Verkauf

Fox-Geschäftsführer Joachim Spang: "Wir wollen die Marktführerschaft"

01.01.1970 01:00 • von Mareike Haus

"" hat im Kino sämtliche Rekorde gebrochen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Vermarktung des Films, und welche Versionen sind geplant? Hier kommt eine gigantische blaue Welle auf uns zu. "Avatar" ist der erfolgreichste Film aller Zeiten im Kino und wird in Deutschland am 23. April als DVD und Blu-ray erscheinen. Der Film bietet die höchstmögliche Bild- und Tonqualität und benötigt entsprechenden Speicherplatz. Daher wird es kein Bonusmaterial auf den Discs geben.

"Avatar" hatte im Kino über zehn Mio. Zuschauer. Wären Sie unter Anrechnung des Verlustes der 3D-Fans mit der bekannten Zehn-Prozent-Formel beim Verkauf der DVD und Blu-ray zufrieden? Die Zehn-Prozent-Klausel wird insbesondere von Independents als Benchmark angesehen. Wir arbeiten nach anderen Kriterien. "" lief im Kino ebenfalls sehr erfolgreich als 3D-Version, und wir hatten mehr als 8,7 Mio. Zuschauer. Über alle Formen haben wir bei "Ice Age 3" in den ersten zwölf Wochen bereits über 1,6 Mio. Units verkauft. Das Pre-Order-Volumen von "Avatar" bei Amazon liegt bei Blu-ray fünfmal so hoch wie bei "Ice Age 3". Ich wäre also persönlich sehr enttäuscht, wenn die Zahl der Abverkäufe nur auf dem von Ihnen vorgeschlagenen Niveau liegen würde.

Warum veröffentlicht Fox zum Start am 23. April keine 3D-Version fürs Heimkino? 3D in der heutigen Form mit der Rot-grün-Brille wird keinen bleibenden Eindruck hinterlassen und den Markt nicht nachhaltig verändern. 3D mit dem entsprechenden Fernseher, Blu-ray-Player und einer Shutter-Brille ist eine ganz andere Dimension. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis 3D im Heimkino eine relevante Größe ist. Daher: Alles zu seiner Zeit!

Wann kommt denn diese Zeit? "Avatar" hat für 3D im Kino den Durchbruch gebracht, und diese Welle schwappt langsam aufs Heimkino über. Das Potenzial von 3D ist meines Erachtens enorm, und da 3D auf das Format Blu-ray zurückgreift, wird auch der Blu-ray noch einmal ein entscheidender Schub gegeben und dem Markt neue Käuferschichten zugeführt.

Kann man aus Ihrer Antwort ableiten, dass Sie mit der bisherigen Entwicklung bei Blu-ray nicht zufrieden sind? Blu-ray hat speziell im vergangenen Jahr einen steilen Anstieg verzeichnet. Die Player-Penetration, inklusive PlayStation 3, liegt mittlerweile bei über sechs Prozent, und wir nähern uns mit großen Schritten dem Massenmarkt. Neue Technologien brauchen ihre Zeit, auch wenn die Zyklen kürzer werden. Deutschland ist in Europa nach Großbritannien bereits der zweitstärkste Blu-ray-Markt. Im Softwarebereich hat die Blu-ray schon über zehn Prozent Umsatzanteil, saisonal bedingt bis zu 15 Prozent. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Auf dem richtigen Weg trotz der überproportional fallenden Blu-ray-Preise? Wenn es bei mir überhaupt eine Sorge die Blu-ray betreffend gibt, dann ist es die Entwicklung der Preise. Dies gilt für Hard- wie Software. Sowohl auf Handels- auch als auf Industrieseite haben wir es verpasst, zusätzliche Wertschöpfung zu generieren. Die Durchschnittspreise für Blu-ray fallen viel zu schnell. Diese Entwicklung hat sich aber die gesamte Branche selbst zuzuschreiben.

3D ist ja nicht zum ersten Mal ein Thema für die Branche. Auch die Brille wird als Negativargument angeführt. Was macht Sie so optimistisch, dass es gerade jetzt klappt? Die Nutzung einer Shutter-Brille wird den Konsumenten nicht von dem sehr beeindruckenden Erlebnis 3D abhalten. Im Kino akzeptieren die Zuschauer die Brille auch. Ein anderes Beispiel: Schauen Sie sich den Erfolg der Spielkonsole Wii an. Dort stellen sich die Spieler auf ein Balanceboard oder nutzen die Bewegungs-Joypads. Warum sollte 3D an einer Shutter-Brille scheitern? Hinzu kommt: In Zukunft wird 3D auch als Pay- oder Free-TV erhältlich sein und diesem Format den endgültigen Durchbruch zum Massenmarkt bringen.

