Film

Peter Keglevic zum ARD-Drama "Zwei Tage Hoffnung"

08.05.2003 15:04 • von Jochen Müller

Blickpunkt:Film: Sind Sie als Österreicher besonders geeignet, sich mit deutscher Zeitgeschichte auseinander zu setzen?

Peter Keglevic: Absolut. Mir waren diese Ereignisse relativ geläufig und ich konnte sie ohne besondere Parteiergreifung ganz neutral erzählen.

BF: Der Film hat knapp vier Mio. Euro gekostet. Was ging besonders ins Geld?

PK: Das Teure waren Ausstattung, Kulisse und Komparsen. Viele historische Produktionen sind nach Polen gegangen, weil bei uns ein Komparse 100 Euro pro Tag kostet, in Polen zehn. Aber ich finde das erbärmlich, es sei denn, die Geschichte verlangt es. Wir waren auch in Leipzig, Dresden, Dessau und Chemnitz unterwegs, diese Drehorte waren aber zu teuer. Deshalb haben wir alles in Berlin gedreht und dort einen Platz aufbauen lassen, der unseren Bedürfnissen entsprach. Denn mit Panzern darf ich nirgendwo in Berlin auch nur einen Meter fahren.

BF: Hatten Sie nach dem Erfolg von "Der Tanz mit dem Teufel" jetzt freie Hand von Seiten der Produktion?

PK: Nein. Freie Hand gibt es nie. Das Geld diktiert jeden Schritt. Das Geld war immer zu knapp. Der Film war einfach enorm teuer. Mir wurde auch gesagt, jetzt mach' mal halblang. Das ist auch nicht schlecht, dann man muss sich was Neues einfallen lassen.

BF: Hilft es Ihnen bei der Schauspielführung, dass Sie einst selbst als Schauspieler gearbeitet haben, 1974 bei einem Zadek-Musical über die Beatles am Schauspielhaus in Bochum?

PK: Ich habe das zutiefst gehasst. Ich habe es 80 Mal gespielt und wollte nie auf die Bühne. Ich habe festgestellt, dass ein Schauspieler etwas braucht, was ich heute hoch schätze und zutiefst respektiere, und selbst nicht habe - Exhibitionismus, gepaart mit Eitelkeit. Deswegen weiß ich, wenn ein Schauspieler zickig ist, fürchtet er sich. Und ich kenne diese Angst, die treibt mir jetzt noch den Schweiß in die Hände.

BF: Arbeiten Sie, was den visuellen Stil Ihrer Filme angeht, z.B. mit Storyboards?

PK: Kaum. Man kann in der Nachbearbeitung noch viel gestalten, wenn man das Material neutral aufnimmt. Wir haben uns ein, zwei Filme angeguckt, wie "Der zerrissene Vorhang" oder "Der Spion, der aus der Kälte kam", damit man sich nochmal den altmodischen Rhythmus vergegenwärtigt. Was das Farbkonzept angeht, haben wir uns nicht an den Agfacolor-Farben vom "Zerissenen Vorhang" orientiert, sondern an altem Wochenschau-Material, das wirkt ausgewaschen.

BF: Hat es Auswirkungen auf Ihre Arbeit, ob Sie für private oder öffentlich-rechtliche Sender arbeiten?

PK: Überhaupt nicht. Ich ahnte allerdings bei "Oetker", wo die Werbeunterbrechungen sein würden, und habe mehr Musik verwendet, um den Zuschauer wieder in den Film zurückzubringen.

BF: Wie geht es für Sie weiter?

PK: Wahrscheinlich wird es wieder was Historisches werden. Ich möchte das nicht weiter erwähnen, weil es so ein schönes Projekt ist und die Zeiten so schlecht sind im Augenblick.

BF: Spüren Sie das als vielfach dekorierter Regisseur auch?

PK: Das mit der Dekoration ist immer ein Nachteil. Das meiden die Produzenten wie die Pest. Irgendwie gibt's dafür immer eine Strafe. Nein, ich spüre es eher bei meinen sonstigen Mitarbeitern, die im Augenblick nicht viel zu tun haben.

BF: Sind Sie jetzt der Experte für historische Zeitgeschichte?

PK: Nein. Ich bin eher der Spezialist dafür, ein Psychogramm zu erzählen, wie in "Die Roy Black-Story" oder "Der Amokläufer von Euskirchen". Wenn Menschen in Abgründe hineinsteigen, sind das für mich die viel spannenderen Momente als im fiktional geschriebenen Bereich, der leider häufig an der Oberfläche bleibt, und das bieten die historischen Stoffe sehr oft.

BF: Wie wäre es mal wieder mit einem Kinofilm?

PK: Hat sich nie ergeben. Der letzte Film, den ich gemacht habe, "Der Skipper", war ein Flop, dafür wird man auch lange bestraft. Filme wie "Nirgendwo in Afrika" hätten mich interessiert. Aber davon gab es nicht so viele.