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Im Interview: Swetlana Winkel, Geschäftsführerin polyband Medien

01.01.1970 01:00 • von Mareike Haus

polyband ist Deutschlands führender Special-Interest-Anbieter. Wie kam es seinerzeit zu dieser Ausrichtung? Im Zuge der Übernahme durch Splendid im Jahr 2000 fand eine Neuausrichtung von polyband statt. Wir haben den Markt analysiert und festgestellt, dass diese Nische bislang nicht konsequent besetzt wurde. Natürlich haben sich andere Firmen mit Special Interest beschäftigt, aber nur am Rande. Deshalb haben wir dort einen Schwerpunkt gesetzt. Darüber hinaus bearbeiten wir seither kontinuierlich auch die Segmente Kids und TV.

Welches waren bislang die erfolgreichsten Produkte im jeweiligen Genre? "" liegt ungeschlagen vorn und wird wahrscheinlich nicht so schnell zu verdrängen sein. Das Ausnahmeprodukt wurde über 600.000 Mal verkauft. Auch andere Dokumentationen waren sehr erfolgreich. Von "" etwa wurden fast 200.000 Units abgesetzt. Normalerweise darf man bei Special Interest diese Größenordnung nicht erwarten. Ein sehr großer Erfolg im TV-Segment ist "Sherlock". Staffel eins liegt bei über 100.000 Units, Staffel zwei ähnlich hoch. Große Kinderthemen waren "Dragon Ball Z" und "Sponge Bob".

Welche Kriterien entscheiden, ob Themen für polyband interessant sind? Sie müssen inhaltlich zu uns passen und eine hohe Produktqualität besitzen. Wir glauben, dass ein gewisser Qualitätsstandard notwendig ist, um am Markt nicht nur ein kleines Segment abdecken, sondern auch breites Interesse wecken zu können.

Independents klagen häufig über zu hohe Lizenzpreise. Dieses Problem tritt inzwischen auch bei Special Interest auf. Man muss unterscheiden: Es gibt natürlich Spielfilme und Special-Interest-Produkte für wenige Tausend Euro. Das sind dann sehr kleine Themen, die bei uns nicht im Programm zu finden sind. Für unsere Dokumentationen geben wir aber sehr viel Geld aus. Da bewegen wir uns in Regionen, die andere für große Spielfilme bezahlen.

Wie lässt sich langfristig der Programmzufluss sichern? Mit der BBC haben wir einen Rahmenvertrag, der uns den ersten Zugriff ermöglicht. Deren Produkte haben die höchste Qualität am Markt. Darüber hinaus haben wir First-Look-Deals mit Discovery Channel und History Channel. Wir arbeiten zudem mit variierenden Partnern und kaufen auf Messen wie in Cannes, Toronto oder Los Angeles ein.

Welche Rechte werden über Home-Entertainment hinaus erworben? Von BBC und Discovery bekommen wir in erster Linie die Home-Entertainment-Rechte. Auf deren Kinoproduktionen haben wir keinen Outputdeal. Da bieten wir wie alle anderen mit. Ansonsten kaufen wir überwiegend die Digitalrechte bzw. alle Rechte.

Welche Rolle spielt der digitale Vertrieb derzeit für polyband? Noch ist das kein Standbein, von dem wir leben könnten. Aber wir haben bereits Erfolge erzielt. Zum Beispiel hat mich sehr erstaunt, dass sich einzelne Titel etwa aus dem Segment Extremsport bei iTunes besser als auf DVD verkaufen. Wir möchten, dass sich Digitalvertrieb und Videoauswertung gegenseitig stützen, deshalb stimmen wir die Vermarktung auf einander ab.

Wie erfolgt die Zusammenarbeit mit den einzelnen Plattformen? Inzwischen haben wir sehr viele Digitalrechte, sind aber noch nicht auf allen Plattformen präsent. Das ist der nächste Schritt. Die digitalen Vertriebspartner betreut Splendid für uns. Aber wir halten auch direkten Kontakt zu Plattformen. So können wir Schwerpunkte setzen und gemeinsame Marketingmaßnahmen besprechen. Unser neuer Mitarbeiter Matthias Süß soll sich speziell auch um die digitalen Produkte kümmern.

Seit 2006 bringt polyband Filme ins Kino. Was hat seinerzeit zu diesem Schritt geführt, und wie fällt die Bilanz aus? Wir wollten mehr Wachstum, mehr Umsatz, uns breiter aufstellen. Bislang haben wir um die 15 Filme ins Kino gebracht - mit unterschiedlichem, zum Teil großem Erfolg. Einige Kinofilme waren sehr erfolgreich, wie "Russland" und "Iron Sky". Mit Kinoveröffentlichungen erwirtschaften wir inzwischen einen nennenswerten Teil unserer Umsätze. Derzeit bringen wir sechs bis acht Filme pro Jahr ins Kino. Zum Vergleich: Auf DVD und Blu-ray erscheinen zwischen 100 und 120 Titel.

