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IVD-Versammlung: Kontroverse über Fox-Boykott

Das Fox-Konzept mit Minusfenster ist nach wie vor das große Aufregerthema unter Videothekaren. Das wurde auch auf der Mitgliederversammlung des IVD in Düsseldorf deutlich.

01.01.1970 01:00 • von Jörg Rumbucher

Am 21. Juni veranstaltete der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels (IVD) im Düsseldorfer Filmmuseum seine jährliche Mitgliederversammlung. Trotz überschaubarer Teilnehmerzahl kam es zu einer lebhaften Diskussion über das weitere Vorgehen in Sachen Fox-Konzept. Einigkeit herrschte naturgemäß darüber, dass diese Veröffentlichungspolitik "eine Provokation" darstelle, bei der Videothekaren "mit Brachialgewalt" vor den Kopf gestoßen werde. Kein Konsens gab es zu der Frage, ob der Totalverzicht auf Fox-Filme das geeignete Gegenwehr-Instrument sei. Einzelne Teilnehmer gaben zu Bedenken, dass das Fehlen bestimmter Titel gegenüber Kunden nicht zu rechtfertigen sei. "Ich halte den Komplettboykott für völlig falsch. Wenn ich Probleme mit der Firma Fox habe, dürfen meine Kunden nicht darunter leiden. Der Imageschaden im Laden ist einfach zu groß", so ein IVD-Mitglied. Angemessen wäre, zumindest ein oder zwei Kopien eines Titels mit Minusfenster zu bestellen.

Andere Teilnehmer erklärten, dass es zum Totalboykott keine Alternative gebe: "Wenn andere Anbieter nachziehen, ist der Verleih in einem Jahr erledigt." Für viele Betreiber immer noch überraschend ist die Tatsache, dass der weitgehende Verzicht auf Fox-Filme wie "" überhaupt funktioniert habe: "Ich bin stolz darauf, dass wir eine einheitliche Front gebildet haben."

Aber wie soll es weitergehen? Da der völlige Verzicht "kein Dauerzustand" sein dürfe, wurde der IVD-Vorstand aufgefordert, mit Fox Gespräche aufzunehmen, um mögliche Kompensationen auszuloten. IVD-Vorstand Hans-Peter Lackhoff erklärte, diese Anregung umzusetzen. Er wies aber auch daraufhin, dass der Verband selbst keine "wirtschaftlichen Druckmittel" gegenüber einem Anbieter besitze.

Desweiteren erläuterte IVD-Vorstand Jörg Weinrich in seiner Funktion als Web-Guard-Verantwortlicher in einem hochinformativen Vortrag die Erfolge gegen Interpiraterie. Unter anderem hätten Aktivitäten gegen Werbetreibende auf Onlineportalen mit illegal eingestellten Filmen positive Effekte zur Folge gehabt. Auch mit Abmahnungen und Gerichtsprozessen seien einige Erfolge erzielt worden. Letztlich aber müsse die Politik, also der Gesetzgeber, viel mehr aktiv werden als bisher.

Nach der Mitgliederversammlung präsentierte Horst Soltysiak, Sales Director Rental Universum Film, den Anwesenden im Filmmuseumskino "Black Box" das Gerichtsdrama "Der Mandant", der erst ab 23. Juni in den Kinos zu sehen sein wird. Die Veranstaltung klang mit einem Get-Together in der Düsseldorfer Altstadtkneipe "Uerige" aus.