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ARD-Programmvorschau 2011: "Ein Jahr der Veränderungen"

Neue Moderatoren, ein verändertes Primetime-Programmschema, große Jubiläumssendungen und zahlreiche neue Fernseh- und Spielfilme in 2011 - das verspricht ARD-Programmdirektor Volker Herres für das "Das Erste".

14.01.2011 15:13 • von Andreas Kloo
ARD-Programmdirektor Volker Herres: "Kinofilm bleibt der ARD wichtiges Anliegen (Bild: ARD/Thorsten Jander)

Die ARD bleibt wichtiger Partner der Fernseh- und Spielfilmproduzenten. Das unterstrich der Senderverbund bei der Programmvorschau für 2011 gestern in Hamburg. Das Gemeinschaftsprogramm "Das Erste" strahlt auch dieses Jahr wieder zahlreiche TV-Movies und Kinoproduktionen aus. ARD-Programmdirektor Volker Herres betonte: "Die aktive Förderung des deutschen Kinofilms bleibt der ARD ein unverändert wichtiges Anliegen." Rückblickend bezeichnete er 2010 als "gutes Jahr", Die ARD steigerte den Marktanteil um einen halben Prozentpunkt auf 13,2 Prozent - verlor jedoch den Spitzenplatz beim Gesamtpublikum an RTL, was Herres freilich verschwieg. "Wenn es um Qualität geht, dann belegen wir eindeutig den ersten Platz", so der ARD-Programmchef. Mit Blick auf die Programme der kommerziellen Konkurrenz sagte Herres: "Ich bin eigentlich ganz froh, dass die Unterschiede im dualen System wieder deutlicher werden. Vielleicht nimmt das Konvergenz-Geschwätz ja ein Ende, und die Wahrnehmung der realen Umstände macht Fortschritte."

Verena Kulenkampff, ARD-Koordinatorin Fernsehfilm, nannte mit Hinweis auf die Forderung der Produzentenallianz nach mehr Transparenz bei den Produktionsbudgets eine interessante Zahl: Für alle 90-Minüter, die bei der ARD um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden, gab der Senderverbund vergangenes Jahr 250 Mio. Euro aus. Hinzu kommen Ausgaben für Serien sowie andere fiktionale Formate wie Dailys und Telenovelas. Erfreulich aus Sicht der ARD: Vergangenes Jahr stieg die Zuschauerzahl für den Sonntags-Krimi von durchschnittlich 7,4 Mio. auf 7,8 Mio. Einen Zuschauergewinn verzeichnete auch der Film-Mittwoch, hier stieg die durchschnittliche Sehbeteiligung von 4,4 Mio. auf 4,6 Mio.. Der Serien-Dienstag soll thematisch weiter geöffnet werden und "etwas weniger dramatisch" werden. Die Krimi-Serie "Mord mit Aussicht" sei ein Beispiel für andere Erzählstile auf diesem Sendeplatz. Eine Absage erteilte Kulenkampff der Forderung von Filmproduzenten, einen zusätzlichen Primetime-Sendeplatz für Kinofilme einzurichten. Dieser würde auf Kosten der Auftragsproduktionen gehen, niemand habe daran ein Interesse. Kulenkampff versprach jedoch attraktive Sendeplätze für Kinofilme.

Zu den TV-Movie-Highlights zählt "Gottes mächtige Dienerin" (Ziegler Film) mit Christine Neubauer als einflussreiche Privatsekretärin von Papst Pius XII. Der Zweiteiler wird an Ostern ausgestrahlt. In "Sie hat es verdient" (Teamworx) trauern Veronica Ferres und Martin Feifel um ihre Tochter, die von Mitschülerinnen zu Tode gequält wurde. Christiane Hörbiger spielt in "Wie ein Licht in der Nacht" (Aspekt Telefilm) eine erfolgreiche Immobilienmaklerin, die mit der Pensionierung in den Alkoholismus abrutscht. Im zweiten Quartal 2011 zeigt die ARD die internationale Koproduktion "Der Chinese (AT)" (Yellow Bird) nach dem gleichnamigen Roman von Henning Mankell. Der Plot: In einem idyllischen schwedischen Dorf werden 19 Menschen grausam getötet. Richterin Brigitta Roslin (Suzanne von Borsody) bemerkt rasch, dass die Ermittlungen der Polizei in die falsche Richtung gehen und recherchiert auf eigene Faust.

