Film

Filmpiraten weichen nach Österreich aus

22.09.2004 16:36 • von Jochen Müller

Österreich sei keine Insel der Seligen mehr, warnen Vertreter des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP), der in Österreich die US-Majors und die heimischen Filmverleiher vertritt. Seit seiner Gründung im Mai 2003 ist der VAP in über 100 Fällen gegen Filmpiraten vorgegangen. Beim Pressegespräch in der Wiener Urania klärte Vereinspräsident und Geschäftsführer von Buena Vista Österreich, Ferdinand Morawetz auf, dass Filmpiraten seit einiger letzten Zeit zunehmend von Deutschland nach Österreich ausgewichen seien. Bevor der Generalsekretär des Vereins, Andreas Manak, die Aktivitäten durch aktuelles Zahlenmaterial veranschaulichte, betonte Morawetz, es gehe dem Verein nicht um die Verfolgung "kleiner Studenten", die fünf oder zehn Downloads machten - die freilich ebenfalls strafbar sind -, sondern um jene, die ein professionelles Gewerbe aufgezogen hätten.

Rechtsanwalt Manak präsentierte neueste Daten: Im ersten Halbjahr 2004 wurden in Österreich rund 13.000 Filmraubkopien auf CD oder DVD beschlagnahmt, darunter zahlreiche Datenträger, die in Tschechien in so genannten Burning Labs erzeugt wurden. In 30 Fällen ist die Strafverfolgung abgeschlossen, einige wurden mit einem Vergleich beendet, bei dem der Täter sämtliche Kosten übernahm. 35 Fälle sind anhängig, sechs FTP-Server wurden beschlagnahmt, etliche weitere, zumeist von deutschen Besitzern, stehen unter Beobachtung. Besonders boomen aber die "Housing Provider", bei denen die Ware über eine Flatrate bezogen wird. Manak räumte ein, dass die Hintermänner nicht einfach auszumachen seien, da die Internetserviceprovider (ISP) gesetzlich nicht verpflichtet sind, das Material zu überprüfen. Der VAP konzentriert sich seit zwei Monaten stark auf Newsgroups und FTP-Server, nun sollen die Uploader stärker verfolgt werden.

Freilich wird auch die physische Verbreitung der Piraterieware verfolgt. In Österreich dienen vor allem Wiener Flohmärkte als Distributionsgebiete, insbesondere jener beim Naschmarkt, wo bereits mehrmals Razzien durchgeführt wurden. Da die Polizei laut Manak nicht für den Zugriff zuständig sei, habe der VAP private Security-Dienste angeworben, die auf den Flohmärkten patroullieren. Beobachtet jemand den Verkauf illegaler Ware, steht eine Hotline zur Verfügung, das Vereinsbüro am Stephansplatz wird daraufhin aktiv.

Die Vervielfältigungsstruktur bezeichnet Manak als kleinteilig und mafiaähnlich. Zuweilen seien die Filme auf CD gebrannt und endeten nach der Hälfte plötzlich. Vor kurzem seien aber erste Raubkopien aus Asien aufgetaucht, die sich in ihrer industriellen Professionalität wesentlich von jenen primitiven Raubkopien aus Tschechien unterscheiden. Die DVDs sind mehrsprachig, bieten Untertitel in mehreren osteuropäischen Sprachen und eine hochwertige Farbkopie als Cover. Werner Müller vom Fachverband der Audiovisons- und Filmindustrie (FAFO) berichtete, dass auch österreichische Filme raubkopiert werden. In Kürze starte die Wolf Haas-Verfilmung "Silentium", und man könne davon ausgehen, dass auch dieser Film bald im Netz zum Download bereitstehen werde. Müller zitierte Studien der MPA und der OECD, in denen der Schaden durch Download-Börsen im Verhältnis zu Kinobesuch und DVD-Verkauf mit 12,5 Prozent beziffert wird.

Asiatische Raubkopien weitaus professioneller

Zahlen für Österreich seien schwer zu errechnen, man könne derzeit von einem jährlichen Schaden von 30 Mio. Euro ausgehen. Müller nennt drei "Kampfschienen" gegen die Antipiraterie: auf technischer (Kopierschutz etc.), rechtlicher (wie der eben in Österreich erfolgten Urheberrechtsnovelle) und auf praktischer Ebene.

Die Schaffung eines Unrechtsbewusstseins sieht Christof Papousek von Constantin Film als wichtige Aufgabe der Kinobetreiber, die als Erstverwerter zu fünf Prozent geschädigt würden. Er forderte zur Nutzung der Hotline auf und kündigte die Anbringung von Antipiraterie-Postern in Kinos an; ein entsprechender MPA-Trailer mit österreichischen Texten werde bald in den Kinos laufen.

Manak schließlich kritisierte heftig den bestehenden Abmahnmodus gegenüber Filmpiraten: Er habe in keiner Weise zur Schaffung eines Unrechtsbewusstseins geführt.