Film

Aktueller Trend zu Literaturverfilmungen

31.10.2002 16:16 • von

Seit jeher sei es problematisch, die Begriffe "Familienfilm", "Kinderfilm" und "Jugendfilm" genau zu definieren und voneinander abzugrenzen, stellte der Münchner Filmjournalist Rüdiger Suchsland in seiner Einführung fest. Er griff auf ein Zitat des US-Produzenten Barry Mendel ("Die Royal Tenenbaums") zurück, der den "Familienfilm" als "einfach genug für ein Kind und raffiniert genug für einen Erwachsenen" bezeichnet - siehe die prominenten Beispiele "Harry Potter und der Stein der Weisen" und "Spy Kids". Nach dieser Einführung befragte Panel-Moderatorin Margret Köhler die Teilnehmer nach der Definition von "Familienfilm" sowie "Kinder- bzw. Jugendfilms". Der "Kinderfilm" sei dem "Familienfilm" wesentlich ähnlicher als dem "Jugendfilm", der sich vorwiegend mit Themen wie dem ersten Sex oder anderen Teenagerproblemen auseinander setze, erläuterte der Schriftsteller Paul Maar ("Das Sams"). Einig waren sich alle Panel-Teilnehmer darüber, dass ein wesentliches Problem des Kinderfilms die mangelnde Anerkennung sei, die er in den Medien eigentlich finden sollte. Ulrich Limmer, Produzent und Drehbuchautor ("Das Sams"), bestätigte diese These und meinte, die Bezeichnung "Kinderfilm" mache Filme "klein". Um dem mangelnden Interesse der Presse entgegenzuwirken, müssten Kinderfilme anders vermarktet werden, etwa mit Gewinnaktionen oder anderen Promotionaktionen, die speziell Kinder ansprechen, fügte MFA-GF Christian Meinke hinzu, der mit Filmen wie "Pippi Langstrumpf" diesen Weg eingeschlagen hat. Die Diskussionsteilnehmer stellten fest, dass in letzter Zeit Kinderfilme, die auf einer literarischen Vorlage basierten, viel erfolgreicher liefen als solche ohne. Darauf aufbauend ergab sich die Frage, ob künftig wohl nur noch Kinderfilme auf literarischer Basis - sozusagen als "Erfolgsgarantie" - gedreht werden würden. Dieser Trend liege darin begründet, dass die literarischen Figuren zum Kulturgut eines jeden Landes zählten und dies wohl nicht zu Unrecht so sei. Wie sonst sei es zu erklären, dass etwa Disneys "Schneewittchen" oder "Bambi" zu den erfolgreichsten Filmen des Family-Bereichs überhaupt zählen? Aus jedem guten Kinderbuch sei auch ein guter Kinderfilm zu machen, meinte Paul Maar. Dass Kinderfilme einfacher bzw. billiger zu drehen seien als andere, verneinte Franziska Buch, Regisseurin von "Emil und die Detektive". Kinderfilme seien viel schwieriger zu drehen als andere, da ein Dreh mit Kindern weitaus komplizierter und wegen der längeren Drehdauer auch teurer sei. Wenn die Filme auch noch auf einer Literaturvorlage basierten, sei das Problem für die Regisseure, einerseits den Inhalt nicht zu verfälschen, ihn aber andererseits nach eigenen Ideen zu interpretieren. Kinderfilme, die nicht auf einer Romanvorlage basierten, seien allgemein schwer an den Produzenten zu bringen, fügte MTM-Produzentin Gloria Burkert hinzu, da in diesen Fällen das finanzielle und unternehmerische Risiko erheblich höher sei.