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Im Interview: Willi Geike, President & Managing Director Warner Bros. Entertainment

01.01.1970 01:00 • von Mareike Haus

Zum dritten Mal in Folge Kinomarktführer und seit zehn Jahren Marktführer Video: Was heißt das für Warner? Die Erfolge der letzten Jahre sind der Garant dafür, dass das Studio in ausgezeichnete neue Filme investieren kann. Das ist schon seit Jahren der Fall, und wir sind zuversichtlich, dass es auch so bleibt.

Und was bedeutet es für Sie, dass Warner 2011 erstmals Topverleih für lokales Produkt im Kino war? Das betrachte ich als das Ergebnis unserer Arbeit seit 1995, als wir mit "" begonnen haben, uns für deutsche Filme zu engagieren, zuerst als Verleih und schon bald als Koproduzent. Die gute, erfolgreiche Zusammenarbeit mit deutschen Produzenten, Regisseuren, Schauspielern und Autoren eröffnet Möglichkeiten für die Zukunft, die für beide Seiten vielversprechend sind.

Nun zeigen die US-Majors sehr unterschiedliche Ausdauer in ihrem Engagement beim deutschen Film. Was gilt da für Warner? Für uns ist es gar nicht mehr denkbar, ohne den lokalen Film auszukommen. Diese Philosophie der "Local Production" hat sich bei Warner Bros. schon lange durchgesetzt, und wir handeln danach in verschiedenen Ländern. Mit 30 Prozent Marktanteil am deutschen Film war unser Erfolg 2011 außergewöhnlich groß. Lokale Filme spielen mittlerweile eine wesentliche Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg der War-ner Bros. Entertainment GmbH. Unser Engagement für den deutschen Film wird sich dann in den nächsten Jahren sicher noch verstärken.

Haben alle deutschen Produktionen Ihre Erwartungen erfüllt? Zwei Filme haben 2011 maßgeblich zu dem Erfolg beigetragen, nämlich "" und "". Beide sind Teil eines "neuen deut-schen Films", wie wir ihn früher so nicht hatten: Er orientiert sich stark am Publikum und spiegelt dabei den Zeitgeist wider. Til Schweiger als Produzent, Regisseur, Autor und Hauptdarsteller und Simon Verhoeven als Regisseur und Autor erreichen mit ihren kreativen Ideen ein breites Publikum. "", "", "", "Kokowääh" und "Männerherzen und die ganz ganz große Liebe" - Til Schweiger schafft nun schon seit Jahren immer wieder Topzuschauerzahlen. Ohne ihn stünde der deutsche Film längst nicht da, wo er heute steht. Das bietet die Chance, neue Dinge auszuprobieren.

Welche Folgen hat das eher enttäuschende Abschneiden von "Lauras Stern und die Traummonster"? Bei "Lauras Stern" besitzen wir die weltweiten Rechte für alle Auswertungsstufen: Kino, Video, TV und Merchandising. Da bleibt schon etwas übrig. Natürlich haben wir uns mehr versprochen, aber das Konkurrenzumfeld der animierten Familienfilme ist schwieriger ge-wor-den. Wir werden in Zukunft weiterhin Animationsfilme koproduzieren, aber wir versuchen, ein etwas anderes Publikum anzusprechen. Bestes Beispiel für diese Strategie ist "Keinohrhasen und Zweiohrküken", ein CGI-Film in 3D von Cartoon-Film und Barefoot Film, der die titelgebenden Charaktere, auf Basis der Bücher von Til Schweiger und Klaus Baumgart, in den Mittelpunkt stellt. Diese Art Family-Entertainment richtet sich an etwas ältere Kinder und deren Familien, die mit viel Humor unterhalten werden wollen, und vermittelt trotzdem wichtige Werte wie Freundschaft und den Glauben an die eigenen Wünsche und Ziele.

Wie stark verfolgt Warner die Strategie, Talent dauerhaft an sich zu binden? Wir wollen nicht "Talent an uns binden", sondern mit Produzenten, Schauspielern, Regisseuren und Autoren so zusammenarbeiten, dass für beide Seiten Positives herauskommt. Mit Til Schweiger wollen wir bei seinem neuen Projekt, "Schutzengel", die außergewöhnlich emotionalen Geschichten, die er in den letzten Jahren in seinen erfolgreichen Filmen erzählt hat, fortsetzen, aber dieses Mal vor einem spannenden Thrillerhintergrund mit außergewöhnlich gut inszenierten Actionszenen. Nach dem Motto: Liebe und Vertrauen sind stärker als Hass und Gewalt. Was ich bisher gesehen habe, ist atemberaubend. Das wird ganz großes Kino. Mit "Schutzengel" kann sich Til Schweiger mit allen großen Filmemachern der Welt messen. Natürlich setzt er auch seinen letzten großen Erfolg fort: "Kokowääh 2" werden wir noch in diesem Jahr realisieren. Das Buch stammt wieder von Béla Jarzyk und Til Schweiger. Barefoot Films, Béla und Warner sind wieder Koproduzenten, Barefoot ausführender Produzent. Kinostart ist für Ende Februar/Anfang März 2013 vorgesehen.

