Film

Benelux und Frankreich beim Kölner Filmkongress

27.06.2003 14:55 • von Jochen Müller

In einer Tour de force stellten sich am Sonntagvormittag im Fünf-Minuten-Takt 24 Produzenten mit ihren aktuellen Filmprojekten vor. Darunter waren so unterschiedliche Vorhaben wie ein Dokumentarfilm über die Folgen der Globalisierung für 350.000 Euro, ein 3,5 Mio.-Drama über den Umgang der niederländischen Regierung mit ihrer pazifistisch gesinnten Königin Juliana im Kalten Krieg sowie ein mittelalterliches Fantasy-Abenteuer um die Rivalität zweier Halbbrüder mit einem Budget von fünf Mio. Euro. Im Anschluss an das Pitching vor rund 100 Gästen trafen sich die Produzenten mit interessierten Kollegen aus den anderen Ländern, um Kooperationen auszuloten. Bereits im Vorfeld der Veranstaltungen waren Kataloginformationen an alle Teilnehmer verschickt worden, die sich frühzeitig über die Filmstiftung mit den Produzenten verabreden konnten. "Wir hatten rund 70 Bewerbungen für das Pitching und mussten die interessantesten Projekte auswählen", berichtet Heike Meyer-Döring, die bei der Filmstiftung für die Düsseldorfer Media-Antenne arbeitet. Claudia Droste-Deselaers, Produktionsreferentin bei der NRW-Filmstiftung, weist auf die Bedeutung internationaler Finanzierungen hin: "Das größte Problem aller ist doch, dass wir keine Finanzierung aus den jeweils einzelnen Märkten heraus generieren können. Deshalb müssen wir Filme international produzieren. Es ist sehr schön, wenn hier Koproduktionen zu Stande kommen. Aber wir wollen noch mehr: Das gemeinsame Produzieren ist in großem Maße eine Vertrauenssache. Hier sollen Produzenten sich kennen lernen und dieses Vertrauen entwickeln." Als in Köln erfolgreich eingefädelte Koproduktionen der vergangenen Jahre benennt sie "Sweet Sixteen" von Ken Loach und "Göttliche Intervention" von Elia Suleiman, weitere Projekte seien in Produktion.

Am Nachmittag behandelte ein Benelux-Panel die Rahmenbedingungen für Koproduktionen in den Ländern. Schon bei der Besetzung des Podiums wurde eines der Hauptprobleme der Belgier deutlich, die mit je einem Vertreter für den flämischen und flandrischen Landesteil vor Ort waren. Doch der Flame Jan Vandierendonck beschrieb die sprachübergreifende Zusammenarbeit zwischen beiden Volksgruppen als weitgehend problemlos. Die flämische Film- und Fernsehindustrie ist mit gerade mal 3000 Mitarbeiter eher klein. Im Jahr werden ca. zehn Kinofilme mit einem Budget um 2,5 Mio. Euro realisiert. Der neu organisierte Filmfonds (VAF) bietet eine leichte Handhabe für Produzenten.

Unsicherheit in Holland bei künftigen Projekten

Anders als bei vielen anderen Fonds müsse das Geld nicht zurückgezahlt werden. Die maximale Fördersumme beläuft sich dabei auf 750.000 Euro. Die französischsprachige Seite ist mit vier Mio. Einwohnern zwar kleiner als die flämische, dafür verfügt sie über gute Verbindungen nach Frankreich. Die sechs Filme, die hier im Jahr entstehen, sind zumindest allesamt Koproduktionen mit Frankreich. Seit April verfügt Belgien zudem über ein neues Steuersystem für Filmfinanzierung. Hier wird branchenfremden Firmen die Möglichkeit geboten, über ein Engagement in Sachen Filmfinanzierung (ausgenommen sind Fiction-Filme fürs Fernsehen) Steuern zu sparen. Die Höchstsumme pro Jahr und Investor beläuft sich dabei auf 750.000 Euro. Der Filmfonds in Luxemburg besteht seit 1990 und wurde 1999 restrukturiert und verfügt nun über eine jährliche Summe von drei Mio. Euro. Im letzten Jahr entstanden im Herzogtum zehn Filme im Bereich Fiction, die allesamt internatio-nal koproduziert wurden. Damit Produzenten in den Genuss der Förderung kommen, müssen ihre Filme einen Bezug zu Luxemburg aufweisen. Auch die Luxemburger arbeiten mit Steuersparmodellen für Investoren. Im vergangenen Jahr wurden im Land für mehr als 40 Mio. Euro Filme realisiert. Unsicherheit herrscht zurzeit in Holland. Dort hatte vor fünf Jahren ein neues Steuersparmodell bei Filmfinanzierungen für einen wahren Produktionsboom gesorgt. Doch das Gesetz läuft aus und scheint in seiner jetzigen Form nicht verlängert zu werden. Positiv haben sich die deutsch-niederländischen Koproduktionen entwickelt. Seit 1. August 2000 ist das deutsch-niederländische Kooperationsabkommen zwischen der Filmstiftung NRW und dem Stichting Nederlande Fonds voor de Film in Kraft. Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass 50 Prozent der Fördersumme in dem Land ausgegeben werden, das die Förderung ausspricht. Mit "Pietje Bell", "Die Austern von Nam Kee", "Sea of Silence" auf niederländischer Seite und den eher deutsch bestimmten Filmen "Supertex - Eine Stunde im Paradies" und "Stratosphere Girl" konnten bereits fünf Filme realisiert werden.