Film

Ted Field und Scott Kroopf über Radar Pictures

31.10.2002 15:58 • von Anian Kleiser

Blickpunkt:Film: Die Palette Ihre Produktionen reicht vom epischen Tom-Cruise-Abenteuer "The Last Samurai" über das Remake von "Texas Chainsaw Massacre" bis hin zum Merchant-Ivory-Streifen "Le Divorce".

Ted Field: Uns interessiert einfach alles. Wenn uns eine Idee anspricht, dann versuchen wir, einen Film daraus zu machen, egal in welchem Genre, egal ob das 600.000 oder über 100 Mio. Dollar kostet.

BF: Kann Radar denn Megaproduktionen finanzieren?

TF: Gegenwärtig nicht. Die lassen sich nur mit einem Studio als Partner realisieren.

Scott Kroopf: Aus diesem Grund machen wir Filme mit einem Budget unter 15 Mio. Dollar wie "The Texas Chainsaw Massacre" oder den Horrorthriller "They", der zu Thanksgiving in den Staaten startet. Die finanzieren wir über die Vorabverkäufe von Auslandsrechten. Dabei arbeiten wir eng mit unseren internationalen Partnern zusammen. In Deutschland ist das die Tele-München-Gruppe, in Spanien Lauren Film und in Skandinavien Sandrew Metronome International.

BF: Das heißt, Ihre Partner bekommen die Low-Budget-Produktionen und die Studios Ihre großen Filme?

TF: Das ist so nicht richtig. So werden wir ihnen die "Chronicles of Riddick"-Filme mit Vin Diesel anbieten. Das sind die beiden Fortsetzungen zu "Pitch Black", zu denen Filmemacher David T eine richtige Mythologie ausarbeitet - eine Art düstere Version von "Star Wars".

SK: Wir arbeiten darauf hin, dass wir auch über unsere größeren Filme die volle Kontrolle haben.

BF: Was bedeutet das konkret?

TF: Aktuell sind wir relativ unabhängig, da wir auf keinen festen Vertrag mit einem Studio angewiesen sind. Entwicklungs- und Betriebskosten finanziere ich weitgehend aus meiner eigenen Tasche. In naher Zukunft werden wir aber nach einem Partner Ausschau halten, der sich an unserer Firma beteiligt.

"Radar ist eine Farm für Nachwuchsfilmemacher"

BF: Ist denn jetzt die richtige Zeit, um Beteiligungskapital aufzutreiben?

TF: Natürlich gibt es in der Branche gerade einige Umbrüche, aber mit unserer Firma nehmen wir doch eine herausragende Position ein. Mit Interscope bli- cken wir auf eine fast 20-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Der Großteil der Mitarbeiter ist uns erhalten geblieben. Das Einzige, was sich geändert hat, ist der Name. Und mit den 24 Projekten, die wir zurzeit vorbereiten, sind wir als Unternehmen so attraktiv wie nie zuvor.

SK: Dabei spielen natürlich auch unsere Produktionspartner eine wichtige Rolle.

BF: Mit wem arbeiten Sie zusammen?

TF: Wir haben ein Joint Venture mit Michael Bay und Platinum Dunes sowie Verträge mit Lindsay Doran, der ehemaligen Chefin von United Artists, und dem Schauspieler-Regisseur Peter Berg ("Very Bad Things"). Außerdem gibt es sehr gute Beziehungen zu Vin Diesel und zum "Jumanji"-Autor Chris Van Allensburg, der den Großteil seiner Projekte für uns macht. Wahrscheinlich werden wir im nächsten Jahr mit "Jumanji 2" in Produktion gehen.

BF: Eine eigenartige Mischung.

TF: Sie entspricht unseren breit gefächerten Vorlieben. Wir wollen die richtige Balance zwischen verschiedenen Projekten.

SK: Platinum Dunes fokussiert sich auf Genre-Filme im Low-Budget-Bereich wie zum Beispiel "Texas Chainsaw Massacre". Lindsay macht eher anspruchsvolle Dramen. Sie bereitet zurzeit "Harrow Alley" mit Anthony Hopkins und Emma Thompson vor. Peter Berg hat eine Präferenz für realitätsbezogene Geschichten. Er wird für uns "Truck 44" drehen, einen Feuerwehrmann-Film, den er noch vor dem 11. September konzipierte.

BF: Wird Michael Bay auch für Sie Regie führen?

TF: Er sagte uns, er würde ganz gern einmal einen Film für unter zehn Mio. Dollar drehen, denn das wäre dann pures Filmemachen, ohne jegliche Einmischung eines Studios. Das wäre genau der richtige Fall für Radar.

BF: Aber werden Sie weiterhin Low-Budget-Filme produzieren, wenn Sie einmal Ihre Kriegskasse gefüllt haben?

SK: Wir brauchen diese Filme, weil wir mit ihnen neue Talente fördern können. Das beste Beispiel ist der Deutsche Marcus Nispel. Vor einigen Jahren musste er aus "End of Days" aussteigen, weil das eine Nummer zu groß für ihn war. Jetzt hat er seine Chance mit "Texas Chainsaw Massacre" genutzt.

TF: Wir sehen Radar als eine Farm, wo Filmemacher groß werden können. Und weil es ihnen hier gut gefällt, kommen sie gern zurück. Vor mehreren Jahren lernte ich Vin Diesel in Sundance kennen. Ich gab ihm einen Entwicklungsauftrag und die Hauptrolle in "Pitch Black". Wie sich diese Geschichte weiter entwickelt hat, wissen Sie.