Zurück zum Heute. Die Messlatte aus dem vergangenen Jahr liegt hoch. Wie kann Fox an diese Erfolge anknüpfen? Wir hatten letztes Jahr mit "", "", "Ice Age 3", "", "", "", "", "" oder "" u. a. eine Vielzahl von kommerziell erfolgreichen Titeln. Allein unsere Highlights hatten letztes Jahr deutlich über 20 Mio. Kinozuschauer. In diesem Jahr hat Fox "Avatar". Dazu kommen noch Filme wie, "", "", "", "", "Das A-Team - Der Film", "Knight & Day", "Crazy Heart", "Der fantastische Mr", "Wall Street - Geld schläft nicht", "Predators" und - mein persönlicher Favorit - "Date Night - Gangster für eine Nacht". Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass wir mit diesem Programm nicht mindestens genauso stark sein werden wie 2009.

Sie haben "Krabat" und "Nordwand" erwähnt. Welche Rolle spielt der Bereich Local Acquisitions für Fox? Neben dem Studioprodukt haben wir auch sehr starkes lokales Produkt wie die bereits erwähnten "Krabat" und "13 Semester". "Krabat" hatte über 1,4 Mio. Zuschauer in Deutschland, und wir haben in knapp einem Jahr knapp 350.000 Units verkauft. Zudem haben wir in Majestic einen tollen Partner, mit dem wir seit März 2010 mit "Wüstenblume" bereits den fünften Film gemeinsam vermarkten. Local Acquisitions ist für uns ein sehr wichtiger Bereich, den wir weiter ausbauen werden. Das bedingt durchaus auch eine Öffnung für neue Genres und eine Erweiterung des Produktportfolios.

Aktuell ist die Dauer der Auswertungsfenster ein heiß diskutiertes Thema in der Branche. Welche Position vertritt hier Fox? Wir hatten in den letzten drei Jahren, sogar mit steigender Tendenz, ein durchschnittliches Kinofenster über alle unsere Filme von ca. 170 Tagen. Im Einzelfall hat es hin und wieder ein Viermonatsfenster gegeben. Das war aber saisonal bedingt, um für die Videovermarktung ins wichtige Oster- oder Weihnachtsgeschäft zu kommen. Speziell Ostern ist für die Vermarktung ein schwieriger Fall, weil sich der Termin jedes Jahr um einige Wochen verschieben kann. Daher würde es einem Rechteinhaber in Ausnahmefällen helfen, hier mit einer flexibleren Fensterpolitik agieren zu können. Darüber hinaus muss man das Wettbewerbsumfeld berücksichtigen. Auf der anderen Seite haben wir mit langen Fenstern sehr gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel bei "", der trotz eines Kinofensters von fast einem Jahr auf DVD hervorragend lief.

Hat der deutsche Film mit seinem sechsmonatigen Auswertungsfenster einen Wettbewerbsnachteil? Der Rechteinhaber kann einen Antrag auf eine Fensterverkürzung stellen. Diese flexiblere Handhabung beim Abschluss der Kinovermarktung würde ich mir auch für internationale Produkte wünschen, um die Wertschöpfung zu optimieren. Was aber oft vergessen wird: Das Kinofenster hat für Home-Entertainment eine wichtige Bedeutung. Aufgrund der vorgelagerten Kinoverwertung kann ich den Erfolg einschätzen und die Marketingstrategie optimal anpassen.

Day-and-Date für Kino und Video bleibt also in weiter Ferne? Kino wird immer als Premiumvermarktung vorn anstehen. Ein Großteil der Konsumenten geht ins Kino und kauft sich ein paar Monate später die DVD oder Blu-ray. Ich weiß nicht, wie diese Entscheidung aussehen würde, wäre alles sofort parallel verfügbar.

Räumt Fox dem Videoverleihhandel ein eigenes Fenster ein? Das handhaben wir flexibel. Es gibt viele Filme, mit Verleihfenster. Bei anderen setzen wir auf Day-and-Date mit Sell-Thru. Jeder einzelne Film wird einer genauen Analyse unterzogen und entsprechend positioniert.

