Film

Das Verleihjahr 2002 in den USA: Sonys großes Comeback

09.01.2003 10:49 • von Jochen Müller

Die guten Boxoffice-Zahlen des Vorjahres konnten 2002 noch um eine Milliarde Dollar getoppt werden, 9,14 Mrd. Dollar (Nielsen EDI) entspricht einem eindrucksvollen Zuwachs von 13 Prozent. Das elfte Jahr in Folge wurde somit eine Steigerung verzeichnet. Ein Kinoticket kostete 2002 durchschnittlich 5,85 Dollar, rund 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch die Zuwächse gehen nicht allein auf das Konto der Preiserhöhung, auch in Sachen Zuschauerzahlen konnte mit rund 1,6 Mrd. das beste Ergebnis seit 45 Jahren verzeichnet werden.

22 Filme überschritten die 100-Mrd.-Dollar-Marke - ein neuer Rekord. Erfolgreichster Film des Jahres war "Spider-Man", der erste Film, der am Startwochenende über 100 Mio. Dollar einspielte und insgesamt ein Boxoffice von 404 Mio. Dollar vorweisen kann. Insgesamt spielten 2002 gleich zwölf Filme schon am Startwochenende über 40 Mio. Dollar ein. Bis auf "8 Mile" handelt es sich dabei ausschließlich um Filme, die mit mindestens 3000 Kopien an den Start gingen. Generell steigerte sich 2002 der Trend der flächendeckenden, kopienstarken Starts - eine Tendenz, die sich seit 1996 um ein Vielfaches gesteigert hat. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die meisten Filme bereits in der zweiten Woche rapide abbauten, und zwar durchschnittlich um 43 Prozent.

Das US-Verleiher-Ranking wird angeführt von Sony, der Verleih feierte im vergangenen Jahr ein grandioses Comeback. "Spider-Man" gab ihm den entscheidenden Schub, doch auch dank Tentpole-Pictures wie "Men in Black 2", "xXx - Triple X" sowie dem guten Einspiel von "Black Hawk Down", "Panic Room" und "Mr" konnte das Unternehmen souverän den Verleih-Thron erklimmen. Sonys Marktanteil lag bei 17,1 Prozent. Nach einem glücklosen Jahr 2001 markiert dies einen gewaltigen Triumph für Columbia-TriStar-Verleihchef Jeff Blake und sein Team.

Aufwärts ging es auch für Buena Vista. Landete der Verleih nach drei Jahren als Verleihsieger 2001 abgeschlagen auf Rang vier, konnte sich das Maus-Haus nun dank "Signs", "Lilo & Stitch", "Sweet Home Alabama" und "Santa Clause 2" auf Platz zwei verbessern. Mit 1,18 Mrd. Dollar Einspiel konnte Buena Vista zum siebten Mal in neun Jahren die Mrd.-Dollar-Grenze durchbrechen. Ob dies die besorgten Analysten besänftigt, die 2002 nicht mit Downgradings geizten, ist die Frage. Mit dem katastrophalen Misserfolg von "Der Schatzplanet" bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Der klassische Zeichentrickfilm kann am Boxoffice nicht mehr mit CGI-Blockbustern wie "Die Monster AG", "Shrek" und "Ice Age" mithalten. Ein Umdenken des Trickfilmhauses ist unumgänglich, Thomas Schumacher ist zum Jahreswechsel von seinem Posten als Animationschef zurückgetreten, nachdem er 2002 bereits die Hälfte der Animations-Mitarbeiter entlassen hat. Bleibt abzuwarten, welche Strategie sein Nachfolger David Stainton verfolgen wird.

