Film

Neue Geschäftsstrategie von Imax

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

"In den 40 Jahren seines Bestehens verfolgte Imax 35 Jahre lang mit wenigen Ausnahmen eine reine Dokumentarfilm-Strategie", erzählt Peter Eiff, General Manager Europe, Middle East & Africa, "doch seit fünf Jahren werden auch Spielfilme in diesem Format gezeigt." Zu diesem Zeitpunkt hatte das 1967 in Toronto gegründete Unternehmen einen digitalen Kopierprozess entwickelt, der 35-Millimeter-Bilder in das von Imax verwandte Format umrechnen kann. Imax verwendet zwar einen 70-Millimeter-Film, dreht jedoch das Bild um 90 Grad, sodass es nicht 70 Millimeter breit, sondern hoch ist. Dadurch wird das Negativ zehnmal so groß wie das herkömmliche 35-Millimeter-Negativ. Die Konvertierung erfolgt durch eine selbst entwickelte und patentierte DMR-Software, die bei der Umrechnung Auflösung und Schärfe des Bilds erhöht und die Farben auf die Vorgaben der mit Silber beschichteten Imax-Leinwände anpasst. "Die Imax-Erfahrung beruht auf dem großen, scharfen und helleren Bild, aber auch auf dem Sound", erklärt Eiff. "Mit dieser Kombination wird der Zuschauer in das Bild hineingezogen und so Teil des Films." In den USA und Kanada gibt es rund 150 Imax-Kinos (weltweit: circa 300), von denen etwa die Hälfte Filme in der DMR-Technologie spielt. Im Schnitt spielen die meisten DMR-Filme in Nordamerika zwischen 100.000 und 250.000 Dollar pro Kopie ein. "300" erzielte bereits am Startwochenende durchschnittlich 54.000 Dollar pro DMR-Leinwand. Um in den Genuss der Riesenbilder zu kommen, seien Zuschauer offenbar auch bereit, höhere Eintrittspreise zu zahlen, so Eiff.

Damit Imax-Filme nicht mehr nur in speziell errichteten Kinos projiziert werden können, habe man nun mit dem MPX-System einen Projektor entwickelt, mit dem auch normale Multiplexsäle nachträglich zu Imax-Kinos umgerüstet werden können. Mindestanforderung an den Saal ist allerdings eine Leinwandgröße von zehn mal 16 Metern. Die Kosten für das "Upgrade" von Projektor, Tonanlage und Leinwand belaufen sich laut Eiff auf 1,4 bis 1,5 Mio. Dollar. Hinzu kämen noch Umrüstungskosten im Kino in Höhe von 150.000 bis 200.000 Dollar. "Wir glauben so sehr an das Produkt, dass wir in Schlüsselmärkten wie Deutschland bereit sind, Joint Ventures einzugehen", erklärt Peter Eiff. In diesem Fall stelle man die Technik zum Selbstkostenpreis und beteilige sich am Launch-Marketing. Minimum bei dieser Strategie seien allerdings vier umgerüstete Locations. Schon bei 75.000 bis 100.000 Besuchern pro Saal und Jahr werde ein Return on Investment erzielt, bei dem sich die Investition nach circa drei Jahren rechne. Solche Joint Ventures wurden in den USA unter anderem mit den Ketten AMC und Edwards bereits abgeschlossen. In persönlichen Gesprächen auf dem HDF-Kongress will Eiff den Kinobetreibern die Umrüstung schmackhaft machen. Neben "300" kommen 2007 unter anderem "Spider-Man 3" und "Harry Potter 5" im Imax-Format, weitere Filme sind in Vorbereitung. Ein Teil des Contents wird in stereoskopischem 3D berechnet, grundsätzlich alle in 3D hergestellten Animationsfilme, aber auch Realfilme. Den Anfang machte eine knappe halbe Stunde von "Superman Returns". Zwar kann das Imax-Equipment nicht für herkömmliche Filme ohne DMR-Aufbereitung genutzt werden, zur Verfügung stehen jedoch auch die traditionellen Imax-Dokumentarfilme, die sich laut Eiff nach wie vor erheblicher Beliebtheit erfreuten. Gemeinsam mit verschiedenen Herstellern, wie Christie oder Sony, die den einzigen 4K-Projektor auf dem Markt anbieten, arbeitet man derzeit an einer digitalen Strategie, zu der bis zur CineExpo in Amsterdam Näheres bekannt gegeben werden soll. "Wir werden allerdings nur dann ein digitales Produkt auf den Markt bringen, wenn es genauso gut ist wie unser analoges 70-Millimeter-Bild und besser als eine herkömmliche 2K- oder 4K-Projektion", sagt Eiff und beruhigt schon einmal alle potenziellen Kunden: "Wenn wir analoge Systeme digital umrüsten, dann geschieht dies ohne zusätzliche Kosten für die neuen Kinos." stei