Kino

Hollywood-Legende George Kennedy ist tot

Oscar-Gewinner George Kennedy ist tot. Den legendären Schauspieler, der für seine Rolle neben Paul Newman in "Der Unbeugsame" ausgezeichnet wurde, kennt das deutsche Publikum vor allem aus den "Die nackte Kanone"-Filmen. Kennedy wurde 91 Jahre alt.

01.03.2016 08:32 • von Thomas Schultze
George Kennedy wurde 91 Jahre alt (Bild: ZDF/Philip H. Lathrop)

Oscar-Gewinner George Kennedyist tot. Den legendären Schauspieler, der für seine Rolle neben Paul Newman in "Der Unbeugsame" ausgezeichnet wurde, kennt das deutsche Publikum vor allem aus den Die nackte Kanone"-Filmen. Kennedy wurde 91 Jahre alt. Zuletzt hatte er eine kleine Nebenrolle in dem Remake von "The Gambler" mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle gespielt.

Mit seiner massigen Erscheinung, dem markanten Gesicht, der tiefen Stimme und der bulligen Statur gehörte George Kennedy zu den unverwechselbaren und beliebten Nebendarstellern Hollywoods, der es als respektierter Mime der Hollywood-Community auf über 200 Kino- und Fernsehfilme brachte. Kennedy war mehr als 60 Jahren dabei, er spielte harte Hunde und Charaktere mit einem Herz aus Gold. In den Sechzigerjahren prägte er Western und Kriegsfilme, in den Siebzigerjahren Action- und Katastrophenfilme (die Airport"-Reihe), in den Achtzigerjahren schlingerte er durch vergessene Produktionen, bis er an der Seite von Leslie Nielsen in der "Die nackte Kanone"-Trilogie (1988/91/94) mit komischem Talent als Captain Ed Hocken überraschte. Zwischen 1998 und 2003 nahm er eine Auszeit, um sich danach wieder der Filmarbeit zu widmen.

George Harris Kennedy wurde 1925 in New York City als Sohn eines Dirigenten, der starb, als er vier Jahre alt war, und einer Balletttänzerin geboren. Kinderstar auf der Bühne und beim Radio, diente er während des Zweiten Weltkriegs als Infanterist an der Front, dann als Presseoffizier bei den Funk- und Fernsehstationen der Army und gehörte zu denen, die das erste Armed Information Office aufbauten, das Film- und Fernsehleuten technische Hilfe bot. Kennedy blieb 16 Jahre beim Militär und schied wegen eines Rückenleidens aus. Seine Kenntnisse brachten ihm einen Job als technischer Berater der TV-Serie "Sergeant Bilko" ein. In den Fünfzigerjahren war er in Nebenrollen in Western-Serien ("Maverick, "Am Fuß der blauen Berge", "Der Kopfgeldjäger") zu sehen, 1961 folgte sein Kinofilmdebüt in dem Drama "The Little Shepherd of Kingdom Come".

In den Sechziger- und Siebzigerjahren gehörte Kennedy zu den gesuchten Bösewichtern und Sheriffs in Western von Andrew V, Burt Kennedy und Henry Hathaway, ritt an der Seite von John Wayne und James Stewart und bereicherte die Western Die vier Söhne der Katie Elder", "Der Mann vom großen Fluß", "Die Rache der glorreichen Sieben", Bandolero", "Die Letzten vom Red River", "Dirty Dingus" und Geier kennen kein Erbarmen". Er malträtierte als Schurke Cary Grant in der Kriminalkomödie Charade", als Kettensträfling Paul Newman in "Der Unbeugsame" und zweimal Clint Eastwood: als Bankräuber in Die Letzten beißen die Hunde" und als Agent im Thriller Im Auftrag des Drachen". Als Police Detective jagte er Tony Curtis in Richard Fleischers Der Frauenmörder von Boston". Kennedy wirkte in Filmen von Robert Aldrich mit, im Abenteuer "Der Flug des Phoenix", im Psychothriller Wiegenlied für eine Leiche", im Hollywood-Drama Große Lüge Lylah Clare" und im Kriegsfilm Das dreckige Dutzend". Er war im Kriegsfilm Erster Sieg", der den Angriff auf Pearl Harbor schildert, und als General Patton (unter dem er im Krieg gedient hatte) im Thriller Verstecktes Ziel" (1978, mit Sophia Loren) zu sehen. Hauptrollen spielte er in den Selbstjustiz-Thrillern "Rache aus dem Knast" und Ein Mann rechnet ab" (1975).

George Kennedy wurde eine Ikone des Hollywood-B-Films und prägte als Flugzeug-Spezialist und Troubleshooter Joe Patroni die "Airport"-Reihe (1970/74/76/79). Er war der Cop im Katastrophenfilm Erdbeben" (1974) und gehörte 1978 zum Starensemble der Agatha-Christie-Verfilmung Tod auf dem Nil". In den Achtzigerjahren wirkte Kennedy in so unterschiedlichen Filmen wie dem Actionfilm Delta Force" (mit Chuck Norris) und dem Erotikdrama Bolero" (mit Bo Derek) mit. Nach fünfjähriger Pause kehrte er 2003 mit Western (Three Bad Men", "Truce", The Man Who Came Back", "Mad Wagon Party") zurück und war in Wim Wenders' Don't Come Knocking" (2005) Regisseur eines Westerns. Zu seinen letzten Arbeiten gehören die Actionkomödie "Six Days in Paradise" (2010) und das Familiendrama Another Happy Day" (mit Ellen Barkin und Demi Moore).

George Kennedy hat in den TV-Serien "Sarge" (1971/72) einen ehemaligen Polizisten, der zum Priester wurde, und in Joseph Wambaughs The Blue Knight" (1975/76) einen alten Police Officer gespielt. Er war Gaststar in zahlreichen Serien, spielte in Dallas" (1988/91) und in Schatten der Leidenschaft" (2010) und war US-Präsident Harding in "Backstairs at the White House". Er war Synchronsprecher von Cats Don't Dance" und Small Soldiers" (als Brick Bazooka).

Kennedy ist Autor der Kriminalromane "Murder on Vacation" und "Murder on High".

Kennedy wurde 1968 mit dem Oscar für die beste Nebenrolle in "Der Unbeugsame" ausgezeichnet und hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Kennedy war viermal verheiratet und hat vier Kinder adoptiert, zuletzt 1998 die eigene Enkelin. Tochter Betty ist Schauspielerin.