Film

Premiere für den neuen EFM

10.02.2006 15:49 • von Jochen Müller

Wir reden immer vom Platz und wir versuchen Platz zu schaffen", sagt Beki Probst entspannt. Allemal wichtiger ist da die Attraktivität des EFM. Und die ist, American Film Market sei dank, so groß wie noch nie. 254 Firmen haben sich für dieses Jahr angemeldet, 165 waren es 2005. "Wir bemerken deutlich den Wechsel im Marktkalender", erzählt Probst. "Die Veränderungen haben sich zugunsten des EFM ausgewirkt, weil die Käufer und Verkäufer zwischen dem AFM und Cannes einen Markt brauchen." Und plötzlich tauchen völlig neue Käufer- und Verkäuferschichten auf. "Dieses Jahr kommen so viele Asiaten nach Berlin wie noch nie zuvor", sagt Probst, "und zwar gleichermaßen Käufer und Verkäufer". Auch aus Lateinamerika kommen sehr viele Käufer; Verkäufer von dort reisen weniger an, weil die lateinamerikanische Filmproduktion keinen sehr großen Output hat. Acht der 43 Länder, aus denen Vertreter zum EFM kommen, sind zum ersten Mal in Berlin vertreten. Es wird 20 Gemeinschaftsstände geben, etwa für Osteuropa und für Lateinamerika. Mit 650 Filmen rechnet Beki Probst mit Beginn des Markts. Von diesen Filmen werden über 400 zum ersten Mal auf einem der vier großen Märkte präsentiert. Das ließ sich aber nicht ohne eine neue Regel bewerkstelligen. "Auf dem EFM dürfen nur noch Filme angeboten werden, die nicht zuvor in Cannes und dem AFM präsentiert wurden", erklärt Probst den Kunstgriff, mit dem ein unkontrollierbarer Zustrom von Filmen auf den EFM verhindert wird.

Um die Filme in rund 950 Marktvorführungen präsentieren zu können, hat der EFM 23 Kinos zur Verfügung. Darunter auch das Kino der Deutschen Film- und Fernsehakademie und das 200 Sitze umfassende Kino im Martin-Gropius-Bau. Dort wird die zunehmende Zahl jener Filme projiziert, die auf HD angeboten werden. Auf Grund des großen Andrangs wurden die EFM Business Offices eingerichtet. In den Martin-Gropius-Bau hat man auf eine Mischung aus alten, treuen Kunden, die zuvor im Atrium des debis-Gebäudes ihre Stände hatten, und kleinen, mittleren und großen Firmen geachtet, damit der Mittelpunkt des neuen Markts zu einem starken Anziehungspunkt wird. "Das ist uns auch gelungen", sagt Leiterin Beki Probst.

Große US-Firmen wie Focus Features, Lakeshore Entertainment und Weinstein Company werden beim EFM erstmals mit einem Stand vertreten sein. Einige asiatische Firmen wie Cineclick Asia oder Shochiku, die bisher unter Umbrella-Präsentationen anzutreffen waren, haben erstmals eigene Stände gebucht. Auch eine ganze Reihe neuer japanischer und koreanischer Aussteller werden unter dem Dach ihres jeweiligen Umbrellas zum ersten Mal am EFM teilnehmen. Zusätzlich sind neue europäische Firmen, darunter Hanway Films, Gaumont und TF1, mit einem eigenen Stand vertreten.

Der Umzug in den stilvollen Martin-Gropius-Bau war für den EFM ein Ansporn, auch das Erscheinungsbild und die Identität des Markts zu erneuern. Mit der Neugestaltung von Standarchitektur und Programmbereich war die Berliner Agentur ChezWeitz beauftragt. Sie ließ für den imposanten Lichthof eigens einen Barbereich entwerfen. Auf der Galerie im ersten Obergeschoss wurde eine Lounge eingerichtet. Die Business Offices verfügen über eine Lounge mit Catering Service in der verglasten Spitze der fünften Etage. Zwischen der neuen Heimat des EFM und den Kinos verkehrt regelmäßig ein Bus-Shuttle.

Beibehalten werden die Kooperationen des European Film Market. Im Austauschprogramm "Straight from Sundance" werden dieses Jahr 33 Filme sein. Der Co-Production Market, der in sein drittes Jahr geht und aus dem heraus bereits über 20 Filme realisiert werden konnten, findet wieder im Abgeordnetenhaus und somit auf der dem EFM gegenüberliegenden Straßenseite statt. Fortgesetzt wird auch die Kooperation der Berlinale mit der Frankfurter Buchmesse. Rund 25 internationale Verleger und Agenturen präsentieren Verfilmungstitel erstmals unter dem Dach eines eigenen Stands der Buchmesse, darunter die Bonnier Group Agency, Diogenes, Editions Flammarion sowie die Verlage Rowohlt, Suhrkamp und Random House. Neben der Repräsentanz der Buchmesse auf dem neuen European Film Market wird es weitere gemeinsame Fachveranstaltungen im Berlinale Co-Production Market geben, etwa ein informelles Frühstück, bei dem Verlagsvertreter unter dem Motto "Breakfast & Books" ausgewählte literarische Stoffe vorstellen. Und auch "Works in Progress", eine Kooperation mit Argentinien, bei der frühzeitig in das Potenzial von in der Entstehung begriffenen Filmen investiert werden kann, findet wieder statt.

Für den neuen, größeren Filmmarkt wurde das Team um Beki Probst um sieben Mitarbeiter auf nun 22 erweitert. "Die Vorbereitung des neuen EFM war eine sehr intensive Arbeit für uns", blickt die Leiterin auf die vergangenen Monate zurück: "Ich hoffe, unsere Bemühungen haben sich gelohnt, denn die meisten Leute wollen eigentlich keine Veränderungen." stei

EFM in Zahlen

Marktfläche: 4179 Quadratmeter Teilnehmende Firmen: 254 Teilnehmende Länder: 43 Erstmals teilnehmende Länder: 8 Gemeinschaftsstände: 20 Angebotene Filme: ca. 650 Marktvorführungen: ca. 950