Film

USA: Knapp acht Prozent Umsatzrückgang

14.10.2005 13:32 • von
Überraschungshit: " {mlorigin.82996.Die Reise der Pinguine|U|E}" (Bild: Kinowelt)

Der September lief gut, sogar sehr gut mit Titeln wie "Der Exorzismus von Emily Rose", "Jungfrau (40), männlich, sucht", "Flight Plan" und "Solange du da bist". Dennoch lag das Boxoffice in den USA im dritten Quartal mit 2,2 Mrd. Dollar 7,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Trotz einer mit starken Titeln programmierten Wintersaison ist es fraglich, ob das drohende Minus für das Gesamtjahr noch abgewendet werden kann. Auch im Vorjahr war es knapp ausgegangen. Um 2,2 Prozent war das Boxoffice angewachsen im Vergleich zu 2003 - dank Independent-Hits wie "Die Passion Christi" und "Fahrenheit 9/11", die mehr einspielten als so mancher Tentpole-Film. Doch Indie-Hits dieser Größenordnung fehlten in diesem Jahr. Für positive Überraschungen war dennoch gesorgt, um die 200-Dollar-Einspiel-Marke rangieren "Krieg der Welten", "Die Hochzeits-Crasher", "Batman Begins", "Charlie und die Schokoladenfabrik", "Fantastic Four" und "Mr". Neben den klassischen actionlastigen Popcornmovies stand das US-Publikum auf Komödien, was jüngst wieder "Jungfrau (40), männlich, sucht…" oder "Ein Duke kommt selten allein" demonstrierten. Klassisches Family Entertainment wie "Madagascar" fehlte im dritten Quartal komplett.

Als Überraschung des Jahres kann dagegen schon jetzt Luc Jacquets "Die Reise der Pinguine" gefeiert werden, der als Dokumentarfilm französischer Herkunft als großer Außenseiter ins Rennen geschickt wurde. Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann hätten ihre Freude am Kinoerfolg der possierlichen Tierchen: Langsam, aber stetig eroberte "Die Reise der Pinguine" die US-Kinos und bescherte Warner Independent im dritten Quartal ein Einspiel von 74 Mio. Dollar. Damit ist er - nach %Michael Moores "Fahrenheit 9/11" - der zweiterfolgreichste Dokumentarfilm in der Geschichte der USA und - noch vor Luc Bessons "Das fünfte Element" - der erfolgreichste französische Film am US-Boxoffice. Und das Interesse hält an. Neben den Pinguinen schlug sich ein weiterer französischer Film gut: das "Transporter"-Sequel von Louis Leterrier, das streng genommen eine französisch-amerikanische Koproduktion ist. Die britischen Koproduktionen "Brothers Grimm" und "Der ewige Gärtner" kamen gut an auf dem US-Markt, wohl nicht zuletzt wegen ihrer Starbesetzung.

Betrachtet man das dritte Quartal 2005, kamen ausländische Produktionen in den USA auf einen guten Marktanteil von 10,5 Prozent - dank den Pinguinen, die allein schon 3,4 Prozent zu diesem Wert beisteuerten. "Transporter 2" kam auf 1,9 Prozent Marktanteil. Von 286 gestarteten Filmen handelte es sich in diesem Drei-Monats-Zeitraum bei 133 nicht um US-Produktionen. In Sachen Boxoffice kam der ausländische Film mit 227 Mio. Dollar jedoch auf 17,8 Prozent weniger Umsatz als im dritten Quartal des Vorjahres. Blickt man auf die Marktanteile der Verleiher, war das dritte Quartal 2005 für Warner be nders erfolgreich. Das Studio kam auf 19,4 Prozent Marktanteil, gefolgt von Fox mit 12,2 Prozent. Im Gesamtjahr steht dagegen bis jetzt Fox auf Platz eins und Warner auf dem zweiten Platz, gefolgt von Paramount, das nach schwachen Vorjahren 2005 ein regelrechtes Comeback feiert - ironischerweise stammen die Erfolgsfilme allesamt aus der Schmiede des zwischenzeitlich ausgeschiedenen Produktionsduos Sherry Lansing und Donald De Line.

Auch in den USA wird fleißig nach den Ursachen der Kinokrise geforscht, die jedoch in den USA nicht so schlimme Ausmaße annimmt wie in der Alten Welt - in Deutschland gingen die Besucherzahlen im dritten Quartal bekanntlich um 27 Prozent zurück (BF 41/05). Weniger die Verbreitung von Raubkopien wird als Problem für die Kinos genannt als ein schwaches Filmangebot und die Konkurrenz des immer professioneller werdenden Heimkinoangebots. Eine neue Studie weist zudem auf, dass sich gerade die junge männliche Zielgruppe stärker durch Internetsurfen und Games vom Kino ablenken lässt. Die Kinos werden nicht umhinkommen, wieder mehr Filme für ein breiteres Publikum zu produzieren. Doch erst einmal richten sich die Augen hoffnungsfroh auf das Winterquartal, in dem mit "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia", "Harry Potter und der Feuerkelch" und "King Kong" sichere Blockbuster an den Start gehen. Vielleicht retten sie das Gesamtjahr ja doch noch vor einem Minus. zim