Produktion

Michel Gondry zu "The Green Hornet"

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Haben Sie "The Green Hornet" als neue Herausforderung begriffen? Unbedingt. Ich habe noch nie einen Film in dieser Größenordnung, unter diesen Voraussetzungen gedreht. Wichtig ist für mich, dass ich einen ganz persönlichen Zugang zu dem Stoff finde, den ich verfilmen soll. Die Herausforderung war also, einen Film zu machen, der mich anspricht, aber eben auch ein großes Publikum. Es ist ein Film, der von vielen Menschen gesehen werden soll.

Mit "The Green Hornet" verbindet Sie eine lange Geschichte. Bereits in den Neunzigerjahren hatten Sie versucht, eine Filmadaption der Serie in Angriff zu nehmen. Damals habe ich mit einem Autor an einer Filmfassung gearbeitet und hatte viele Ideen. Rückblickend muss ich sagen, dass sie vielleicht etwas zu verrückt waren. Ich hätte den Film damals gern komplett auf dem Studiogelände von Universal gedreht. Ich hatte es als Tourist mit meinem damals noch sehr jungen Sohn mehrfach besucht und mir immer ausgemalt, dass es toll wäre, einen Film komplett dort spielen zu lassen - die Straße, die man mit Wasser fluten kann, das Erdbeben, der Lavatunnel. In Hollywood fand man die Idee nicht so gut. Sie wurde abgelehnt.

Weshalb Sie aufmerksam wurden, als der Stoff wieder bei Ihnen landete. Ich fand, dass ich es meinem Sohn schuldig sei. Ich muss lächeln, wenn ich darüber nachdenke: Die ursprüngliche Version war ganz seinem damaligen Alter entsprechend, sehr liebenswert und cartoonhaft. Der Film, den wir jetzt gemacht haben, entspricht mehr seinem jetzigen Alter. Er ist erwachsener, gewalttätiger. Als ich ihm erzählte, dass ich "The Green Hornet" jetzt doch machen würde, freute er sich. Und sagte mir: Papa, nimm kein neues Auto, nimm das alte Auto aus der Serie. Das habe ich beherzigt. Auf Ihnen lastet ein enormer Erfolgsdruck. Haben Sie das bei Ihrer Arbeit gespürt? Beim Dreh geht es um einen anderen Druck: Man muss seine Termine halten, man muss aus den Schauspielern das Beste herausholen. Wenn man mit guten Technikern und einem gut vorbereiteten Drehbuch arbeitet, liegt der ganze Fokus auf der Abwicklung. Natürlich gab es Momente, bei denen mir die Absurdität eines so großen Filmprojekts bewusst wurde. Aber da muss man durch.

Haben Sie den Eindruck, dass man Ihre persönliche Handschrift in dem Film wiederfindet? Ich habe den Film nicht für mein persönliches Vergnügen gemacht. Ich will, dass viele Menschen ein Ticket dafür kaufen und Spaß daran haben. Es gibt ein paar verrückte Szenen, um die ich kämpfen musste, weil ich sie unbedingt so umsetzen wollte, wie ich sie im Kopf hatte. Aber nicht weil es um mich ging, sondern weil sie gut für den Film waren. Natürlich könnte es mehr Momente geben wie die Splitscreen-Sequenz, in der sich die Leinwand in 16 Teile aufspaltet. Aber wenn man den Kontext bedenkt, ist "The Green Hornet" durchaus auch ein abgefahrener Film geworden.

Sie haben den Film nachträglich in 3D umgewandelt. Wie waren Ihre Erfahrungen? Wir hätten auch in 3D drehen können, aber ich bin kein Freund von digitalen Kameras. Mir gefällt die Textur von Film. Deshalb musste der Film nachträglich umgewandelt werden. Mir war es wichtig, nicht einfach dreidimensionale Räume zu schaffen. Ich wollte kreativ mit 3D umgehen, das war bei der Konversion gegeben. Gerade bei der Konversion von Film kann man interessante Sachen -machen. Film ist von Natur aus immer etwas körnig. Wenn man das räumlich auflöst, ist es, als könnte man sehen, wie dick die Luft ist. Konversion ist ein Werkzeug, und wie bei jedem Werkzeug muss man wissen, wie man damit umgeht, wenn man gute Ergebnisse erzielen will.

Im Mittelpunkt Ihrer beiden letzten Filme stehen Medien, die von der Zeit überholt werden: VHS in "Abgedreht", Zeitungen in "The Green Hornet". Wie sehen Sie die Zukunft von Film? Ich bin mir nicht sicher. Musik werden die Menschen immer brauchen. Sie wollen Sex haben und Kinder kriegen. Aber Filme? Filme gibt es nur noch, weil sie von einem System gestützt werden, das nicht will, dass es sie nicht mehr gibt. In einzelnen Ländern gibt es die klassische Auswertungsabfolge Kino, DVD, Fernsehen schon nicht mehr. Hollywood ist eine mächtige Industrie. Wer in dieser Filmfabrik arbeitet, erlebt hautnah mit, wie alles getan wird, um das aktuelle System aufrechtzuerhalten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es noch zeitgemäß ist. Lebensnotwendig ist Film jedenfalls nicht. ts