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SVoD-Studie: Nischenmarkt Deutschland

Prognosen von Statista zufolge haben es SVoD-Anbieter in Europa im Vergleich zu Nordamerika ungleich schwerer, den Markt zu durchdringen. Dies trifft demnach vor allem auf Deutschland zu - auch in den nächsten fünf Jahren wird der Anteil der SVoD-Nutzer an der Bevölkerung die Zehn-Prozent-Marke nicht überschreiten.

29.09.2015 14:36 • von
SVoD hat es in Europa weiter schwer, so neue Prognosen von Statista (Bild: Statista)

Prognosen von Statista zufolge haben es SVoD-Anbieter in Europa im Vergleich zu Nordamerika ungleich schwerer, den Markt zu durchdringen. Dies trifft demnach vor allem auf Deutschland zu - auch in den nächsten fünf Jahren wird der Anteil der SVoD-Nutzer an der Bevölkerung die Zehn-Prozent-Marke nicht überschreiten, ergab der "Digital Market Outlook" des Research-Portals. Demnach unterhalten in diesem Jahr nicht einmal fünf Prozent der deutschen Bevölkerung ein oder mehrere kostenpflichtige Streamingabos. Zum Vergleich: In den USA nutzt knapp ein Viertel, in Kanada ein Fünftel der Bevölkerung SVoD-Angebote. Im Jahr 2020 soll die Marktdurchdringung in Nordamerika bei 30 Prozent liegen. Im Gegensatz zu Deutschland und auch Frankreich finden Netflix, Amazon & Co. in Großbritannien aber durchaus Zulauf. Hier liegt die SVoD-Penetration schon jetzt bei über zehn Prozent, in fünf Jahren werden es deutlich über 20 Prozent sein. Die Autoren der Studie machen vor allem den starken Einfluss des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland, Frankreich und Großbritannien dafür verantwortlich, der es Pay-TV- und Streaminganbietern erschwere, sich in diesen Märkten durchzusetzen.

Die im Vergleich zu Nordamerika weitaus geringere Verbreitung des Modells SVoD spiegelt sich auch in den Umsatzprognosen wider, die Statistas "Digital Market Outlook" bereit hält. Während in den USA in diesem Jahr SVoD-Erlöse in Höhe von über 3,5 Mrd. Euro erwartet werden, wird der deutsche SVoD-Umsatz für 2015 auf lediglich 132 Mio. Euro taxiert. Damit liegt Deutschland noch hinter Frankreich (160 Mio. Euro) und deutlich hinter Großbritannien (463 Mio. Euro). Statista zufolge ist nicht damit zu rechnen, dass sich an diesem Ungleichgewicht in den nächsten fünf Jahren sonderlich viel ändert: 2020 werden die gemeinsamen SVoD-Umsätze in Deutschland, Frankreich und Großbritannien noch nicht mal ein Drittel des gesamten US-Umsatzes (5,66 Mrd. Euro) ausmachen. Der deutsche Umsatz mit Videostreaming-Abos wird demnach auch 2020 mit geschätzten 356 Mio. Euro äußerst überschaubar bleiben.

Statista hat auch die Bedeutung von Netflix in den einzelnen Territorien unter die Lupe genommen. So werden am Jahresende in den USA 71 Prozent der geschätzt 61 Mio. SVoD-Kunden über ein Netflix-Abo verfügen. Noch dominanter ist der Streamingprimus in Großbritannien, wo 80 Prozent der über sechs Mio. SVoD-Abonnenten auch Netflix-Kunden sind. In Deutschland soll sich die Anzahl der SVoD-Nutzer Ende 2015 bei drei Mio. bewegen. Erst seit einem Jahr auf dem deutschen Markt, wird Netflix ein Anteil von 40 Prozent zugetraut. Das würde bedeuten, dass Netflix hierzulande am Jahresende schon 1,2 Mio. zahlende Kunden an Land gezogen hat. Die Angaben errechnen sich aus einer Schätzung von Statista (Anzahl SVoD-Abonnenten) und einer Schätzung der Netflix-Kunden je Land von Digital TV Research (Stand: Juni 2015).

Die Prognosen des "Digital Market Outlook" fallen damit zutiefst konservativer aus als jüngste Vorhersagen von Digital TV Research. Dessen "Western Europe OTT TV & Video Forecasts Report" attestiert dem westeuropäischen SVoD-Markt eine rosige Zukunft und insbesondere Deutschland eine Vorreiterrolle ().