Digitaler Vertrieb

Watch4: "Stark im Serienbereich"

04.12.2015 12:33 • von
"Hubert und Staller" sind beim Publikum von Watch4 beliebt (Bild: ARD/TMG,Chris Hirschhäuser)

An die vierzig VoD-Portale hatte die Aximus AG gebaut: für den Bauer Verlag, ProSiebenSat, Ringier, die NC+ Gruppe. Ob ein eigenes Angebot ebenfalls erfolgreich sein würde? Das fragten sich CEO Philipp Rotermund und sein Team im Sommer 2013. Erfahrung mit Lizenzhandel und redaktioneller Betreuung von VoD hatten sie ebenfalls schon. So setzten sie die Idee kurzerhand in die Tat um. Schon wenige Monate später, im Oktober des Jahres, ging Watch4 online.

Zunächst war das Angebot noch beschränkt. "Es gab einige Dokus und ein paar tagesaktuelle News, ohne großes Konzept. Für uns stand im Vordergrund, ob wir es schaffen, ohne einen Medienpartner Menschen auf die Seite zu bekommen", erinnert sich Philipp Rotermund. Wie sich bald herausstellte, nahmen das Angebot tatsächlich genug Nutzer wahr, um mit der Werbung auf der Seite Umsatz zu generieren.

Ein Jahr später gründete Philipp Rotermund zusammen mit Helge Sasse und Jochen Kröhne als Gesellschafter die Watch4 AG. "Wir haben eine große Einkaufstour gestar­tet, angefangen bei den Öffentlich-Rechtlichen bis Telepool und WDR mediagroup; auch Tele München und andere haben interessante Pakete schnüren können. Im Mai gab's dann den großen Relaunch", so der ­Ge­schäftsführer. Mit dem verbesserten Programm sollen User nun dazu angespornt werden, die monatliche Abogebühr aufzu­wen­den. Das gewährt ihnen Zugang zu den Premiuminhalten hinter der neuen Bezahlschranke. Auch nach der Trennung von der Mutterfirma ist der Sitz weiterhin in Luzern. Auch das Team ist teils das gleiche. Im Moment erledigen fünf feste und fünf freie Mitarbeiter alle Aufgaben für Watch4. Allerdings wächst das Unternehmen, und die Arbeit wird nicht weniger. Bald sollen weitere Arbeitskräfte dazukommen. Im Augenblick nehmen drei Millionen Unique Visitors die beiden Angebote - AVoD und SVoD - im Monat wahr, die rund zehn Millionen Videos anklicken. Zielpublikum ist speziell auch die etwas ältere Generation über 35 Jahre.

Gerade sie soll das Programm von Watch4 besonders ansprechen. Dessen Zusammensetzung erklärt Philipp Rotermund: "Wir sind stark im Serienbereich: Wir haben zwischen 40 und 50 Serientitel. 'Hubert und Staller', 'Polizeiruf', 'Heiter bis tödlich', also Blockbusterserien aus dem öffentlich-rechtlichen Umfeld, funktionieren sehr gut. Unserer Ausrichtung ist grundsätzlich auf im deutschen Sprachraum Produziertes. Aber wir setzen auch internationale Highlights und bringen Sachen wie 'Slap' und 'GSI: Spezialeinheit Göteborg', die gut geklickt werden. Das werden wir weiter vertiefen." Zudem sollen auch Celebritynews und Reportagen wichtige Elemente bleiben, denn Watch4 positioniert sich am Markt "wie TV-on-Demand", so der CEO. Dabei setzen auch eigene Formate Akzente. Der Anfang wird gerade gemacht, sagt der Geschäftsführer. "Wir werden wahrscheinlich noch dieses Jahr mit ­einem eigenen Celebrityformat herauskommen. Statt jeden Tag ein paar Schnipsel, wird es einmal die Woche einen abgeschlossen Halbstünder geben. Dazu gibt es vielleicht nächstes Jahr eine eigene Koch- und eine Autosendung." Schon jetzt produziert Watch4 mit dem "Quatsch Comedy Club" ein exklusives Format, das früher im TV lief. So ähnlich kann es laut Philipp Rotermund weitergehen: "Wir sind schon mit einigen Produzenten in Deutschland im Gespräch. Wenn wir Programme für uns finden, die PR-wirksam sind oder eine große Fanbase haben, würden wir die sicher aufnehmen."

Dass Watch4 seine Marktlücke gefunden hat und sich dort behaupten kann, davon ist Philipp Rotermund überzeugt. Klar werde sein VoD-Dienst nicht so einfach alle überrunden, aber auch ein geringerer Marktanteil könne lohnenswert sein: "Es wird immer einen Marktführer geben und dahinter eine Nummer zwei, drei ... Und vielleicht haben wir uns mit unserem Namen schon ganz gut positioniert."