Film

Julian Nida-Rümelin unterstützt Filmakademie-Initiative

16.08.2002 14:42 • von Jochen Müller

Alle Fakten auf den Tisch: Bernd Eichinger und Helmut Dietl, die Initiatoren für die geplante Gründung einer Deutschen Filmakademie, hatten zu einem Pressegespräch in ein Münchner Hotel mit Volker Schlöndorff, Ulrich Felsberg und Doris Dörrie erste Mitstreiter eingeladen, um alle Missverständnisse in der bisherigen Debatte auszuräumen. Die Anwesenheit von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin war leibhaftiger Beleg für dessen volle Unterstützung der geplanten Änderung des Auswahl- und Vergabeverfahrens. Nichts Geheimnisvolles, keine Koranschule, kein Ritterorden des deutschen Films sei geplant, sondern eine Aufwertung und Popularisierung des Deutschen Filmpreises, und damit gleichzeitig ein Beitrag zur Stärkung des deutschen Films. Das klarzustellen, war Helmut Dietl und Bernd Eichinger genauso wichtig wie die Tatsache, dass es sich um ihre Privatinitiative gehandelt habe und ausdrücklich nicht um einen Vorstoß von Film20. Mittlerweile haben namhafte Unterstützer von Mario Adorf bis Wim Wenders die Gründung in einer Erklärung begrüßt. Es würde einfach nahe liegen, wie in den USA und im europäischen Ausland, die Filmschaffenden selbst über die Vergabe des bedeutendsten deutschen Filmpreis entscheiden zu lassen. Dort gäbe es nationale Akademien, die das Auswahlverfahren steuern und deren Mitglieder mit ihrem Votum die Preisträger küren. Kommerzielle Aspekte künstlerischen vorzuziehen, komme den Kreativen sicher nicht in den Sinn.

Zu keinem Zeitpunkt, so Bernd Eichinger, habe man eine Konkurrenz zum bestehenden Deutschen Filmpreis schaffen wollen, sondern mit dem BKM gemeinsam über eine weitere Verbesserung nachdenken wollen. So ist geplant, dass alle Filmpreisträger in Gold und Silber automatisch Mitglieder der neuen Akademie werden. Man schätzt ihre Zahl auf etwa 1200. Sollten es deutlich weniger sein, sollen auch Filmpreisnominierte in den erlauchten Kreis miteinbezogen werden. Aufnahme findet darüber hinaus auf Antrag, wer zwei Paten oder Bürgen in der Akademie benennen kann. Mitglieder können nur natürliche Personen werden und bewusst keine Verbände. Dass der Deutsche Filmpreis, anders etwa als der Oscar oder die BAFTA-Awards, mit einem Geldpreis verbunden sei, sei zu keinem Zeitpunkt als Problem angesehen worden.

Im Gegenteil: Beim Filmpreis gebe es eben eine "Tradition der Dotierung", so Dietl, die man in jedem Fall bewahren wolle. Diese würde auch durch ein neues Vergabeverfahren nicht gefährdet werden, versicherte Nida-Rümelin. Das geplante neue Verfahren gewährleiste seiner Meinung nach die "notwendige Sachkunde" bis zur Nominierung. Eine größtmögliche Autonomie der Künstler und so wenig Staatspaternalismus wie möglich, sei ihm bei der Filmpreisvergabe hoch willkommen. Danach sollen in den einzelnen Kategorien Spartenjurys aus Vertretern der einzelnen Berufsgruppen über die Nominierung entscheiden. Über die endgültigen Preisträger votiert dann die Gesamtheit der Akademiemitglieder. Wie beim Oscar soll auch in weiteren, dann nicht dotierten Kategorien nominiert werden. Der Drehbuchpreis wird übrigens bereits ab 2003 reintegriert. Bei der Gründung der Filmakademie soll laut Dietl nichts überstürzt werden. Im Herbst will der BKM die Ausschüsse informieren und politische Weichenstellungen leisten. Anders als Eichinger scheint ihm selbst eine erste Neuvergabe ab 2005 wahrscheinlicher. Nach der Bundestagswahl sollen alle weiteren Schritte eingeleitet werden. Schon jetzt sei angedacht, dass die Deutsche Filmakademie auch weitere Aufgaben etwa im Schulungsbereich übernehmen soll.