Sie haben vor einiger Zeit den Einstieg von Warner in die regionale Fernsehproduktion angekündigt. Wäre es nicht naheliegend gewesen, mit Til Schweiger auch seinen geplanten "Tatort" zu koproduzieren? Das wäre eine schöne Sache gewesen. Aber für den Aufbau unserer TV-Produktion brauchen wir noch Zeit. Es gibt noch viel vorzubereiten. Wir wollen auf diesem Gebiet jedenfalls auch in Deutschland eine Rolle spielen.

Welche weiteren lokalen Koproduktionen sind von Warner zu erwarten? Auf der Münchner Filmwoche haben wir mit großem Erfolg "Jesus Loves Me" vorgestellt, die erste Regiearbeit von Florian David Fitz. Dass wir diesen Film bei Warner herausbringen, freut mich besonders. Produzent ist Nico Hofmann, und wenn er neben seinen großen Eventmehrteilern und TV-Movies wieder mehr Kinofilme produziert, sind wir die Ersten, die mit ihm und UFA Cinema zusammenarbeiten wollen. Auch Simon Verhoeven ist ein herausragender Regisseur, mit dem wir jederzeit wieder gern zusammenarbeiten würden. Es gibt in diesem Jahr noch einen weiteren großen Kinofilm, den wir mit Alexander Thies und der NFP produziert haben: "Man tut was man kann" ist eine sehr schöne Komödie von Marc Rothemund mit Wotan Wilke Möhring, Jan Josef Liefers und Jasmin Gerat, die gerade mit sehr guten Ergebnissen vor Publikum getestet wurde. Und nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Bavaria Pictures bei "Buddenbrooks" steht jetzt "Ludwig II." an, den wir auch noch in diesem Jahr ins Kino bringen wollen. Ich denke, dass wir mit diesen Koproduktionen und Akquisitionen auch 2012 wieder ganz vorne im Markt für deutsche Produktionen mitspielen werden.

Ganz neu ist die Vereinbarung mit Matthias Schweighöfer. Wie sieht sie aus? Mit Matthias Schweighöfer und seiner Produktionsfirma Pantaleon Films haben wir einen exklusiven 4-Picture-Deal als Regisseur und Hauptdarsteller unterzeichnet. Schweighöfer wird im Anschluss an seine nächste Produktion, "Schlussmacher", zusammen mit Dan Maag und Marco Beckmann vier Filme für Warner Bros. produzieren.

Wie viele lokale Produktionen trauen Sie sich pro Jahr in der Vermarktung zu? Ich glaube, dass es für Warner sinnvoll ist, sechs bis acht deutsche Koproduktionen pro Jahr herzustellen und zu vermarkten. Das ist, was wir leisten können, das ist aber für uns auch schon eine große Herausforderung.

Sind Sie denn generell mit dem Zuspruch für deutsche Filme zufrieden? Ja, sehr. 2011 haben immerhin acht Filme über eine Million Zuschauer erreicht. Neben Til Schweiger und Michael Bully Herbig sind auch andere in der Lage, ein Millionenpublikum zu ziehen, allen voran Matthias Schweighöfer, dem das nun mit drei Filmen in Folge gelungen ist

Was sind die großen US-Produktionen? Ein Blick auf die Starts der nächsten zwei Jahre zeigt, dass wir außergewöhnlich gute Filme herausbringen können. Die beiden "Hobbit"-Filme, die Weihnachten 2012 und 2013 ins Kino kommen, werden meines Erachtens exzellente Ergebnisse erzielen. Warner verfolgt eine Strategie, die auf sechs bis acht Tentpole-Pictures pro Jahr zielt. Da spielen unsere Franchises eine große Rolle. Mit "Dark Knight" schließt Christopher Nolan seine "Batman"-Trilogie ab. Das bedeutet aber nicht, dass das "Batman"-Thema zu Ende ist. Nach Nolan, der diesem Franchise besonders in Deutschland neue Kraft verliehen hat, wird es weitergehen. Daneben wird mit Nolans Hilfe von Zack Snyder ein neuer "Superman" entwickelt. "Hangover" ist auch ein Franchise, bei dem es weitergeht. "Zorn der Titanen" setzt den erfolgreichen ersten Teil fort. Sandra Bullock und George Clooney in "Gravity" und Tim Burtons neuer Johnny Depp-Film, "Dark Shadows", haben Blockbusterpotenzial. Und "Sherlock Holmes" hat gerade wieder gezeigt, wie stark seine Zugkraft ist...

