Kino

KOMMENTAR: Her name was Lola

Nicht das kommerzielle, aber das kommerziell erfolgreiche Kino muss draußen bleiben beim Kampf um die Goldene Lola. Keiner der zehn erfolgreichsten Kinofilme des letzten Jahres findet sich auf der Liste der sechs für den besten deutschen Film des Jahres Nominierten.

01.01.1970 01:00 • von Frank Heine

Nicht das kommerzielle, aber das kommerziell erfolgreiche Kino muss draußen bleiben beim Kampf um die Goldene Lola. Keiner der zehn erfolgreichsten Kinofilme des letzten Jahres findet sich auf der Liste der sechs für den besten deutschen Film des Jahres Nominierten: Sicher, "Kokowääh", "Männerherzen 2" und "What a Man" wären als gefällige Komödien nicht zu erwarten gewesen, ein "Wickie auf großer Fahrt", "Hexe Lilli" oder ein "Vorstadtkrokodile 3" wären eher ein Thema bei den Kinderfilmen gewesen, denen einfach aus Gründen der Spannung fünf Nominierungen sicherlich besser zu Gesicht stünden als aktuell mickrige zwei.

Aber dass der bei der Kinoauswertung erfolgreichste Film, der am 27. April um die Lola kämpfen darf, von gerade einmal 350.000 Besuchern gesehen wurde, könnte zumindest zu denken geben - würde man nicht einen genaueren Blick auf die Nominiertenliste werfen: "Dreiviertelmond", "Anonymus" oder, "Hell" sind sicherlich keine Beispiele für asketisches, strenges Kunstkino, sondern setzen, jeder auf seine ganz spezielle und unverkennbare Weise, auf Entertainment - nur der verdiente Zuschauerzuspruch war beim Kinoeinsatz ausgeblieben. Und "Almanya" gehörte als Überraschungsüberflieger des vergangenen Jahres mit 1,4 Mio. Besuchern schon beim Deutschen Filmpreis 2011 zu den großen Gewinnern und kann folgerichtig in diesem Jahr nicht mehr an den Start gehen.

Nun mag man die Absenz von Filmen wie "Eine ganz heiße Nummer" oder "Hotel Lux" bedauern, dennoch ergibt sich insgesamt ein Feld von Lola-Anwärtern, das die beachtliche Bandbreite des deutschen Filmschaffens widerspiegelt: großes Ausstattungskino, als wäre Hollywood zu Besuch (was letztlich auch zutrifft), bei "Anonymus", großes Schauspielkino fürs Gemüt bei "Dreiviertelmond", -furioses Genrekino bei "Hell", dazu ein -engagierter Erstling wie "Kriegerin", der sich obendrein in der Darstellerinnensparte -sogar berechtigte Hoffnungen auf einen -Gewinn machen darf. Und schließlich im Zentrum, na, nennen wir es einmal vollmundig das Duell der Giganten: Dresen gegen Petzold, beide anerkannt bei der deutschen Kritik und zunehmend auch im Ausland; Ersterer ein Publikumsliebling, dessen menschlicher Blick auch vor den unangenehmen Dingen nicht zurückschreckt, Zweiterer ein formvollendeter Stilist mit einer klaren Vision von Kino, der mit wachsendem Renommee auch ein Publikum außerhalb des Arthousezirkels anspricht.

Alles drin, -alles dran also beim Deutschen Filmpreis 2012, bei dem sich sogar die Wild Card -erneut ausgezahlt hat: "Wintertochter", -ursprünglich nicht im Kreis der Nominierungsvorschläge, darf sich darüber freuen, jetzt vielleicht doch noch als Kinderfilm des Jahres ausgezeichnet zu werden. Auch wenn es manche nicht schick finden: Campaigning lohnt sich - es ist nichts Ehrenrühriges dabei, sich als Produzent und/oder Verleih für einen Film stark zu machen, an dem man bereits zwei Jahre seines Lebens mit -jeder Faser seines Körpers gearbeitet hat.