Produktion

Regisseurin Christine Hartmann über "Hanni & Nanni"

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Sie erzielten mit "Todesbrücke" die höchste Einschaltquote eines "Tatort" seit 1993 und sind "Hanni & Nanni"-Fan. Was hat Sie mehr für diesen Job prädestiniert? Als Regisseurin macht man ja gern unterschiedliche Sachen, und ich inszeniere gern "Tatorte", bei denen es mir weniger um den Krimi geht als um gute Themen, die man unter dem Siegel "Tatort" noch machen kann. Und ein Kinderfilm war mal etwas ganz anderes. Ich fand es schön, selbst wieder ein Stückweit Kind zu sein. Warum man mich dafür ausgewählt hat? Da müssen Sie die Produzenten fragen. Vielleicht wollte man eine Frau als Regisseur, jemand, der "Hanni & Nanni"-affin ist. Neben dem "Tatort" habe ich ja auch Komödien fürs Fernsehen gedreht.

Nach zehn Jahren TV-Regie folgt nun die erste Kinoarbeit. Es war schon seit Längerem ein großer Traum von mir, endlich einen Kinofilm zu machen. Als Fernsehregisseurin ist es gar nicht so einfach, auf die Kinoschiene zu wechseln. Insofern ist das für mich etwas ganz Besonderes.

Die "Hanni & Nanni"-Bücher haben schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Musste viel an der Vorlage modernisiert werden? Das Projekt begleitet mich seit drei Jahren, und beinahe so lange haben wir auch an dem Buch gearbeitet, um diesen Spagat zu schaffen, auf der einen Seite der Marke "Hanni & Nanni" gerecht zu werden, auf der anderen einen Film zu machen, der im Jahr 2010 spielt.

Was ist die Zielgruppe Ihres Films? Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Das ist die Zeit, in der man sich noch für die Rettung eines Pferdes interessiert und Schuluniformen hübsch findet, auf jeden Fall die Zeit, bevor man anfängt, sich für Jungs zu interessieren.

Warum ist der Film episodenhaft angelegt? Auch die Ursprungsbücher von "Hanni und Nanni" sind ja extrem episodisch. Es gibt da einen Band, der aus 20 ganz kleinen Geschichten besteht. Deshalb haben wir als Überbau Folgendes verwendet: Dass sich die Zwillinge in eine Gemeinschaft integrieren und ihre Individualität entdecken. Macht das auch den universellen Charakter von Enid Blytons Büchern aus? Für mich war interessant, dass zwar mittlerweile viele Dinge ein bisschen obsolet sind, aber diese traditionellen Werte, wie Freundschaft oder eine Meinung zu vertreten, vermittelt werden. Die sind ja heute noch wichtig. Obwohl wir im hochtechnologisierten Zeitalter leben, reduziert sich das Leben ja immer wieder auf diese einfachen alten Werte.

Gerade die erwachsenen Rollen sind hochkarätig besetzt, etwa mit Anja Kling und Heino Ferch. Da die Kinder alle noch unbekannt sind, wollte man aufseiten der Erwachsenen ein paar Zugpferde haben. Aber es war uns wichtig, dass die Schauspieler - Name hin oder her - auch wirklich zu ihren Rollen passen.

Der Speisesaal sieht aus wie der von Hogwarts und Hannelore Elsner wie ein weiblicher Dumbledore. Unser Lindenhof ist ein Internat zum Träumen, "Hanni & Nanni" ist kein realistischer Film, er ist ein bisschen wie "Harry Potter meets Fliegendes Klassenzimmer" angelegt.

Mit der ersten Kinoadaption der Marke "Hanni & Nanni" sind sicher große Erwartungen verknüpft. Spüren Sie den Druck? Natürlich bin ich nervös. So ein Film ist wie ein eigenes Kind. Wenn er jetzt im Kino startet, dann ist das so, als wäre das Kind aus dem Haus. Ich kann keinen Einfluss mehr ausüben. Das ist für mich im Kinobereich auch alles ganz neu und sehr aufregend.

Gibt es dennoch auch ein Leben nach "Hanni & Nanni"? Ich habe gerade einen Berliner "Tatort" gedreht, der am 26. September ausgestrahlt wird. X Filme hat das erste Mal fürs Fernsehen produziert, das Buch stammt von Beate Langmaack, der Titel heißt: "Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen". Es ist ein sehr eigener Film geworden und es hat auch ganz gut getan, nach "Hanni & Nanni" wieder in die Erwachsenenwelt zurückzukehren. lasso