Film

Fokus Dokumentarfilm

Fiktionalisierte Fernseh-Dokus

05.12.2003 14:28 • von Jochen Müller
"Förderung bietet gerade unabhängigen Produzenten die Chance, Rechte zu behalten und auch international tätig zu werden, anders als bei einer reinen Fernsehfinanzierung", so L.E.Vision-Geschäftsführerin Simone Baumann. Allerdings gäbe es "leider nicht allzu viele Projekte, die TV-tauglich, aber zugleich formal eigenständig sind und ein internationales Potenzial haben, sodass man die Förderung miteinbeziehen könnte". Zudem sollten auf spezielle Sendeplätze zugeschnittene Dokus - wie sie L.E.Vision auch produziert - von den Sendern auch selbst finanziert werden. "Was wir zur Förderung einreichen, sind Fernseh-Events mit internationaler Beteiligung und einer starken Fiktionalisierung", sagt Baumann. Zusammen mit Animationen (CGI) sei Fiktionalisierung der aktuelle Trend bei Fernsehdokus. L.E.Vision hat nach dem gemeinsam mit Ziegler Film produzierten Mehrteiler "Die geheime Inquisition" nun das dreiteilige Doku-Drama "Hexen" realisiert. Gegründet wurde die Firma bereits 1993 und hat eine Niederlassung in Moskau.

MA.JA.DE-Geschäftsführer Heino Deckert gründete 2000 in Leipzig eine Niederlassung, die mittlerweile Hauptsitz der Firma ist. Mit dem MDR zeichnete sich die Stadt "als Standort der Zukunft ab". MA.JA.De produziert hauptsächlich High-Profile-Documentaries. Zu den MDM-geförderten Projekten gehören der unter der Regie von Vitalij Manskij entstandene Film "Broadway" sowie Ekaterina Eremenkos "Die Meistersinger". "Ohne Arte läuft aber nichts mehr", so Deckert, denn kaum ein deutscher Sender produziere noch im High-Profile-Bereich ohne den Kulturkanal. Aussterben würde dieses spezielle Genre zwar nicht, vermutet Deckert, es werde aber immer weniger klassische Dokumentarfilme geben. Um den kulturellen Erfolg der High-Profile-Documentaries wirtschaftlich zu erden, will Deckert auch für formatierte Sendeplätze produzieren.

Zwischen High Profile und Formatisierung

"Wir arbeiten für einen Markt und müssen bestimmte Slots bedienen", so der Geschäftsführer von Looks Film & TV, Gunnar Dedio. Die aus Rostock stammende Firma ist seit einem Jahr mit einem Büro in Leipzig vertreten und hat zudem eine Niederlassung in Botswana. "Um international koproduzieren zu können, braucht man eine Förderung", das Modell der MDM erschien Dedio dabei für Looks Film am besten zugeschnitten. In der Endphase der Produktion befindet sich die Serie "Genesis II", die auch MDM-Gelder erhielt und für die Dedio mit "sehr renommierten Autoren im Naturfilm" zusammenarbeitet.