Film

Regisseur Peter Fratzscher zu "Sieben Monde'

01.01.1970 01:00 • von

Blickpunkt:Film: Nach dem Musikfilm "Asphaltnacht" und der Actionkomödie ist Ihr dritter Kinofilm ein Thriller. Fühlen Sie sich wohl in diesem Genre?

Peter Fratzscher: Sehr wohl. Die "Tatorte" und TV-Krimis, die ich gemacht habe, sind ja thematisch dem Thriller-Genre nahe. So etwas fürs Kino zu drehen, war immer schon ein Traum von mir. Trotzdem - meine TV-Erfahrungen möchte ich nicht missen. Sie sind eine gute Schule und man muß schließlich Geld zum Leben verdienen. Außerdem mache ich lieber etwas Gutes fürs Fernsehen als etwas Mittelmäßiges fürs Kino. Alles hängt von den Stoffen ab, die man angeboten bekommt. Ich sehe mich nicht als Autorenregisseur, sondern eher als jemand, der von der handwerklichen Seite kommt. Es gibt auch Herzblutgeschichten bei mir, die kommen aber erst noch.

BF: Dann haben Sie auch als Handwerker an Udo Lindenbergs gearbeitet?

PF: Ja. Ich habe früher auch als Cutter gearbeitet, z.B. bei Dominik Grafs Mystery-Thriller "Das zweite Gesicht" geschnitten. Ich könnte meine eigenen Filme auch schneiden, aber da lasse ich lieber jemand anderen ran, eine neue Instanz, die vielleicht neue gute Ideen hat. Als Regisseur fällt einem im Schneideraum nichts neues ein. Jemand, der das Material zum ersten Mal sieht, ist da viel besser.

BF: Für "Sieben Monde" waren Sie zunächst nicht als Regisseur vorgesehen. Wie kam es zur Übernahme?

PF: Ursprünglich sollte Drehbuchautor Nils Morten Osburg sein Regiedebüt geben. Ich war von Anfang an dabei, habe so eine Art Regieberatung gemacht, auch bei der Besetzung entscheidend mitgewirkt. Mit Drehbeginn war diese Arbeit für mich beendet. Dann hat sich herausgestellt, daß das Ganze für den Debütanten zu groß war. Nach drei, vier Drehtagen hat Nils das eingesehen. So kam der Wechsel zustande. Ich war sozusagen die Rückversicherung.

BF: Ist die ironische Brechung des Werwolf-Thrills von Anfang an so konzipiert worden?

PF: Ja, aber es ist auch meine eigene Handschrift. Ich bin auf der Seite der klassischen Tradition: Jedes Drama hat seine komischen Momente. Die Story von jemanden, der dem Wahn verfällt, ein Werwolf zu werden, ist bierernst erzählt nur langweilig.

BF: Wie kamen Sie zu dieser guten Besetzung?

PF: Wir hatten angemessenes Geld, etwas über vier Millionen, und wir beschlossen, statt modischer digitaler Effekte lieber in eine optimale Besetzung zu investieren. So ist "Sieben Monde" vor allem auch ein Schauspielerfilm. Christoph Waltz als esoterischer Polizist zusammen mit Burkhard Driest und Peter Lohmeyer sind das schärfste Bullen-Trio seit langem. Mit einem so ausgebufften Darstellerteam gehen die Dreharbeiten zügig vonstatten. Wir hatten 37 Drehtage und zwei Monate für den Schnitt. Daß es solange gedauert hat, bis der Film ins Kino kommt, hat verleihtechnische und "Titanic"-Gründe.

BF: Warum haben deutsche Filme heute so wenig mit deutscher Wirklichkeit zu tun?

PF: Es würde reichen, wenn man richtige Menschen zeigt. Die kann aber in Deutschland heute keiner schreiben. Nichts gegen deutsche Komödien, aber mit den Berufen darin fängt es schon an, und die Handlung ist mittlerweile vorhersehbar. Es muß kein platter Realismus sein. Das ist auch nicht, aber da gibt es glaubhafte Charaktere, lebendige Menschen.

BF: Was planen Sie als nächstes?

PF: Erst einmal wieder einen "Tatort" für den , "Messingers Bier", und dann gibt es für das Kino ein Großprojekt, das wir internationaler produzieren müssen, europäisch. Es ist ein Science-fiction-Stoff, der im Jahr 2100 spielt und vom Ende des Fußballs erzählt, nach einer Bildergeschichte von Enki Bilal. Es wird ein Film über die Endzeit des Kapitalismus, von der Stimmung her ähnlich wie . Wir brauchen dafür ein Budget von mindestens 20 Millionen Mark.