Verleih

"Vollendete Tatsachen"

03.12.2015 16:36 • von
Zählt zu den ersten Filmen, die im Januar von Rieger Media ausgeliefert werden: "Vacation" (Bild: Warner)

In der Rentalbranche provoziert der Wechsel keine allzu große Aufregung, geschweige denn Empörung. Teils wird die Entscheidung mit Achselzucken, teils mit dezentem Unverständnis quittiert. Auf die Frage, ob Warners Entscheidung eine gute oder schlechte Nachricht sei, ist sinngemäß mehrfach zu hören: "Ich weiß es nicht genau, vermutlich eine eher schlechte." Schlecht sei beispielsweise, dass die Ankündigung ansatzlos erfolgt sei: "Natürlich müssen die Warner-Verantwortlichen selbst wissen, was gut für sie ist.

Nicht in Entscheidungsfindung eingebunden

Aber der Videofachhandel wurde vor vollendete Tatsachen gestellt", so ein Einkäufer. Emp-Geschäftsführer Ernst Jedamski bemerkt dazu: "Einerseits hat mich die Entscheidung von Warner nicht besonders überrascht, andererseits hätte ich mir schon gewünscht, dass man mit uns vorher über die Angelegenheit spricht. Gern wären wir in die Entscheidungsfindung eingebunden gewesen." Leszek Pilat, zuständig für den Einkauf bei Video World, gibt zu bedenken: "Prinzipiell schade finde ich, dass durch solche Arrangements der direkte Kontakt zu Spielfilmanbietern leidet. Die Entfernung zwischen Videofachhandel und Industrie wird größer." Wenig Sorgen bereitet den meisten Einkäufern, dass dem Großhändler Rieger Media der Vertrieb für Warner-Titel übertragen wurde: "Jörg Rieger ist ein bodenständiger Mann, der die Probleme der Videotheken kennt. Er ist nahe an seinen Kunden und denkt problemlösungsorientiert", so Pilat.

Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören: "Dass sich Jörg Rieger um diesen Job bemüht und ihn bekommen hat, kann man ihm überhaupt nicht zum Vorwurf machen. Für ihn ist das eine tolle Aufgabe. Begeistert bin ich trotzdem nicht." Außerdem hätte es Alternativen gegeben, aber: "Was nützt es jetzt noch, darüber nachzudenken, wer den Vertrieb sonst hätte übernehmen können?" Und mancher Videothekar fragt sich: Warum wurde der Job nicht an die beiden großen Einkaufsgruppen vergeben? Wie auch immer. Einzelne Marktteilnehmer des Videofachhandels sind sogar erleichtet: "Schlechter als Warner kann Rieger Media das gar nicht machen. Erst haben sie Rental-Sharing ohne Not eingestampft. Dann gab's zuletzt immer mal wieder Probleme mit der Auslieferung." Andere Händler verweisen darauf, dass die Übernahme des Rentalvertriebs von Disney durch SchröderMedia zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Probleme bereitet habe.

In der Tat: Warner ist nicht der Präzedenzfall. Bereits seit April 2014 überlässt ein Major den Verleihvertrieb einem anderen Unternehmen. Gestört hat sich offenbar bis heute niemand daran. Viel Zeit bleibt für die Umstellung jedenfalls nicht: Die Januardispo dürften Videothekare bereits in diesen Tagen in Angriff nehmen. Das ist deswegen von Belang, weil Warner die ersten Titel des neues Jahres für den 7. Januar terminiert hat: Den Horrorfilm "" und die Komödie "". Dritter Januartitel wird die Komödie "", die allerdings erst für den 28. Januar vorgesehen ist. Bis spätestens drei Wochen vor Veröffentlichung sollten bei Rieger Media die Bestellungen eingehen. Das geht aus einem Anschreiben hervor, das Videothekare von Warner Bros. Entertainment mit Datum 19. November erhielten. Und wer bis dahin den Vorgang für ein Gerücht hielt, wusste spätestens jetzt Bescheid: "Die vollständige Abwicklung - Bestellung, Versand, Rechnungslegung, Werbemittelversand - erfolgt ab 01.01.2016 ausschließlich über unseren Geschäftspartner, die Fa. Rieger Media. Dies umfasst ebenfalls Anfragen zu Adressänderungen, Lieferstatus, Reklamationen, Konditionen etc." Jörg Rieger selbst wollte die Betreuung des Warner-Verleihprogramms nur in aller Kürze kommentieren: "Diesen Schritt von Warner halte ich für ein wichtiges Signal, weil dadurch zum Ausdruck kommt, dass Majorstudios trotz rückläufiger Marktentwicklung weiterhin ein Interesse haben, im physischen Verleihmarkt präsent zu sein.