Film

Regisseur David Zucker über "Scary Movie 3"

17.02.2004 16:33 • von Jochen Müller

Blickpunkt:Film: Was ist das Geheimnis eines guten Gags?

David Zucker: Man muss eine reale Situation aufbauen wie in einem ganz normalen ernsten Film, dann den Gag unerwartet abschießen und einen Twist in die Geschichte bringen. Nur so kann man die Wirklichkeit toppen. Einen witzigen Film zu machen, erfordert harte Arbeit. Auch die Schauspieler müssen das Material ernst nehmen. Ein Gebot ist, möglichst keine Standup-Comedians einzusetzen, sondern seriöse Schauspieler. Charlie Sheen als Farmer und Leslie Nielsen als Präsident sind doch spitze.

BF: Wie kam es, dass Sie nach den Wayans-Brüdern den dritten Teil übernahmen?

DZ: Ich habe für Dimension erst kürzlich "Partyalarm - Hände weg von meiner Tochter" abgedreht. Das Studio wollte "Scary Movie 3" unbedingt im letzten Herbst machen. Da die Wayans-Brüder aus Zeitgründen absagten, riefen mich die Bosse an. Sie boten mir jegliche Unterstützung, drei Monate Drehzeit, und ich konnte über das für mich bisher größte Budget von 40 Mio. Dollar verfügen. Ein Luxus.

BF: Ist "Scary Movie 3" mehr als ein Sequel?

DZ: Es erfordert eine ganz andere Herangehensweise als beispielsweise "Police Academy", wo man nur neue Situationen erfinden muss. Mit einer Parodie dagegen reagieren wir auf neue Filme. Daher ist "Scary Movie" immer neu und ein Original, egal ob als dritter oder vierter Teil. Mein Stil unterscheidet sich sehr von dem der Wayans. Für mich zählt eine breite Zuschauerschicht und ein jugendfreundliches PG-13-Rating. Auf vulgäre Witze wie in den ersten beiden Teilen habe ich gern verzichtet.

BF: Findet sich der Normalzuschauer in den verschiedenen Filmbezügen zurecht?

DZ: Er muss nicht alle zitierten Werke kennen. Jeder Gag erklärt sich aus der Situation, aber natürlich amüsiert sich derjenige mehr, der die angetickten Filme gesehen hat. "Scary Movie 3" ist ein Film für Leute, die Filme lieben.

BF: Ist Film für Sie nur Unterhaltung oder auch Kunst?

DZ: Kunst, die aber auch unterhalten muss. Filme wie "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug", die "Naked Gun"-Trilogie oder "Top Secret" waren auch keine Eintagsfliegen, sondern fanden weltweit ein Publikum und gelten inzwischen als Klassiker. Ein guter Film zeichnet sich dadurch aus, dass er durchhält und auch nach 50 Jahren noch Wirkung zeigt. "Die Marx Brothers im Krieg" floppte 1933 und wurde von der Kritik verrissen. Jetzt gehört er zu ihren drei besten Filmen.

"Innovatives bleibt schnell auf der Strecke"

BF: Als Produzent scheinen sie dramatische Stoffe wie "Nicht auflegen!" oder "Dem Himmel so nah" zu bevorzugen, als Regisseur dagegen Komödien.

DZ: Ich mache da schon einen Unterschied. "Nicht auflegen!" war ein interessantes, in zwei Wochen abgedrehtes Projekt. So ein Sujet wäre mir als Regisseur wahrscheinlich zu ernst. Bei mir schlägt immer der Humor durch. Als Regisseur bin ich rund um die Uhr in jedes Detail involviert, als Produzent kann ich drei Filme gleichzeitig produzieren und mir dennoch zwischendurch mal einen Drink genehmigen. Es gibt viele Regiekollegen, die wunderbar ein Drama inszenieren. Aber ich würde nicht jedem eine Komödie anvertrauen - da lege ich lieber selbst Hand an. Ich habe bei "Scary Movie 3" viel Produzentenarbeit geleistet und auch am Drehbuch mitgewirkt, bestehe aber nicht auf Namensnennung in den Credits.

BF: Sie haben in Kanada gedreht, in Los Angeles fand nur noch die Postproduktion statt.

DZ: Damit folgen wir dem Trend "weg von Hollywood". In Vancouver kann man einfach viel preisgünstiger drehen. Es gibt sehr gut ausgebildete Techniker. Es wird immer schwieriger, einen Film herauszubringen, der kein Sequel, ein "Harry Potter" oder "Herr der Ringe" ist. Vor 23 Jahren kostete "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" drei Mio. Dollar und startete mitten im Sommer. Heute ein Ding der Unmöglichkeit. Jedes Wochenende von Mai bis September ist für einen 100 Mio. Dollar schweren Major-Film reserviert. Seitdem Jim Carrey in den Neunzigern für "Cable Guy - Die Nervensäge" 20 Mio. Dollar Gage einsteckte, kippte das System. Die Stars kosten inzwischen ein irres Geld, die Eintrittskarten verteuern sich, die Studios produzieren weniger Filme. In dieser seelenlosen Big-Business-Maschinerie bleibt Originäres und Innovatives schnell auf der Strecke. Leider.