Film

Regisseur und Produzent Til Schweiger über "Barfuss"

21.03.2005 12:16 • von Heike Angermaier

Blickpunkt:Film: Warum haben Sie das 1998 gekaufte Drehbuch so kräftig umgeschrieben?

Til Schweiger: Die Grundidee von diesem gegensätzlichen Pärchen, das auf eine Reise geht, fand ich toll. Mir war immer klar, dass ich daran arbeiten würde. Das ganz gewöhnliche Setup - Held schuldet der Unterwelt Geld und die übt Druck auf ihn aus - reichte mir nicht. Damals war Senator noch eine starke Firma und hielt 51 Prozent Anteile an Mr, wir wollten in Amerika einige Filme realisieren, darunter auch dieses Projekt. Das klappte nicht mehr, und wir haben die Geschichte für Deutschland adaptiert.

"Wir haben die Geschihcte für Deutschland adaptiert"

BF: Warum dauerte es so lange bis zum fertigen Film?

TS: Es gab Probleme im rechtlichen Bereich. Und es kann passieren, dass bei so einem Projekt immer wieder ein anderes dazwischenkommt als Schauspieler oder als Produzent. Wir haben auch nicht fünf Jahre am Buch geschrieben, sondern es immer wieder mal liegen gelassen und neu angefangen. Die Wartezeiten bei "King Arthur" in Irland nutzten mein Autor Jann Preuss und ich dann produktiv. Drei Wochen in der Pampa, da musste man was tun.

BF: Ist das nicht ein bisschen viel: Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller? Welche Funktion hat Priorität?

TS: Ich möchte nicht alle drei Aufgabenbereiche bei jedem Film übernehmen, schon allein wegen der Anstrengung und der Vernachlässigung meiner Familie. In Zukunft konzentriere ich mich wieder auf die Produktion und die Schauspielerei. Als Nächstes stehe ich bei Gregor Schnitzlers "Special" vor der Kamera, eine schwarze Komödie. Aber mein Herz schlägt für die Regie, es macht mir einen unglaublichen Spaß, ein ganzes Team zu führen und zu motivieren. Bei "Barfuss" herrschte eine euphorische Stimmung, alle sind über sich hinausgewachsen.

BF: Ist "Perfektionist" ein Kompliment für Sie?

TS: Ich bin insofern perfektionistisch, als ich alles so gut wie möglich machen will und den Film von langer Hand vorbereite, es gab viele Besprechungen zwischen den Departments vom Make-up über die Kamera bis hin zur Ausstattung.

Mit "Knockin' on Heaven's Door" hatte ich Blut geleckt"

BF: Wollten Sie immer schon Regisseur werden oder sich nichts mehr sagen lassen?

TS: Wer mit dem Sagenlassen ein Problem hat, sollte den Schauspielerberuf an den Haken hängen. Wir sind nur Rädchen in einem großen Räderwerk. Irgendwann habe ich gemerkt, dass nach dem Drehbuchlesen ein Film in meinem Kopf ablief, aber der Regisseur inszenierte einen anderen Film. Das ist völlig legitim. Um meine Vorstellungen umzusetzen, musste ich selbst ran. Es ging nicht darum, ob ich das besser kann. Thomas Jahn und ich wagten uns an "Knockin' on Heaven's Door", ein Sprung ins kalte Wasser. Damit hatte ich Blut geleckt.

BF: Wie steht es mit der eigenen TV-Serie?

TS: Der Gedanke an eine TV-Serie in der Stadt, in der ich lebe, treibt mich schon aus privaten Gründen länger um. Auf der einen Seite gefallen mir die geregelten Arbeitszeiten, auf der anderen wäre ich in puncto Kinofilm aber sehr eingeschränkt.

BF: Ist es nicht angenehmer, in Deutschland ganz vorne zu sein, statt in den USA zu ackern?

TS: Ich habe in Amerika nie richtig geackert. Ich bin zum Casting von Jerry Bruckheimer oder Jan De Bont gegangen, aber im Allgemeinen musste man mich dahinprügeln. Mein Anspruch war realistisch. Ich wusste, dass ich nie den Südstaaten-Cop spielen oder dass man wegen mir Tom Cruise und Brad Pitt nicht in die Wüste schicken würde, sondern hoffte, in ein, zwei Filmen mitzuwirken. Dann wurden es mehrere. Die Entscheidung, in die USA zu gehen und dann nach Deutschland zurückzukehren, war eine familiäre.

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