Im internationalen Wettbewerb präsentierte sich der deutsche Markt als einer der wenigen als stabil und glänzte mit Wachstum. Was läuft in Deutschland anders als in anderen europäischen Ländern, die zum Teil drastische Einbußen hinnehmen mussten? Insbesondere die südeuropäischen Länder, Benelux und Großbritannien gerieten im vergangenen Jahr stark unter Druck. Ich würde hier nicht Home-Entertainment allein betrachten, denn das hat sich dort in fast allen Wirtschaftsbereichen widergespiegelt. Der Konsumklimaindex hatte hierzulande einen ganz anderen Verlauf. Die Deutschen haben in ihren Konsumausgaben die Krise noch gar nicht reflektiert.

Kann dies eventuell in diesem Jahr noch passieren? Wir erleben derzeit ja nicht die erste Krise und sicher nicht die letzte. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auf eine Finanz- immer eine Industriekrise und erst dann eine Konsumkrise folgt. Bis dato ist der Konsument noch nicht davon berührt und spürt dies erst nach einer gewissen zeitlichen Spanne. Wenn beispielsweise Arbeitslosigkeit nicht mehr durch Kurzarbeit aufgefangen wird. Das führt dann zur Konsumkrise, und diese Phase haben wir in Deutschland 2009 praktisch noch nicht erlebt. Ich persönlich befürchte, dass dies 2010 passieren kann. Optimistisch stimmt mich, dass der Konsument in Krisenzeiten viel Zeit zu Hause verbringt. Und dafür hat die Videoindustrie das perfekte Angebot.

Der Kunde wird aber auch bei Home-Entertainment selektiver auswählen ... Fox hatte im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 14 bis 15 Prozent, aber zeitgleich einen Anteil am Wachstum des Gesamtmarkts von 46 Prozent. Das heißt, fast jeder zweite Wachstumseuro ist also bei Fox geblieben. Dass wir so überproportional profitiert haben, liegt sicher auch an unseren Vermarktungsformen. Diese unterscheiden uns augenscheinlich von unseren Wettbewerbern.

Sony und Disney stellen sich derzeit neu auf bzw. haben sich neu aufgestellt und orientieren sich noch stärker an den Bedürfnissen des jeweiligen Handelspartners. Ist das auch für Fox eine Option? Diesen Schritt haben wir bereits vor über drei Jahren vollzogen und sogenannte Account- Compentence-Teams gebildet. Schön, dass auch die Wettbewerber inzwischen die Notwendigkeit erkannt haben. Für uns ist das eine Bestätigung. Was aber nicht heißt, dass wir nicht bereits wieder neue Ideen und Konzepte entwickeln.

Was sind die mittelfristigen Ziele von Fox? Das kann man klar beantworten: Ich war bei meinen vorherigen beruflichen Stationen immer für den Marktführer tätig. Das sollte auch in diesem Markt möglich sein.

Ein durchaus ehrgeiziges Ziel. Das ist für mich nicht ehrgeizig, sondern bestenfalls eine Frage der Zeit. Sehen sie sich die Entwicklung der Marktanteile in den letzten Jahren an. Fox kann hier eine steile Wachstumskurve vorweisen, und wir waren im vergangenen Jahr bereits mit geringem Rückstand auf den Marktführer und deutlichem Vorsprung nach hinten die klare Nummer zwei im Markt. Wir haben unsere Anteile innerhalb von vier Jahren um über 50 Prozent gesteigert. Ich sehe keinen Grund, warum sich dieser Trend ändern sollte. Unser ganzes Team ist perfekt dafür aufgestellt.

Im Juli läuft der Vertrag mit Dienstleister Cinram aus, der kürzlich erst Warner als Kunden verloren hat. Inwiefern hat dieser Sachverhalt Einfluss auf die Entscheidung von Fox? Verträge zwischen Partnern in der gesamten Vermarktungskette sind in der Regel immer zeitlich befristet. Deshalb ist es ein ganz normaler Vorgang, dass eine Partnerschaft auf dem Prüfstand steht, wenn ein solcher Vertrag ausläuft. Diese Gespräche laufen zwischen Fox International und Cinram. Der Wechsel eines Partners bringt gewisse Reibungen mit sich, bis der Ablauf optimal verläuft und der Sand aus dem Getriebe ist. Diese Erfahrungen hat auch Fox in der Vergangenheit gemacht. Aus unserer Sicht heißt der Weggang von Warner, dass wir für Cinram nun der wichtigste Partner sind. Auf der anderen Seite hat Cinram einen großen Umsatzverlust zu verkraften und muss entsprechend reagieren. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Entwicklungen wir zu berücksichtigen und zu erwarten haben.

Herr Spang, vielen Dank für das Gespräch.