In der zweiten Jahreshälfte wird das TV-Experiment "Dreileben - Kommt mir nicht nach" ausgestrahlt. Die Regisseure Dominik Graf, Christoph Hochhäusler und Christian Petzold inszenierten unabhängig voneinander Handlungsstränge einer Kriminalgeschichte - in einem jeweils eigenen Stil und aus einer anderen Perspektive. Die drei 90-Minüter lassen sich jedoch nicht als klassische Trilogie begreifen. Im Spätsommer/Herbst strahlt "Das Erste" das Udo-Jürgens-Biopic "Der Mann mit dem Fagott" (Ziegler Film) aus. Udo Jürgens, der für den Film selbst vor der Kamera stand: "Dass unser Buch nun tatsächlich durch einen Film noch einmal auf neue Weise zum Leben erweckt wird, bedeutet mir unendlich viel, und manchmal kann ich das selbst noch immer nicht ganz glauben." Einer der ARD-Programmhöhepunkte zum Jahresende ist der Zweiteiler "Laconia", die dramatische Rettungsaktion nach dem Untergang des vollbesetzten Dampfers im zweiten Weltkrieg, aufwändig verfilmt mit einem Budget von 13 Mio. Euro und Beteiligung der BBC. Die TV-Fassung der Spielfilmproduktion "Die Päpstin" geht ebenfalls Ende des Jahres bei der ARD als Zweiteiler auf Sendung.

Die neue Familienserie "Das Glück dieser Erde" (Satel Film) startet mit zunächst 13 Folgen im zweiten Quartal bei der ARD. Im Mittelpunkt der Produktion stehen die Intrigen rund um ein Lipizzaner Gestüt in der Steiermark. Die zweite Staffel von "Die Stein" (Novafilm), eine Serie um Lehrerin Katja Stein (Julia Stemberger), ist für Mitte des Jahres vorgesehen.

In der Reihe "Debüt im Ersten" werden dieses Jahr elf Filme junge Nachwuchs-Regisseure vorgestellt, darunter "Alle Anderen", "Der Architekt" und "Chiko". 2011 wird für die ARD auch ein Jahr der Jubiläen, die mit Sonderprogrammierungen gewürdigt werden: Der "Polizeiruf 110" feiert genauso wie die "Maus" 40. Geburtstag, das "Großstadtrevier" ist seit einem Viertel Jahrhundert auf Sendung und die Serie "Um Himmels Willen" feiert ihr 10-jähriges Jubiläum. Mit einer Filmreihe wird beispielsweise Jerry Lewis geehrt, der dieses Jahr seinen 85. Geburtstag feiert, Glenn Ford, der dieses Jahr 95 Jahr alt geworden wäre, ist der ARD eine Sonderprogrammierung wert, genauso wie der 75. Geburtstag von Robert Redford im August. Einen cineastischen Leckerbissen bietet die ARD allen 007 Freunden: Im März startet mit "Goldfinger" eine James Bond Retrospektive, erstmals werden die MGM-Klassiker in HD ausgestrahlt. Die Reihe wird nächstes Jahr fortgesetzt.

Die Höhepunkte der ARD-Spielfilmprogrammierung stellte Jörn Klamroth in Hamburg vor. Dazu zählt der dies Jahr aus dem Amt scheidende Degeto-Geschäftsführer "The Wrestler" mit Mickey Rourke als tragisch gescheiterten Wrestling-Profi. "Happy-Go-Lucky" ist eine ungewöhnliche britische Komödie, Sally Hawkins wurde für ihre Rolle als Polly bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra" ist die Verfilmung des aufregenden Enthüllungsromans von Roberto Saviano. Im Kino begeisterte "Wüstenblume" ein Millionenpublikum, die ARD strahlt die deutsch/internationale Koproduktion im dritten Quartal 2011 aus. Und zum Jahresende darf im "Ersten" über die schrulligen "Sch'tis" gelacht werden.

Die ARD verstärkt sich außerdem mit zwei neuen Unterhaltungs-Moderatoren: Kai Pflaume präsentiert künftig das neue "Star Quiz" vom NDR und Dieter Nuhr wird Gastgeber im "Satire Gipfel". Ab Herbst wird die Baustelle Vorabendprogramm angegangen: Komödiantische Krimiformate sollen die "Marienhof"-Lücke schließen. Ebenfalls im Herbst gehen die "Tagesthemen" Montag bis Donnerstag fix um 22.15 Uhr auf Sendung. "Es geht voran", so das Resümee von Programmchef Herres, - "fürs Profil und fürs Publikum".