Film

Soundtrack zum Filmhit: Alles im rubinroten Bereich

01.01.1970 01:00 • von Norbert Obkircher

Eine solche Gelegenheit bietet sich nicht oft, das weiß Philipp F aus Erfahrung. Allerdings begann der 39-Jährige seine Karriere als Filmkomponist schon mit einem ähnlichen Projekt, mit dem Soundtrack zum Film "Cascadeur - Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer" (1998). Damals blieb zwar der Erfolg an der Kinokasse aus, die Musik aber sorgte für Furore.

Viel Lob erntete er jetzt wieder für Rubinrot", unter anderem von der Filmkritik, die dem Soundtrack sonst nicht allzu viel Beachtung schenkt. Schließlich fristet Filmmusik in Deutschland ein eher stiefmütterliches Dasein.

Kölmel kennt den Regisseur Felix Fuchssteiner und die Drehbuchautorin Katharina Schöde seit langem und war bereits früh in ihre Pläne eingeweiht. Und so ergriff er die Chance: "Ich habe schnell erkannt, dass ich gezwungen bin, richtig Gas zu geben. Das bin ich den Fans dieser Buchreihe schuldig, die konstant auf vorderen Chartsplätzen rangiert. Es ist ein Traumjob für Komponisten, eine seltene Genremischung aus Fantasy, Abenteuer, Liebesgeschichte." Und das notwendige Budget, an dem so vieles im Bereich Filmmusik von Anfang an scheitert, gab es auch.

Eingespielt wurde der Score mit der Staatskapelle Weimar. "Wir haben uns bei den ostdeutschen Orchestern umgeschaut, da Fördergelder aus der Region Mitteldeutschland zu vergeben waren", erzählt Kölmel. "Und wir hatten großes Glück mit der Staatskapelle Weimar, dem einzigen A-Orchester Thüringens. 'Rubinrot' war erst der zweite Score, den es aufgenommen hat. Die Staatskapelle Weimar war äußerst motiviert und sehr gut."

Neben der Filmmusik von Kölmel wurden auch einige Songs mit der Newcomerin Sofi de la Torre aufgenommen - ein wichtiger Aspekt fürs Marketing in der Zielgruppe. Am Soundtrack und der CD, deren Rechte bei Tele München liegen, hat Kölmel "bis zur Schmerzgrenze" gearbeitet. "Weil ich wollte, dass alles stimmt. Die CD funktioniert ja auch ohne Film, als Soundtrack fürs Kopfkino."

Wie war seine Arbeitsweise? "Komponieren ist bei mir Improvisation am Klavier zum Bild plus Dialog. Der ist mir sehr wichtig, die meiste Information kommt durch den Dialog." Der digitale Klaviersound wird detailliert mit Orchestersamples angereichert. Aufwendige MIDI-Tracks, sogenannte Mock-ups, die beinahe so klingen wie ein echtes Orchester, sind inzwischen Standard - so können sich Produzenten und Regisseur genau vorstellen, wie das Ergebnis am Ende aussieht.

Philipp F. Kölmel komponierte erst zu den Bildern: "Ich muss den Look des Films sehen, ich kann nicht ins Nichts komponieren. Ich muss spüren, wie die Chemie zwischen dem Liebespaar ist." Und weil er schon in einem sehr frühen Produktionsstadium parallel zu den Dreharbeiten mit seiner Arbeit begann, konnte der Cutter Wolfgang Weigl, den Kölmel sehr schätzt, bereits seine Musik benutzen.

"Dieses Vorgehen war mir wichtig, denn die Gefahr ist groß, dass man sich von einer 'Temp-Musik' unbewusst beeinflussen lässt. Ein Plagiat ist sowieso ein No-go, aber auch aus Respekt vor den,Rubinrot'-Fans wollte ich gar nichts kopieren, sondern ein eigenes Werk schaffen. Ich hatte die Vision, dass die Fans den YouTube-Vergleich machen und sich auf Facebook nicht nur über die Bilder, sondern auch über die Musik austauschen." Überhaupt sei es ein interessantes Hin und Her zwischen dem Cutter, dem Regisseur und Kölmel gewesen: "Sie arbeiteten in Berlin, ich in München - es herrschte ein reger Datenaustausch."

Beim Komponieren orientierte sich Kölmel bei manchen Figuren noch an Leitmotiven, "wie der Geist James, die Loge und der Graf. Die Bösen also. Und die Liebe natürlich. Aber ein durchgängig leitmotivisch gestalteter Score wirkt heute antiquiert. Sechs bis sieben Leitmotive wie etwa bei 'Star Wars' macht man nicht mehr, das wirkt heute beinahe unfreiwillig komisch. Der Trend geht bei vielen Filmen leider zum durchgängigen, atmosphärischen 'Musik-Gemurmel' gänzlich ohne melodische Einfälle. Das wollte ich natürlich auch nicht, und so sind doch immer musikalische Themen in 'Rubinrot' zu hören."

Auf den Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt wird das Werk mit Orchester aufgeführt, auch ein Panel beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland beschäftigt sich damit. Diese Aufmerksamkeit ist wichtig, findet Kölmel, denn Filmmusik stehe in Deutschland viel zu oft im Schatten des Gesamtwerks - anders als in den USA und in Frankreich, wo die Filmkomponisten auch Stars sind. In Frankreich gibt es ein Fördersystem für Filmkomponisten; über die Möglichkeiten, bei der Filmförderung einen Musiketat abzuzwacken, wird inzwischen auch in Deutschland nachgedacht.

Philip F. Kölmel wünscht sich jedenfalls eine Sensibilisierung junger Filmschaffender zur Musik hin - an den Filmhochschulen jedoch stehen bislang überwiegend kommerzielle Nutzung und Rechtefragen auf dem Lehrplan. Aber es gibt inzwischen mehr Möglichkeiten der Filmkomponistenausbildung. Beide Seiten, Regie und Komposition, können von der Zusammenarbeit profitieren. Wie gut das Ergebnis ausfallen kann, das zeigt "Rubinrot".

Zur Person Philipp F. Kölmel absolvierte zunächst das Tonmeisterstudium an der Berliner Universität sowie in Berlin und in München ein weiteres Studium im Fach Kompo - sition für Film und Medien bei Enjott Schneider an der Hochschule für Musik und Theater. Nach Film musiken unter anderem für "Französisch für Anfänger" und "Willi und die Wunder dieser Welt" kam der Auftrag für die erfolgreiche TV-Serie "Um Himmels Willen". Kölbel sucht regelmäßig als Pianist und Songwriter auf Theater- und Kabarettbühnen den direkten Kontakt zum Publikum.