Kino

Zeichentrick-Veteran Keane verlässt Disney

37 Jahre lang war Glen Keane einer der führenden Animatoren der Zeichentrickabteilung von Walt Disney. Am Freitag nahm der Mann hinter "Arielle, die Meerjungfrau" überraschend seinen Hut.

01.01.1970 01:00 • von Thomas Schultze

37 Jahre lang war Glen Keane einer der führenden Animatoren der Zeichentrickabteilung von Walt Disney. Am Freitag nahm der Mann hinter "Arielle, die Meerjungfrau" überraschend seinen Hut. Sein Abschied vom Maus-Haus kommt nur wenige Monate, nachdem der langjährige Disney-Animator Andreas Deja gegangen war. Auch wenn Keane keine Gründe angab, wird in Hollywood vermutet, dass die Veteranen des Studios nicht allzu glücklich mit der Führung von Pixar-Chef John Lasseter sind, der Disney Animation 2006 übernommen hatte.

Glen Keanes Frustration ist verständlich: Der unermüdliche Innovator, der 1974 bei Disney angeheuert hatte und zu den entscheidenden Männern hinter der Renaissance des Zeichentrickstudios zu Beginn der Neunzigerjahre zählte, war zuletzt die ursprüngliche treibende Kraft hinter "Rapunzel - Frisch geföhnt". Seine Vision, das Märchen als bewegtes Renaissance-Gemälde zu erzählen, wurde aber als zu experimentell und kostspielig erachtet, weshalb Keane noch während der Produktion abgelöst wurde. Das Projekt wurde ohne Keane als gut gelauntes Fantasy-Abenteuer neu eingetütet und erwies sich als Kassenschlager. Seither war Keane nicht mehr an einem Disney-Projekt beteiligt und zog nun offenbar die Konsequenzen.

Glenn Keane animierte Arielle in "Arielle, die Meerjungfrau", das Biest in "Die Schöne und das Biest", sowie die Titelfiguren in "Pocahontas" und "Tarzan". Für letzteren Film entwickelte er mit dem so genannten Deep-Canvas-Prozess auch eine bahnbrechende Technologie, die entscheidenden Anteil bei der Übersetzung traditioneller Folienanimation in CGI-Animation hatte.