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Dauman fliegt aus Viacom-Board

Neues Kapitel im Viacom-Erbfolgekrieg: National Amusements, Mehrheitseigner des Medienkonzerns, hat Philippe Dauman und vier weitere Direktoren aus dem Viacom-Verwaltungsrat entfernt. Damit dürften die Tage von Dauman als Viacom-CEO endgültig gezählt sein.

17.06.2016 11:06 • von

Der in den USA schon seit Monaten von den Branchengazetten genüsslich verfolgte Erbfolgekrieg bei Viacom steuert auf den ultimativen Showdown zu. Neueste Entwicklung im beispiellosen Machtkampf zwischen Viacom-CEO Philippe Dauman und Großaktionär Sumner Redstone bzw. dessen Tochter Shari: Redstones Holding National Amusements, die 80 Prozent an Viacom hält, hat Philippe Dauman und vier weitere Direktoren aus dem Viacom-Verwaltungsrat entfernt und sie durch neue Direktoren ersetzt. Neben Dauman trifft es u. a. auch die zuletzt ebenfalls bei der Redstone-Familie in Ungnade gefallenen George Abrams und Frederic Salerno, Vorsitzender der unabhängigen Direktoren. Dauman und Abrams waren im Mai bereits aus dem Verwaltungsrat von National Amusements geflogen - und wehren sich vor Gericht dagegen. Dauman zweifelt die Zurechnungsfähigkeit des 93-jährigen, offenbar gesundheitlich schwer angeschlagenen Sumner Redstone an und bezichtigt dessen Tochter Shari Redstone, im Hintergrund die Strippen zu ziehen.

National Amusements hat denn auch vorsorglich juristische Maßnahmen ergriffen, um die Rechtmäßigkeit des jetzt erfolgten Stühlerückens im Viacom-Verwaltungsrat zu sichern. Die Holding betont in ihrer Mitteilung die Unabhängigkeit der fünf neuen Direktoren, die künftig in dem elfköpfigen Gremium sitzen sollen. Dazu gehört u. a. die ehemalige Sony-Topmanagerin Nicole Seligmann und der Mitbegründer der "Huffington Post", Kenneth Lerer. Als bestehende Board-Mitglieder verbleiben neben Sumner und Shari Redstone: Cristiana Falcone Sorrell, Deborah Norville, Charles E. Phillips Jr. und Thomas E. Dooley. Dooley, COO von Viacom, wird in den US-Medien nun als aussichtsreicher Kandidat für den Chefposten bei Viacom gehandelt. Die Tage von Philippe Dauman als CEO dürften nach den Vorkommnissen dieser Woche nämlich endgültig gezählt sein. National Amusements betont in seinem Statement vom Donnerstag zwar, dass Dauman CEO bleibe. Es liege aber in der Verantwortung des neuen Verwaltungsrats, "das aktuelle Management-Team zu evaluieren" und etwaige Schritte zu unternehmen, auf dass Viacom über eine "starke, unabhängige und effektive Führung" verfüge.

Dauman, seit zehn Jahren CEO von Viacom, galt lange Jahre als Protégé von Sumner Redstone und war bis vor Kurzem auch Treuhänder von dessen Familienstiftung. Zuletzt wurden die Spannungen zwischen dem Großaktionär und dem Viacom-Chef jedoch unüberbrückbar, Sumner Redstone machte keinen Hehl daraus, das Vertrauen in Dauman verloren zu haben. Auch strategisch gab es Reibungspunkte - so wurden Daumans Pläne, für das kriselnde Filmstudio Paramount einen Investor ins Boot zu holen, von Redstone vereitelt.