Film

6. Rendezvous of French Cinema in Paris

26.01.2004 17:06 • von Jochen Müller

Bei der ersten Veranstaltung nach dem Tod des ehemaligen Unifrance-Präsidenten Daniel Toscan du Plantier im vergangenen Februar stand deutlich weniger als zuvor die Politik im Vordergrund. Noch im letzten Jahr hatte Toscan du Plantier im Rahmen des Rendezvous die Gründung des deutsch-französischen Filmakademie bekannt gegeben und mit der ihm üblichen Eloquenz einmal mehr vor dem europäischen Schlüsseljahr 2004 gewarnt. Seine Nachfolgerin Margaret Menegoz war natürlich anwesend und stand auch für Gespräche zur Verfügung. Aber sie suchte den Kontakt zur Presse eben nicht mit dem gleichen Eifer wie ihr Vorgänger, dessen alljährliches Frühstücksgespräch längst Tradition hatte. Damit rückte der französische Film selbst stärker in den Fokus des Wochenendes. Nachdem in der Woche vor dem Meeting zunächst die wenig erfreulichen Zahlen vom Abschneiden einheimischen Produkts in den französischen Kinos im Jahr 2003 (ein Rückgang im Vergleich zu 2002 um 40 Prozent, während der Gesamtbesucherrückgang bei lediglich sechs Prozent lag) veröffentlicht worden waren, machte Unifrance auch die internationalen Zahlen für französisches Produkt publik: Nach dem sensationellen Abschneiden des französischen Films im Ausland in den letzten beiden Jahren (2002: 60 Mio. verkaufte Tickets; 2003: 55 Mio. Tickets) gingen die Verkäufe um zwölf Prozent auf 42,2 Mio. Karten zurück. In Deutschland war der Einbruch drastisch: Hier war ein Rückgang um 48 Prozent zu beobachten, der nur noch von Italien übertroffen wurde, wo der französische Film um 54 Prozent einbrach. In den USA blieben die Zahlen stabil, in Japan ging es um 113 Prozent und in Großbritannien um 166 Prozent bergauf.

Wenig spannendes Produkt zu entdecken

Ein Grund für den generellen Akzeptanzmangel des französischen Films hatte zumindest eine große Anzahl der insgesamt 370 Verleiher/Einkäufer (knapp 40 davon aus Deutschland) beim Rendezvous of French Cinema schnell ausgemacht: Die Qualität der angebotenen Filme sei insgesamt nicht allzu hoch gewesen. Außerdem bemängelten deutsche Einkäufer, dass zu viele bereits bekannte Titel liefen und interessantes aktuelles Produkt Mangelware war. Dass gewisse Titel nur ausgewählten Käufern in Geheimvorführungen gezeigt wurden, trug nicht zur Verbesserung der reservierten Grundstimmung bei. Ein Käufer merkte indes an, dass für seinen Geschmack zu wenige Nischenfilme oder kleinere Produktionen gezeigt wurden, sodass man sich kein umfassendes Bild vom tatsächlichen Zustand der Produktionslandschaft machen konnte. Noch am Abschlussabend war nicht ein einziger Abschluss nach Deutschland bekannt geworden. Prokino-Geschäftsführerin Ira von Gienanth zeigte sich dennoch zufrieden. Sie berichtete von einem kurz vor dem Abschluss stehenden Deal für ein großes Projekt, den sie am Rande des Meetings vorangetrieben habe. Dass das Rendezvous selbst von Käufern aus anderen Territorien, die weniger nah an Frankreich liegen, durchaus positiver gesehen wurde, beweist Yoichi Sakai, der als Einkäufer für die japanische Gaga Pictures aus Tokio angereist war. Für seinen Verleih, der sich in Japan auf die Auswertung ausländischer Filme, u. a. "Good Bye, Lenin!" und "Nirgendwo in Afrika" sowie einzelne Miramax-Titel wie "Kill Bill", spezialisiert hat, war das Event überaus wertvoll, um sich den nötigen Überblick zu verschaffen - auch wenn er keinen Film akquiriert hat.

Kaum Einblicke in aktuelle Produktionen

Insgesamt präsentierte sich das 6. Rendezvous of French Film als erkennbar weniger aufwändig als in den Jahren davor. Zwar gab es den gewohnten Cocktail-Empfang zu Beginn und eine filmpolitische Rede eines Regierungsvertreters (in diesem Fall Kulturminister Jean-Jacques Aillagon) zum Abschluss, aber mit der Wild-Bunch-Produktion "Inquietude" nach dem Ruth Rendell-Roman "Sight for Sore Eyes" stand diesmal nur eine Vorabpremiere auf dem Programm - und die wurde nicht zuletzt wegen ihrer etwas exzessiven Laufzeit von 140 Minuten eher zwiespältig aufgenommen. Und auch wenn die Journalisten bedauerten, wieder kaum Einblicke in aktuelle französische Produktionen erhalten zu haben, zeigten sich doch die meisten zufrieden mit den Interviews. Immerhin standen Stars wie Emmanuelle Béart und Valeria Bruni-Tedeschi oder Regiegrößen wie Jacques Rivette Rede und Antwort.