Film

Filmmusik-Symposium der European Film Academy: Kontrolle für Komponisten

04.01.2006 16:04 • von

Agonie und Ekstase standen auf dem Programm - zumindest wenn man das Thema des Symposiums wörtlich nimmt. Die von Wim Wenders geleitete European Film Academy hatte die Veranstaltung unter das Motto "The Agony And The Ecstasy - Being A Film Composer" gestellt. Dabei standen kreative wie auch wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt. Der britische Komponist Stephen Warbeck setzte sich zum Beispiel dafür ein, künstlerische Entscheidungen in den Vordergrund zu stellen. "Die beste Musik ist ohnehin Musik, die wie zufällig entlang einer Szene geschrieben ist." Da spiele dann auch das Budget keine Rolle. Im Gegenteil, mit einem knappen Budget komme man eher zum Punkt, während mit einem großen Etat nur die Individualität schneller verloren gehe.

Der Franzose Gabriel Yared, der für die Musik zu Der englische Patient" einen Oscar erhalten hatte, bezifferte das Musikbudget für den französischen Erfolgsfilm "Betty Blue" mit 15.000 Dollar, während für den US-Film Message in a Bottle" 1,5 Mio. Dollar zur Verfügung gestanden hätten. "Das liegt aber auch daran, dass die Musik für US-Filme ständig angepasst werden muss", erklärte Yared. Der Belgier Frédéric Devreese wies darauf hin, dass Filmkomponisten "Autodidakten" seien. Gabriel Yared riet Filmstudenten davon ab, Filmmusik zu studieren; sie sollten sich besser mit den Komponisten der Moderne auseinander setzen.

Die Expertenrunde beschäftigte sich auch mit Fragen der Kontroll über ihr Schaffen. Am Beispiel einer Szene in der deutschen Version des Films Shakespeare in Love", bei der die Filmmusik in den Hintergrund gemischt wurde, erklärte Stephen Warbeck, der den Soundtrack geschrieben hat: "In dieser Fassung hätte man besser ganz auf die Musik verzichtet. Die Musik fungiert hier nur als dünnes Make-up, der Dialog muss aber in der Musik eingebettet sein." Hierbei unterstützte ihn der Regisseur Jean Jacques Annaud: "Ich bin schockiert darüber, was da passiert ist. Daraus folgt, dass der Regisseur auch die fremdsprachigen Fassungen abnehmen muss. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass 80 Prozent unserer Zuschauer unsere Filme nicht in der von uns abgelieferten Version sehen." Stephen Warbeck rief alle Komponisten dazu auf, die Kontrolle über ihre Werke bis zur erfolgten Mischung - auch der fremdsprachigen Fassungen - zu behalten. Höhepunkt der Veranstaltung war die Preisvergabe an den dreifachen Oscar-Preisträger Maurice Jarre.