Film

Francois Ozon über "Angel - Ein Leben wie im Traum"

19.07.2007 09:39 • von Matthias Herrmann

Dürfen wir "" eine Soap-Opera nennen? Wenn Sie den Begriff positiv meinen, gerne. Der Film erzählt die Erfolgsstory einer Frau, die ihren Kopf durchsetzt und sich eine eigene Welt fern der Realität aufbaut. Im Gegensatz zu Elizabeth Taylors Roman, den ich fünf bis sechs Mal gelesen habe, zeichne ich die Figur sympathisch, mache sie nicht lächerlich. Angel, angelehnt an die Schriftstellerin Marie Correlli, sollte anfänglich nicht unbedingt eine Schönheit sein. Beim Casting entschied ich mich dann für eine sexy Ausstrahlung, so wie Vivien Leigh als Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht" mit ihren sehr ambivalenten Gefühlen. Ich spiele mit dem Genre Melodram und lasse lustvoll kein Klischee aus, bediene mich der Ironie. Die Figur ist aber auch sehr modern. Sie lügt über ihre Herkunft und strebt nach Erfolg. Heute will doch auch jeder berühmt sein, stürmen ganz normale Leute in Reality Shows, und suhlen sich in zehn Minuten Aufmerksamkeit, auch wenn der Absturz folgt. Wir lügen alle, dass sich die Balken bieten - sei es über Alter, Beziehungen oder Geld. In jeder Zeit und jedem Jahrhundert schaffen Menschen sich ihre eigene Fantasiewelt.

Die ist bei Ihnen sehr "stylish" inszeniert. Wie alle meine Filme. Ich liebe es, in Farben, Kostümen und opulenter Ausstattung zu schwelgen und musste nicht historiengetreu sein. Diesmal habe ich mich an den 40er und 50er Jahren orientiert und starken Frauen wie Joan Crawford, mit diesen traumhaften Filmen bin ich groß geworden.

Ich hätte auch auf Nähe zu Todd Haynes getippt. Ich mag ihn und seine Bilderwelten, aber wollte nicht so etwas wie "Dem Himmel so fern" machen. Mir schwebte mehr Douglas Sirk vor mit seinen Themen und der modernen Sicht auf das Melodram. Deshalb jongliere ich mit verschiedenen Ebenen und setze auf die Intelligenz der Zuschauer.

Welche Erfahrung machten Sie bei den Dreharbeiten. Werden Sie weiter in englischer Sprache arbeiten? Das weiß ich noch nicht. An die fremde Sprache gewöhnte ich mich nach einigen Anlaufschwierigkeiten schnell. Aber das Ganze erwies sich als harte Herausforderung und kostete viel Energie, war alles andere als nur ein Vergnügen. Es lastete zu viel auf meinen Schultern. Es haperte an der Finanzierung von englischer Seite, die Engländer verstanden nicht, warum ein Franzose ausgerechnet einen Film aus der Epoche drehen wollte. Dabei plante ich kein period piece, sondern nur die Adaption eines Stoffes aus der Zeit. Wir hatten zu wenig Drehtage und mussten die ersten Wochen in Belgien drehen. Dafür entschädigten mich die an Theater-Arbeitarbeit gewöhnten englischen Schauspieler, sie sind unheimlich professionell und äußerst gut vorbereitet, geben einen riesigen Input. Das entlastete mich dann doch sehr.

Wollte nicht ein US-Studio als Ko-Produzent einsteigen? Stimmt, aber die Bedingungen fand ich nicht akzeptabel. Ich hätte im Laufe eines Jahres das Drehbuch mit einem amerikanischen Autor neu schreiben sollen, selbstverständlich mit Happy End, und dafür wollten sie einen Star für uns engagieren. Warum sollte ich mich auf so etwas einlassen? Ich habe in Europa den Final Cut und alle Freiheiten, auf diese Art von Kompromissen kann ich verzichten. So verfügte ich zwar über ein geringeres Budget, konnte jedoch die Besetzung selbst aussuchen und meine Wünsche verwirklichen.

Erhalten Sie Angebote aus Hollywood? Ziemlich viele sogar. Im Moment interessiert mich das nicht besonders, ich bin nicht darauf angewiesen. Aber man sollte nie, nie sagen.

Sie gelten als Frauen-Regisseur. Klingeln Schauspielerinnen bei Ihnen an? Ich erhalte schon manchmal Briefe von sehr bekannten Schauspielerinnen, die gerne mit mir arbeiten möchten und meine Filme mögen. Das ist natürlich sehr ermutigend und schmeichelt meinem Ego.