertainments überhaupt". Die Tradeshow - von vielen Besuchern als die insgesamt beste der vier Tage gepriesen - jedenfalls machte einmal mehr klar: An potenziellen Hits mangelt es auch die nächsten Monate nicht.

Los ging es in Barcelona mit der kommenden Marvel-Staffel. "Doctor Strange" (gespielt von Benedict Cumberbatch) mag in Deutschland jenseits ausgewiesener Comic-Fans noch kein allzu bekannter Charakter sein - aber die ausführlichen exklusiven Ausschnitte, die mit faszinierenden Bilder und Humor gleichermaßen bestachen, lassen hoffen, dass es Disney nach dem Erfolg mit "Guardians of the Galaxy" gelingt, eine neue, frische Figur zu etablieren, die sich jenseits ausgetretener Pfade bewegt. Apropos "Guardians of the Galaxy": "Vol" steckt gerade mitten in der Produktion. Auch wenn es in Barcelona noch keine Filmclips zu sehen gab, versprachen die (von einem aufgezeichneten Gruß von Hauptdarsteller Chris Pratt begleiteten) exklusiven Blicke hinter Kulissen, dass das Erfolgsrezept des ersten Teils nicht nur erneut aufgehen wird, sondern sogar noch weiter verfeinert wurde (Stichwort: "Baby Groot"). Selbstverständlich spielt auch in der Fortsetzung die Musik eine besonders wichtige Rolle. Auf welche Songs man sich beim "Awesome Mix Vol. 2" freuen darf, wurde indes noch nicht verraten. Ein völlig neues Setting verspricht der jüngste Solo-Auftritt eines der populärsten "Avenger": Hauptdarsteller Chris Hemsworth grüßte vom Set von "Thor: Ragnarok", wo sich ihm für den dritten Teil seiner Solo-Auftritte u.a. Tom Hiddleston (alias Loki), Mark Ruffalo (Hulk) und als Neuzugänge Cate Blanchett, Jeff Goldblum und Karl Urban anschließen. Erste Eindrücke verschaffte ein kurzer Blick hinter die Kulissen der Produktion.

Der Pixar-Block konnte denkbar kurz gehalten werden: Denn was hätte es außer einem Trailer und den jüngsten US-Zahlen (der sensationelle Lauf setzte sich nach dem Wochenende offenbar nahtlos fort), schon gebraucht, um den Kinobetreibern "Findet Dorie" schmackhaft zu machen? Zum Sequel "Cars 3" gab es wiederum nur erste Produktionsskizzen und Charakterentwürfe zu sehen. So viel sei verraten: Lightning McQueen sieht sich in diesem Teil mit technischer Veralterung konfrontiert.

Ebenfalls ein gutes Argument, um einen Film als kommenden Hit anzupreisen, ist der Titel "meistgesehener Trailer aller Zeiten". Nach Angaben von Disney gebührt diese Ehre (dank 92 Mio. Aufrufen alleine innerhalb von 24 Stunden) mittlerweile dem ersten öffentlichen Blick auf die Realfilm-Version eines ihrer größten Animationsklassiker: "Beauty and the Beast", in dem Belle von Emma Watson verkörpert wird, kommt pünktlich zum 25jährigen Jubiläum der Zeichentrick-Vorlage - und adaptiert nicht nur sämtliche Songklassiker, sondern soll auch mit neuen Überraschungen aufwarten. Ein erster längerer Clip, eine Promo und der Trailer stimmten auf den Film ein. "Elliot, der Drache", bei dem Newcomer Oakes Fegley als Pete unter anderem Bryce Dallas Howard, Robert Redford und Karl Urban zur Seite stehen, ist - das unterstrichen auch mehrere längere Clips sowie der bekannte 3D-Trailer - kein Remake, sondern eine Neuinterpretation des Klassikers, die den Charme der Vorlage aber erneut einzufangen verspricht. Auf einer wahren Geschichte wiederum basiert der Spielfilm "The Queen of Katwe" von Mira Nair, der die Geschichte eines aus ärmlichen Verhältnissen Mädchens aus Uganda erzählt, die zur Schach-Meisterin avanciert. Neben dem Trailer gab es auch hier eine längere Promo zu sehen.

Wer die "Pirates of the Caribbean"-Franchise nach dem - das sei gesagt - inhaltlich und optisch eher mauen vierten Teil schon abgeschrieben hatte, den durften ein überraschend ausführlicher exklusiver Ausschnitt sowie eine Promo zum fünften Auftritt von Johnny Depp als Captain Jack Sparrow eines Besseren belehren: "Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales" scheint eine Rückkehr zur absoluten Bestform einzuläuten - dies deutete auch der Applaus im Auditorium an. Neben den "Rückkehrern" Orlando Bloom und Geoffrey Rush ist diesmal Javier Bardem neu als Bösewicht Captain Salazar an Bord.

Ein wenig überraschen durfte, dass im Lucasfilm-Block kein Wort zum kommenden "Indiana Jones"-Film fiel - zumal sich Disney-CEO Bob Iger parallel zur Messe in Interviews über die Zukunft der Reihe und Pläne für weitere Filme äußerte. Vorhersehbar war indes, dass es zum kommenden Spin-Off "Rogue One: A Star Wars Story" keine neuen Szenen zu sehen gab. Neben dem bekannten 3D-Trailer und einem Gruß von Regisseur Gareth Edwards und Hauptdarstellerin Felicity Jones mussten sich die Kinobetreiber vorerst mit einem Behind-the-Scenes-Reel bescheiden. Immerhin: Auch wenn die Gerüchte über Art und Umfang von Nachdrehs in Barcelona naturgemäß nicht angesprochen worden, signalisierte der betont actionreiche Blick hinter die Kulissen doch, dass Spekulationen über weitreichende tonale Änderungen in letzter Minute wenig glaubhaft sind.

Mit ihrem nächsten großen Titel entführen die Walt Disney Animation Studios und das Regie-Duo Ron Clements und John Musker (u.a. "Aladdin", "Arielle, Die Meerjungfrau" und "Küss den Frosch") in die traumhaften Weiten des Pazifik. "Vaiana" (im Original "Moana") erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich mit der Hilfe eines Halbgotts (im Original gesprochen von Dwayne Johnson, der per Videobotschaft grüßte) auf eine abenteuerliche Reise über den Ozean begibt. Auch in diesem Film spielt die Musik - wie ein ausführlicher Clip illustrierte - eine wesentliche Rolle, ein weiterer Clip versprach temporeiche (aber doch familiengerechte) Action. Und zum Abschluss der Tradeshow hatte Walt Disney nicht nur als einziges Studio ein "Goodie Bag" für die Fachbesucher parat, das diesen Namen auch verdiente, sondern entließ sie mit dem Live-Auftritt einer polynesischen Tanz-Combo.