Der große Vorjahressieger Warner fiel mit einem Gesamteinspiel von 1,07 Mrd. Dollar nach einem durchwachsenen Jahr auf Rang drei zurück. Zugpferd war natürlich "Harry Potter und die Kammer des Schreckens", der allein auf 247,4 Mio. Dollar kam und damit ein klein wenig schlechter abschnitt als der erste "Potter" (291,6 Mio. Dollar). Erfolgreich waren auch die Comicverfilmung "Scooby-Doo" und der Weihnachtsfilm "Ein Chef zum Verlieben". Ein Trost für den abgestiegenen Vorjahressieger: Am internationalen Boxoffice hat Warner dank "Harry" die Nase vorn. Mit einem starken Line-up (u.a. "Terminator 3") hat der Verleih 2003 erneut beste Chancen auf dem US- und internationalen Markt. Warner dicht auf den Fersen war Fox. Mit 1,06 Mrd. Dollar der vierte Verleih im Bunde des Eine-Mrd.-Dollar-Zirkels. "Star Wars: Episode 2" sorgte mit 310 Mio. Dollar für fast ein Drittel des Einspiels, mit "Minority Report" und "Ice Age" waren zwei weitere Erfolgstitel am Start. Die von Fox Searchlight herausgebrachten Indies wie "One Hour Photo" und "Groupies Forever" trugen mit 132 Mio. Dollar Einspiel ihr Scherflein zum Gesamtergebnis bei.

Zum zweiten Mal in Folge konnte New Line dank "Der Herr der Ringe" zum Jahresende aufholen und sich mit einem Einspiel von 879 Mio. Dollar 2002 sogar den fünften Platz sichern. Universal folgt mit 867 Mio. Dollar erst auf Rang sechs, nachdem das Studio sich in den Jahren 2000 und 2001 noch an zweiter Stelle positionieren konnte. Auch der Vorjahres-Dritte Paramount konnte sich nicht halten und fiel mit einem Einspiel von 687 Mio. Dollar auf Platz sieben zurück. "Star Trek: Nemesis" wurde erst am 13. Dezember ins Rennen geschickt, kassenträchtigster Paramount-Film war "Der Anschlag" mit 119 Mio. Dollar. Dreamworks verbesserte sein Einspiel nach dem "Shrek"-Jahr 2001 von 400 auf 492 Mio. Dollar, davon gingen allein 127 Mio. Dollar auf das Konto des Remakes "The Ring". Das am 23. Dezember gestartete DiCaprio-Vehikel "Catch Me If You Can" wird 2003 zum Tragen kommen und eine sichere Bank für Dreamworks sein.

Miramax wurde mit 381 Mio. Dollar Einspiel erneut der erfolgreichste Spartenverleih, obgleich er weit hinter seinem Vorjahresergebnis von 609 Mio. Dollar zurückblieb. Der Dimension-Film "Spy Kids 2" sorgte für das beste Ergebnis, "Gangs of New York" ist erst am 16. Dezember gestartet. "Stirb an einem anderen Tag" verhalft MGM/UA zu einem Einspiel von 366 Mio. Dollar. Dank des Sleeper-Hits "My Big Fat Greek Wedding" konnte sich IFC Films einen Marktanteil von 2,6 Prozent sichern, mit 225 Mio. Dollar sorgte die Komödie für 94 Prozent des IFC-Jahreseinspiels.

Bezeichnend im Jahr 2002 war, dass das Gros der Erfolgsfilme Sequels, Comic-Verfilmungen oder Remakes waren - Hollywood ging auf Nummer Sicher, thematische Wagnisse wurden kaum eingegangen. Der Erfolg dieser Franchises macht wenig Hoffnungen auf ein inhaltlich spannendes Kinojahr 2003, in dem u.a. die dritten Teile von "Der Herr der Ringe" und "Terminator" in die Kinos kommen. Außerdem auf dem Programm 2003 stehen "X-Men 2", "3 Engel für Charlie - Volle Power" und die "Matrix"-Sequels. Doch zwischen all den Franchises findet sich dann vielleicht doch wieder ein Überraschungshit wie "My Big Fat Greek Wedding", der den Indie-Töchtern der Studios den Rücken stärkt.