Kino

"Die Marke Kino wird marginalisiert!"

Zu seiner traditionellen Präsentation auf dem HDF-Filmtheaterkongress hatte der stellvertretende FFA-Vorstand Frank Völkert in diesem Jahr neben brandaktuellen Zahlen auch deutliche Worte der Mahnung mitgebracht.

01.01.1970 01:00 • von Marc Mensch

Zu seiner traditionellen Präsentation auf dem hatte der stellvertretende FFA-Vorstand Frank Völkert in diesem Jahr neben brandaktuellen Zahlen auch deutliche Worte der Mahnung mitgebracht. Wie von Blickpunkt:Film bereits auf Basis der vorläufigen Rentrak-Zahlen berichtet, gab es im ersten Quartal des Kinojahres 2014 neben den deutschen Filmerfolgen vergleichsweise wenig zu feiern. Die FFA schätzt auf Basis ihrer vorläufigen Zahlen den Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal auf rund drei Prozent. Vor allem ein schwacher Februar sorgte dafür, dass der Jahresauftakt nicht erfreulicher ausfiel. Genauer gesagt handelte es sich laut Völkert nach Besuchern um den zweitschlechtesten Februar seit Beginn der FFA-Aufzeichnungen. Gute Nachrichten gab es vor allem vom deutschen Film, der seinen Marktanteil in den ersten beiden Monaten 2014 laut FFA auf sensationelle 45 Prozent schrauben konnte.

Der digitale Roll-out ist in Deutschland bekanntermaßen nahezu abgeschlossen, Völkert konnte dies - dank Unterstützung durch ARRI - anhand von tagesaktuellen Zahlen demonstrieren. So waren zum 10. April 4351 Säle digitalisiert (2016 davon 3D-tauglich), was einer Marktdurchdringung von 95 Prozent entspricht. Die FFA hat knapp 14 Mio. Euro in die Förderung der Kriterienkinos gesteckt und damit die Umrüstung von bislang 1600 Kriterienkino-Leinwänden ermöglicht. Die BKM-Mittel zur Digitalisierung sind komplett erschöpft und aus dem Treuhandtopf flossen im Schnitt 10.800 Euro an jede teilnehmende Leinwand.

Was FFA (und Politik) in Sachen Digitalisierung nun schwerpunktmäßig bewegt, sind die sogenannten Drop-Out-Kinos, also jene Häuser, die die Mindestanforderungen für die Kriterienkinoförderung nicht erfüllen konnten. Man arbeite intensiv an Lösungen erklärte Völkert - um anschließend erneut und eindringlich darzulegen, wieso das Bemühen um jede einzelne Leinwand so wichtig ist. Denn der Standortschwund bei den Kinos und damit die "kulturelle Versteppung", wie Völkert es ausdrückte, schreitet weiter voran. Von 2005 bis Ende 2013 sank die Zahl der Kinostandorte demnach um 145 oder ganze 14 Prozent, zum Jahreswechsel existierte nur noch in 890 deutschen Städten und Gemeinden ein Kino. "Die Marke Kino wird durch diese Entwicklung marginalisiert!", warnte Völkert. Ohne seine Präsenz in der Fläche werde das Kino als Marke zunehmend schlechter wahrgenommen, spiele in den Köpfen der Menschen nicht mehr die Rolle, die es spielen solle. "Es muss uns gelingen, diesen negativen Trend wenigstens zu stoppen!", erklärte Völkert - wenn schon an eine Umkehr kaum zu denken sei. Dass die voranschreitende Verstädterung des Kinos dabei auch darauf zurückzuführen ist, dass sich die Digitalisierung in kleinen, weniger rentablen Orten oftmals finanziell nicht darstellen ließ und Kinos in letzter Konsequenz geschlossen wurden, deutet ein Blick auf den Vergleich zwischen der Entwicklung der Standorte und der deutlich weniger dramatischen Entwicklung des Leinwandbestandes an. Denn die Zahl der Kinosäle sank seit 2005 um "nur" 279 oder sechs Prozent. Und wie Völkert darlegte, driftete die Entwicklung um die Jahre 2010 und 2011 auseinander - also jenen Jahren, in denen die Digitalisierung Fahrt aufnahm.

Die FFA jedenfalls arbeite mit "wirklich allen Mitteln" daran, den Kinobestand in der Fläche so weit als möglich zu erhalten. Allerdings könne sie diese Aufgabe nicht alleine stemmen. Schon deshalb nicht, weil das Geld in den Fördertöpfen schlicht nicht ausreiche. Gefordert seien daher auch Bund und Länder, so Völkert.