Kino

Fox lässt den Globus erzittern

Ob Alieninvasion, Supermutanten oder schlicht Urzeit-Hörnchen mit Hang zu fatalen Missgeschicken bei der Nahrungssuche - einige der größten Filme der Fox stellen den Planeten gehörig auf den Kopf.

14.01.2016 13:40 • von Marc Mensch

Für Twentieth Century Fox of Germany hätte das neue Jahr wohl kaum besser starten können: Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu erwies sich erneut als Glücksbringer zum Jahresauftakt - wobei sein jüngstes Meisterwerk "The Revenant - Der Rückkehrer" am deutschen Boxoffice "Birdman" sogar deutlich in den Schatten stellen wird. Schon am (verlängerten) Startwochenende strömten über 445.000 Besucher in das bildgewaltige Epos - und bescherten dem Verleih den ersten Bogey des Jahres.

Entsprechend gut gelaunt konnte Vincent de La Tour zur Fox-Tradeshow auf der vor die Kinobetreiber treten. Genauer gesagt: Vor jene, die sich für das Screening von "Eddie the Eagle - Alles ist möglich" im Gloria Palast eingefunden hatten. Denn die Fox hielt an dem mit viel Lob bedachten Konzept aus dem vergangenen Jahr fest und präsentierte in vier Kinos (neben dem Gloria den City Kinos, dem Filmtheater Sendlinger Tor und dem Mathäser) insgesamt drei komplette Filme zur Auswahl, darunter auch "Colonia Dignidad - Es gibt kein zurück" und "Kung Fu Panda 3".

Der Fox-Geschäftsführer dankte den Betreibern für einen "fantastischen Start" mit "The Revenant", verlieh der Freude über drei Golden Globes sowie der Hoffnung Ausdruck, dass die heutige Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen weitere gute Neuigkeiten mit sich bringt. Eine schöne Geste am Rande: Angesichts des Rekordjahres 2015 gratulierte de La Tour nicht nur den versammelten Betreibern, sondern vor allem auch Mitbewerber und Marktführer Universal. Mit Blick auf das neue Jahr gab er sich für den Gesamtmarkt übrigens realistisch: Jeder wisse, dass es mit einem Höhenflug wie 2015 nicht immer weitergehen könne - doch selbst wenn die Branche 2016 mit einem Minus von zehn Prozent abschließen sollte, würde sie am Ende einmal mehr auf eines der umsatzstärksten Jahre der Geschichte zurückblicken können. Gerade angesichts bisweilen (wenn auch in diesem Jahr in auffällig geringerem Maße) übereuphorischer Ansagen eine wahrlich angenehm geerdete Sichtweise.

Nicht dass die Fox nicht ihren erklecklichen Teil dazu beitragen würde, größere Boxoffice-Hoffnungen zu schüren: Denn auch wenn die in drei Blöcke gegliederte Tradeshow vor dem Screening denkbar kompakt ausfiel, wartete sie mit etlichen vielversprechenden Highlights auf. Vor dem Wechsel von DreamWorks Animation zu Fox hatten erst Universal und dann Paramount zwei Teile von "Kung Fu Panda" zu Millionenerfolgen geführt. Mit dem dritten Teil liegen die Geschicke des kampfsporterprobten Bären nun in den Händen der Fox - und ein erster längerer Clip ließ keinen Zweifel daran, dass das Erfolgsrezept erneut aufgehen dürfte. Mit "Rico, Oskar und der Diebstahlstein" kehrt Neele Leana Vollmar zum Abschluss der Trilogie auf den Regiestuhl der populären Kinderfilmreihe zurück, ein exklusiver Trailer gewährte erste überzeugende Einblicke.

Keine Angst vor König Fußball zeigt der Frankfurter Major mit dem sicherlich größten Schwergewicht im Family-Entertainment-Segment: Denn "Ice Age - Kollision voraus!" startet in Deutschland zwei Wochen vor den USA - am Tag des EM-Halbfinales. Zur Erinnerung: "Ice Age 4 - Voll verschoben" brachte es 2012 auf rund 6,7 Mio. Besucher. Dass nicht zuletzt Kultfigur Scrat einmal mehr alle Register zieht, unterstrich nicht nur der (bekannte) Teaser, in dem die Nahrungssuche des Urzeit-Hörnchens geradezu galaktische Konsequenzen nach sich zieht. Die denkbar große Vorfreude der Betreiber wurde in München noch durch eine brandneue, exklusive Szene geschürt.