Haben sich Ihre Erwartungen in 3D erfüllt? Unbedingt! 3D muss Sinn machen und gut gemacht sein. Warner wird auch in Zukunft große Filme für ein breites Publikum in 3D produzieren.

Gibt es Neues beim Thema Premium-VoD? Die Erkenntnisse aus den ersten Tests in den USA werden ausgewertet, und man wird sehen, ob sich hier Chancen ergeben, die Filmauswertung nach Kinostart zu verbessern. Prinzipiell geht es ja darum, dass wir im Home-Entertainment einen Wechsel von physischem zu digitalem Vertrieb erleben. Premium-VOD und digitale Distribution sind Instrumente, um Konsumentenwünsche besser zu erfüllen.

Wie stark macht sich dieser Wandel im Home-Entertainment bei Warner bemerkbar? Im Kino sind wir Marktführer mit einem Anteil von 20 Prozent, im digitalen Bereich beträgt er 29 Prozent. Das zeigt, wie stark wir hier mit unseren digitalen Distributionspartnern den Markt anführen. Mit ihnen zusammen haben wir die digitale Distribution im deutschen Markt, ob nun als Video-On-Demand oder Electronic Sellthrough, stark vorangetrieben. Hier gibt es noch große Potenziale, die wir in Zukunft ausschöpfen wollen.

Welche neuen Modelle planen Sie in Deutschland? Sind dabei auch Rental-Sharing-Modelle im Gespräch? So ein Modell würde am ehesten gewährleisten, dass Warner Bros. und die Produzenten in akzeptabler Form an den Einnahmen der Videotheken partizipieren. Es ist nicht einzusehen, dass wir dort für Kopientiefe zu Niedrigstpreisen sorgen, die, bezogen auf Einzeltransaktionen, nur Erlöse im Centbereich bringen. Das ist nicht weiter hinnehmbar, weil dabei ein Teil des Markts versorgt wird, ohne dass die Rechteinhaber angemessen beteiligt werden.

Zeichnet sich diese Änderung in den Vermarktungsbedingungen noch für das laufende Jahr ab? Solange bei bestimmten Videotheken kein Rental-Sharing-Modell möglich ist, müssen wir höhere Preise für die einzelne DVD mit Verleihrecht verlangen. Sonst wäre diese Auswertungsform so privilegiert wie keine andere. Dahinter steckt unsere Philosophie, dass wir für unsere kostspieligen Produktionen auf allen Ebenen optimale Rückflüsse erzielen müssen; ansonsten sind neue aufwendige Filme nicht zu finanzieren. Andererseits müssen wir gewährleisten, dass das Publikum den Film sehen kann, wo immer und wann immer es möchte. Auch das gehört zu einer optimalen Auswertung. Und deshalb müssen wir unsere Auswertungsregeln ständig überprüfen. Wenn sich das Konsumentenverhalten ändert, müssen auch wir uns ändern.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die viel beschworene Cloud? Ein sehr große. Wir sind diejenigen, die diesen Prozess in der Gesamtbranche vorantreiben. Ultraviolet heißt hier das Stichwort. Es geht darum, den Konsumenten den Film so bequem wie nur irgend möglich verfügbar zu machen, unabhängig davon, auf welchem Equipment er ihn gerade ansehen möchte. Dafür bietet die Cloud die idealen Voraussetzungen. Das erfordert eine Verbindung von physischem und digitalem Produkt. Egal, in welcher Welt ich den Film gekauft habe, ich muss ihn in beiden Welten nutzen können.

Würde in der digitalen Welt ein Studio EST nicht immer VoD vorziehen? Ich bin der Auffassung, dass das auch der Konsument tut. Beim digitalen Kauf hat er immer Zugriff auf seinen Film. VoD-Modelle stellen ihm den Film ja nur eine begrenzte Anzahl von Stunden zur Verfügung. Es geht also darum, ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis beim Kauf von Spielfilmen und TV-Serien herzustellen, das vom Konsumenten akzeptierte Preise für digitales und physisches Produkt aufweist. Im Übrigen hatten wir auch im deutschen Markt das größte Wachstum bei EST.

Wie schätzen Sie 2012 generell ein? 2012 wird nach meiner Überzeugung ein großes Kinojahr werden. Nicht nur, weil wir herausragende Filme haben und der Anteil des deutschen Films gut sein wird, sondern weil der Markt insgesamt mit sehr gutem Produkt versorgt werden wird, das zeigt ein Blick auf die Releaselisten. Im Home-Entertainment-Bereich wird es ein weiteres Jahr sein, in dem wir die digitalen Wachstumsraten dazu nutzen können, dass der Gesamtmarkt nicht nur stabil bleibt, sondern ebenfalls leicht wächst. Diese Chance sollten wir nutzen.