Kino

AFM: Bieterwettstreit um "Hateful Eight"

Quentin Tarantinos neuer Film ist der begehrteste Titel auf dem diesjährigen American Film Market. Da das Wettbieten noch nicht beendet ist, laufen die Abschlüsse für andere Filme bislang schleppend.

11.11.2014 15:48 • von Stefanie Zimmermann
Quentin Tarantino hält den AFM in Atem (Bild: Kurt Krieger)

Quentin Tarantino stiehlt allen die Show auf dem diesjährigen American Film Market. Sein neuer Film The Hateful Eight", der im Frühjahr in den Dreh geht, ist der mit Abstand am heißesten gehandelte Markttitel. Tarantinos neuester Film wird - anders als seine letzten Werke - international nicht von einem Majorstudio verliehen. Folglich stehen allerlei Indies Schlange, um für ihr Territorium den Zuschlag zu bekommen - allerdings nur solche mit entsprechender Kaufkraft. Hohe Preise werden aufgerufen, für Deutschland kolportierte zwölf Mio. Dollar. Eine Investition, die sich lohnen würde, wenn der neue Western so erfolgreich läuft wie Django Unchained". Tarantino ist jedoch auch eine angemessene analoge Auswertung wichtig, wer hier entsprechende Zusagen machen kann, hat vermutlich gute Karten. Denn wie berichtet plant Tarantino für seinen neuen Film den größten 70mm-Start seit 20 Jahren. Kinos, die den Film im analogen Breitwandformat spielen, sollen ihn vier Wochen vor dem offiziellen Start bekommen, wer ihn auf 35mm projiziert, immerhin zwei Wochen vorher. Geplant ist ein großes Event, mit dem der Regisseur sich - ähnlich wie Chris Nolan mit Interstellar" - für den Erhalt von Zelluloid stark macht. Auf dem AFM sorgte Tarantino für zusätzlichen Buzz, indem er persönlich die Werbetrommel für seinen Film rührte und einen Teil seines Casts mitbrachte, darunter Kurt Russell, Samuel L und Jennifer Jason Leigh. In diesem Rahmen kündigte der Filmemacher zudem an, dass sein zehnter Film womöglich sein letzter sein könnte. Ob Steven Soderbergh womgöglich einen Trend zur Frührente in Hollywood ausgelöst hat?

Noch sind keine Abschlüsse für "The Hateful Eight" bekannt. Eine Interessentengruppe soll so weit gegangen sein, der Weinstein Company - die den Film in den USA ins Kino bringt und weltweit verkauft - ein Fläschchen Blut auf den Tisch zu stellen - nach dem Motto: wir bieten unseren letzten Tropen Blut für die Filmrechte. Das Wettbieten um Tarantino führt dazu, dass bislang weniger große Abschlüsse als sonst getätigt worden sind. Offenbar halten die Verleiher ihr Geld noch für "The Hateful Eight" zurück. Doch noch ist der AFM ja nicht vorbei.

In den US-Trades wird, abgesehen vom Tarantino-Hype, von einem eher ruhigen Markt berichtet. Demnach beklagen Einkäufer einen Mangel an attraktiven Titeln der mittleren Größenordnung. Um die wenigen kommerziell interessanten Filme herrscht entsprechende Konkurrenz. Offenbar wird gewinnt die Kinoauswertung wieder stärker an Gewicht, durch die immer stärkere Fragementierung der Folgemärkte und geringere Umsätzen bei der Zweit- und Drittverwertung. Auch Netflix spielt hier eine Rolle - angeblich hält die Weinstein Company eine Reihe von Home-Entertainment-Rechten exklusiv für die Streaming-Plattform zurück, wie "Screen International" berichtet.

Zu den Titeln, die für Käuferinteresse sorgen, gehören neben den bereits in vorherigen AFM-Meldungen genannten ein neues, noch unbetitelte Projekt von Jacques Audiard; das Bürgerkriegsdrama "The Free State of Jones" mit Matthew McConaughey; der Horror-Thriller "Crucifixion" von Xavier Gens und "Michael", ein Biopic über Michale Glatze, einem Pastor, der zum prominenten Schwulenrechts-Aktivisten wurde mit James Franco in der Hauptrolle, produziert von Gus Van Sant.

Außerdem soll sich Stephen Frears "Florence" wie geschnitten Brot verkaufen - Oscarpreisträgerin Meryl Streep schlüpft hier in der Rolle der skurrilen schwerreichen New Yorker Möchtegern-Opernsängerin Florence Foster Jenkins, die in den 1920er bis 1940er Jahren zu zweifelhaftem Ruhm gelangte.