Der zweite Tradeshow-Block stand im Zeichen der Fox-Partner Majestic und Prokino. Wer sich für "Eddie the Eagle" oder "Kung Fu Panda 3" entschieden hatte, wurde zumindest mit dem Trailer auf "Colonia Dignidad - Es gibt kein zurück" mit Daniel Brühl und Emma Watson eingestimmt. Wer den Film in kompletter Länge sah, konnte sich über den Besuch von Majestic-Geschäftsführer Benjamin Herrmann und Regisseur Florian Gallenberger freuen. Ebenfalls von Majestic kommt die Komödie "Kundschafter des Friedens" über DDR-Spione im Ruhestand, die in Diensten des BND reaktiviert werden. Mit u.a. Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Thomas Thieme, Winfried Glatzeder und Jürgen Prochnow wunderbar besetzt, überzeugte der Film mit seinem erstmals gezeigten Trailer.

Ganz andere Töne schlägt hingegen "El Clan" von Prokino an: Auf einem realen Kriminalfall basierend, erzählt der argentinische Thriller die aberwitzige Geschichte einer nach außen hin gutbürgerlichen Familie, die mit Entführungen immense Lösegelder erpresst - um die Opfer anschließend erbarmungslos zu ermorden. In seinem Heimatland brach "El Clan" laut de La Tour sämtliche Kassenrekorde, der packende Trailer ließ bereits ahnen, weshalb.

Dem ganzen Planeten an den Kragen zu gehen droht es hingegen in gleich zwei der drei großen Titel, die Fox zum Abschluss der Tradeshow präsentierte: Der Trailer zu "X-Men: Apocalypse" versprach einen weiteren spektakulären Ausflug in die Welt der Marvel-Mutanten, die Regie übernahm einmal mehr "X-Men"-Urgestein Bryan Singer. Und mit dem lange erwarteten Sequel "Independence Day: Wiederkehr" knüpft Starregisseur Roland Emmerich an seinen größten Kinoerfolg in Deutschland an: 20 Jahre nach dem Erstling, der rund 9,3 Mio. Zuschauer begeisterte, obliegt Jeff Goldblum erneut die Rettung der Welt - und die Invasoren rücken diesmal (auch dank der Segnungen der seit 1996 immens weiterentwickelten Tricktechnik) in noch verheerenderer Stärke an. Doch auch die Menschheit hat dazugelernt, wie der erste Trailer unterstrich. In diesem Fall geht Fox der EM übrigens aus dem Weg und startet den potenziellen SciFi-Blockbuster hierzulande am 14. Juli, drei Wochen später als in den USA und unmittelbar nach dem Finale.

Last but not least hatte schließlich "Deadpool" noch einen großen Auftritt bei der Fox-Tradeshow. Während vor dem Gloria eine Schar euphorischer (wenn auch offensichtlich gecasteter) Fans für großes Aufsehen sorgte und dem Antihelden, der in Persona erschienen war, einen lautstarken Empfang bereitete, stimmte im Saal der Trailer auf den Film ein, der sich vor allem durch seinen extrem schwarzen Humor aus dem großen Reigen der bisherigen Marvel-Filme abhebt.

Bevor die Fox dann - wie schon im Vorjahr als leider einziger Verleih - zu einer großen Party in das Parkcafe lud, stand Filmgenuss in kompletter Länge auf dem Programm. Und auch wenn allzu dezidierten Meinungsäußerungen zu dem auf der Filmwoche präsentierten Programm in der Regel ein Embargo-Riegel vorgeschoben ist, sei dies mit Einverständnis des Fox-Geschäftsführers gesagt: Als Vincent de La Tour "Eddie the Eagle" als "Perle", "tolles Feelgood-Movie" und "perfekten Sneak-Titel" ankündigte, hatte er beileibe nicht übertrieben.

Marc Mensch