Film

Nürnberger Modell umstritten

30.08.2005 17:38 • von Jochen Müller
Webers Haus (insgesamt 18 Säle ohne das Imax) ist Mitglied im europäischen XDC-Verbund, über den er auch den CP2000X-Projektor von Christie zunächst testweise erhalten hatte. Ein auch in "Blickpunkt:Film" vorgestelltes Finanzierungsmodell soll vor allem den Verleihern die Technik schmackhaft machen. Mittlerweile sind im Cinecittà bereits vier Säle aufgerüstet.

Verleiher und Betreiberkollegen haben Webers Pläne eher skeptisch aufgenommen. So ist u. a. der HDF-Vorstandsvorsitzende Thomas Negele der Meinung, dass mehrere Finanzierungsmodelle zur Diskussion stünden, was auch beim kommenden Münchner MBA-Seminar "Kino mit Zukunft" am 1. September diskutiert wird. Im "Vote&Quote" auf der Blickpunkt:Film-Website stimmten 82 Prozent der Online-User mit Nein auf die Frage, ob das "Nürnberger Finanzierungsmodell (Preisaufschlag auf Tickets) zur Umrüstung auf digitales Kino ein geeigneter Weg für Theater mit rund 30.000 Besuchern sei". Nur 18 Prozent bejahten dies. Laut Stefan Müller, Business Development Manager Cinema beim Technikausrüster Christie Digital Systems, rechnet sich das Nürnberger Modell erst "ab einem Jahresbesuch von 45.000 Besuchern, wobei dem Kino unabhängig von den Leihmietsätzen mindestens 50 Cent zur Verfügung bleiben müssen". Rechne man diese 50 Cent auf einen momentanen Anschaffungspreis von etwa 120.000 Euro und ziehe man Fördergelder ab, so könne sogar ein kleines Kino die digitale Umrüstung innerhalb von fünf Jahren finanzieren.

Mehrzahl der Kinos zeigt sich ablehnend

Definitiv keinen Aufschlag erhebt Webers sauerländischer Kollege Robert Schütte für sein Park-Theater, auch wenn er in Lüdenscheid quasi Monopolist ist. Schütte hat als XDC-Mitglied ebenfalls einen Christie-Projektor aufstellen lassen und berichtet vor allem für "Star Wars III" von "super" Publikumszahlen. Eines der jüngsten Mitglieder in der XDC-Gemeinschaft ist das Cineworld Mainfrankenpark. Geschäftsführer Lothar Michel ist seit 11. August mit "Sin City" dabei und lobt die Bildqualität: "Die Brillanz ist unglaublich." Zudem lasse sich über das D-Cinema-System "problemlos" auch der vom Werbemittler RoWo gelieferte Vorprogramminhalt (E-Cinema) abspielen. Momentan werde in Dettelbach auf einen Ticketaufschlag verzichtet, da man sich zunächst einmal ganz bewusst in einer "Testphase" sehe.