Film

Deutschlands schwarze Filmschaffende stellen sich vor

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Neue Bilder heißt die Filmreihe, mit der sich der junge Verein, der bislang etwa 60 Mitglieder aus allen Bereichen des Filmschaffens zählt, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. "Neue Bilder soll bedeuten, den Klischees und Stereotypen von Schwarzen in deutschen Film- und Fernsehproduktionen ein der multiethnischen Wirklichkeit Deutschlands entsprechendes Bild entgegenzusetzen, vor allem aber auch unsere Selbstwahrnehmung zu stärken", erklärt die Schauspielerin und erste SFD-Vorsitzende Carol Campbell. "Zu glauben, Schwarze seien in Deutschland nicht Teil der Realität, ist provinziell", erklärt die Autorin und zweite Vorsitzende Philippa Ebéné. Beide wünschen sich für Besetzungsentscheidungen eine "organische Normalität", wie sie in den USA schon weitgehend eingetreten sei. Gemeint ist damit, Rollen, die nicht zwingend von einer bestimmten Ethnie gespielt werden müssen, nicht ausschließlich mit Weißen, sondern auch mit Nicht-Weißen zu besetzen, ohne dass dies im Buch begründet werden muss. Diese Diskussion wurde in den USA schon vor über 20 Jahren begonnen und begründete ein Umdenken - und Karrieren wie beispielsweise die von Denzel Washington. Noch aber gelte in Deutschland Hautfarbe als Typenbezeich- nung, so lautet ein Vorwurf des SFD. Um diesen zu untermauern, erzählt Ebéné von einem Fall, bei dem ein Sender zwar das Drehbuch einer afrodeutschen Autorin sehr gut fand, es aber nur unter der Bedingung abnahm, dass die schwarze deutsche Hauptfigur in eine weiße verwandelt wurde. "Schwarz ist aber keine Typen- oder Rollenbeschreibung", betont Philippa Ebéné, "Teint oder ethnische Zugehörigkeit - auch bei Nicht-Weißen - sind daher nebensächlich."

Die SFD möchte aber auch erreichen, dass mehr Geschichten erzählt werden, die sich einer anderen als der weißen Perspektive annehmen. "Die schwarze Gemeinschaft in Deutschland ist sehr international", so Campbell, "und genauso vielfältig sind ihre Geschichten". Wobei auch nicht vergessen werden darf, dass Deutschland eine Kolonialvergangenheit hat, mit deren medialer Aufarbeitung noch kaum begonnen wurde. stei