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IVD-Mitgliederversammlung: Fox-Boykott als Dauerzustand?

01.01.1970 01:00 • von Mareike Haus

Am Ende des Gerichtsdramas "Der Mandant" sagt Matthew McConaughey als Anwalt Huller fast wörtlich, dass auch er sich um Stammkunden kümmern müsse. Die Aufführung in der "Black Box" des Düsseldorfer Filmmuseums war Bestandteil des kleinen Rahmenprogramms rund um die IVD-Mitgliederversammlung. Für die Filmpremiere vor Kinostart hatte Universums Rentalverantwortlicher Horst Soltysiak gesorgt, der für die zweite Jahreshälfte ein starkes Programm ("") versprach. Dass Stammkunden nicht unzufrieden sein dürfen, war bereits Thema während der Versammlung, als lebhaft über das Fox -Minusfenster diskutiert wurde. Mehrere Teilnehmer argumentierten gegen einen totalen Bestellboykott mit dem Hinweis, dass die Ablehnung des Fox-Konzepts nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden dürfe.

"Probleme beim Einkauf und Kundenansprache sind zwei Dinge, die niemals vermischt werden dürfen. Ich brauche jeden Titel, den ich verleihen kann. Ich muss heute Geld verdienen, nicht in einem halben Jahr", so ein IVD-Mitglied, das energisch gegen den völligen Verzicht auf Fox-Titel plädierte. Mit dieser Aussage widersprach es anderen Meinungen, wonach der Boykott derzeit das einzige Mittel sei, um zu verhindern, dass andere Anbieter nachzögen: "Dann wären wir in einem halben Jahr erledigt." Ob Boykott aus Solidarität oder aus tiefster Überzeugung: allgemeines Erstaunen darüber, dass sich die große Mehrheit an der Bestellzurückhaltung bei "" beteiligt hatte: "Ich bin stolz darauf, dass wir eine einheitliche Front gebildet haben." An der Auffassung, dass es sich bei dem Fox-Konzept um "eine Provokation" handele, bei der Videothekare "mit Brachialgewalt" vor den Kopf gestoßen würden, gab's keine Differenzen. Aber wie soll's weitergehen, da die völlige Ignorierung von Fox-Filmen "kein Dauerzustand" sein dürfe? "Irgendwann kommt der nächste Bond-Film!"

Zunächst einmal wollen auch die Boykottgegner nicht die Rückkehr zu alten Bestellmengen: "Ein oder zwei Kopien von einem Titel wie '' würden mir schon reichen. B-Titel kommen weiterhin nicht infrage." Zweitens war allgemeiner Konsens, dass wieder Gespräche mit Fox geführt werden sollten. Daher wurde der IVD-Vorstand aufgefordert, Kompromisslinien auszuloten. IVD-Vorstand Hans-Peter Lackhoff versprach, diese Anregung umzusetzen. Er wies aber auch darauf hin, dass der Verband selbst keine "wirtschaftlichen Druckmittel" besitze.

Des Weiteren erläuterte IVD-Vorstand Jörg Weinrich in seiner Funktion als Web-Guard-Verantwortlicher in einem hochinformativen Vortrag die Erfolge gegen Interpiraterie. Unter anderem hätten Aktivitäten gegen Werbetreibende auf Onlineportalen mit illegal eingestellten Filmen positive Effekte zur Folge gehabt. Letztlich aber müsse die Politik, also der Gesetzgeber, viel aktiver werden als bisher.

Die Tagesveranstaltung endete mit einem Get-together in der Düsseldorfer Altstadtkneipe "Uerige".