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KOMMENTAR: Preise gut. Alles gut.

Das hat der Deutsche Fernsehpreis nicht verdient. Die mit ihm ausgezeichnet werden sollen, schon gar nicht. Zum Herzensprojekt wird es die Verleihung bei den veranstaltenden Sendern wohl nicht mehr bringen. Aber dass man sich schon fast vor der Ausstrahlung drücken will, ist starker Tobak.

01.01.1970 01:00 • von Frank Heine

Das hat der nicht verdient. Die mit ihm ausgezeichnet werden sollen, schon gar nicht. Zum Herzensprojekt wird es die Verleihung bei den veranstaltenden Sendern wohl nicht mehr bringen. Aber dass man sich schon fast vor der Ausstrahlung drücken will, ist starker Tobak. Na ja, nicht direkt drücken: Sat schiebt ja den Aufgalopp der Bildschirmstars nur um noch einen Tag nach hinten, um den Torpedos der Partner aus den Kollegensendern zu entkommen, die mit Kai Pflaume als Hänschen Rosenthal und dem Superevent "Helden" quotenträchtig dagegenhalten.

Immerhin ist Einheitsfeiertag, und die Deutschen erwarten volles Programm. Das ist dann erst beim Durchblättern der neuen Fernsehzeitschrift aufgefallen, weil der Programmablauf ja immer erst verflixte sechs Wochen vorab veröffentlicht wird. Nun könnte die Verschiebung in schnelllebigen und nachrichtenüberfluteten Zeiten auch bedeuten, dass sich das geneigte Publikum schon nicht mehr an die Preisträger erinnert, und mit den Nominierten 48 Stunden später wieder mitfiebern kann. Aber der zur Ausstrahlung verdonnerte Sender wird momentan nicht mit Superreichweiten verwöhnt und will in der Chronik eines angekündigten Quotentodes nicht die ihm zugewiesene Rolle spielen. Man hätte den Ausstrahlungstermin auch um einen Tag vorverlegen können. Das hätte insofern gepasst, weil man dann dem Anlass angemessen live oder nur leicht zeitversetzt hätte senden können. Die glamouröse Verleihung und die Entertainmentqualitäten von Cindy von Marzahn und Oliver Pocher hätten ihre volle Stärke ausspielen können.

Obwohl nun unzählige Zeitungen und Internetangebote gerade vom Starnimbus deutscher Fernsehgrößen leben, will es offenbar den Unterhaltungschefs der vier großen Sender nicht gelingen, ein Fernsehereignis auf die Beine zu stellen, das die Künstler feiert und das Publikum fesselt. Statt langatmiger Lobhudeleien und überraschungsfreier Ehrerweisungen ließe sich doch bestimmt ein gut geskriptetes "Reality"-Format entwickeln, das Millionen überzeugt, die sonst schon aus geringerem Anlass zuschalten.

Der Oscar, dem alle diese Veranstaltungen nacheifern, versteht es, ein Milliardenpublikum zu faszinieren. Schon jetzt, beim Filmfest in Toronto, fragt sich alle Welt, wer denn im Januar nominiert werden wird. Da werden doch vier große deutsche Sender mit vereinten Kräften drei Nullstellen weniger erreichen? Stattdessen liegt nun der bescheidene Einfall, nur Programme auszuzeichnen, zwei Jahre zurück und hat die Quoten nicht verbessert. Die Deutsche Akademie für Fernsehen vergibt jetzt am Vorabend im kleinen Rahmen Preise an die Künstler und beschränkt sich im Übrigen auf Branchensymposien. Bestimmt werden sich die vier Sender nun das nächste Jahr wegen der Abstimmungspanne anfeinden. Deutschlands Künstler und das Fernsehpublikum haben wahrlich Besseres verdient.