Sie haben "Iron Sky" ins Kino gebracht, aber die DVD erscheint bei Splendid. Wie kam es zu dieser Konstellation? Das ist eine konzerninterne Vereinbarung. Zwar haben wir die Rechte gekauft und den Film ins Kino gebracht, grundsätzlich ist Splendid jedoch eher auf Action ausgerichtet und wird vom Markt in diesem Bereich deshalb möglicherweise besser wahrgenommen. Am Ende ziehen wir alle an einem Strang.

Welche Synergien tun sich sonst durch die Zugehörigkeit zum Splendid-Konzern auf? Vor allem bei technischen und vertrieblichen Komponenten arbeiten wir intern zusammen. WVG Medien macht den physischen Vertrieb, Splendid sorgt für die digitale Distribution unserer Themen. Enteractive kümmert sich um die technische Aufbereitung. Weitere Synergieeffekte gibt es durch das Synchronstudio Splendid Synchron.

Derzeit läuft "Das grüne Wunder - Unser Wald" im Kino an. Welchen Einfluss hat ein solcher Kinostart auf die spätere Videovermarktung? Es wird immer behauptet, Kino sei die Veredelung der Home-Entertainment-Auswertung. Das trifft wohl nur zu, wenn ein Produkt im Kino erfolgreich ist. Sonst kostet es am Ende nur Geld und bringt der DVD-Auswertung nichts. Wir gehen davon aus, dass wir "Das grüne Wunder" erfolgreich im Kino vermarkten. Unsere Erwartungshaltung ist hoch. Die Presse und das bisherige Publikum äußern sich sehr positiv. Das ist dann eine gute Basis für die DVD-Veröffentlichung.

Was hat Sie dazu veranlasst, auch in die Koproduktion von Filmen einzusteigen? Mitunter sind als Koproduzent die Auswertungsmöglichkeiten attraktiver, als wenn wir Lizenzen erwerben. Wir haben die Rechte länger. So groß ist der Unterschied zwischen Koproduktion und Lizenzierung allerdings nicht. Bei Koproduktion können wir inhaltlichen Einfluss geltend machen. Wir sind aber kein großer Player im Produktionsbereich. Wenn Special-Interest-Themen interessant sind, steigen wir ein. In erster Linie erwerben wir jedoch Lizenzen. Da weiß man, was man bekommt.

Auf DVD und Blu-ray galten Special Interest und spezielle Dokumentationen lange als Garanten für Preisstabilität. Trifft das auch heute noch zu? Für Preisstabilität sorgt nicht nur der Markt, sondern vor allem die eigene Haltung, das Verhalten des Anbieters. Wir versuchen, den Preis stabil zu halten, und größtenteils gelingt uns das auch. Natürlich müssen wir bei einzelnen Produkten nachgeben und uns neu orientieren. Aber im Grundsatz halten wir die Preise stabil. Der Markt gibt es her.

Welchen Blu-ray-Anteil erreichen Dokumentationen? Generell ist der Blu-ray-Anteil bei uns dem Markt entsprechend. Aber es gibt Special-Interest-Themen, vor allem die großen Naturdokumentationen, bei denen im ersten halben Jahr mehr Blu-rays als DVDs verkauft wurden. In der längerfristigen Auswertung ändert sich das wieder zugunsten der DVD. Wahrscheinlich greifen die Spätkäufer eher zur DVD.

Mit Karstadt und Kaufhof haben sich große Player aus der Medienhandelslandschaft verabschiedet. Welchen Einfluss hat diese neue Konstellation auf den Absatz von Special-Interest-Themen? Das müssen wir beobachten. Special-Interest-Themen werden sehr gut bei Media Markt und Saturn verkauft. Durch den Wegfall einiger Player im stationären Handel könnte dieses Standbein stärker werden. Aber auch Amazon spielt natürlich eine große Rolle und wird wahrscheinlich noch wichtiger.

Von welchen weiteren Veränderungen in der Home-Entertainment-Landschaft gehenen Sie denn in den nächsten Jahren aus? Ich gehöre nicht zu den Pessimisten, die davon ausgehen, dass die DVD in den nächsten fünf Jahren komplett verschwindet. Natürlich wird sich der digitale Markt stärker gegenüber dem physischen behaupten. Insbesondere der schnelle Konsum wird künftig digital erfolgen. Aber wenn wir zur Musikindustrie schauen, hat die CD nach wie vor einen enormen Anteil an den Verkäufen. Wir müssen Sammelleidenschaft bedienen, die Produkte besser gestalten, um Kaufanreize zu wecken. Wir müssen kreativ sein, um das Marktniveau zu halten.