Film

Regisseur Michael Mann zu "Ali" und künftigen Projekten

16.08.2002 14:16 • von Jochen Müller

Blickpunkt:Film: "Ali" hat rund 100 Mio. Dollar gekostet. Ganz schön teuer.

Michael Mann: Ich mache keine faulen Kompromisse. Man wollte z. B., dass ich auf Hawaii oder in der Karibik drehe statt in Mozambique. Da habe ich Nein gesagt. Entweder machen wir es, wie ich es sage, oder es gibt keinen Film - jedenfalls nicht mit mir.

BF: Warum haben Sie sich beim Drehort auf keinen Kompromiss eingelassen?

MM: Mein Ziel ist es, eine ganze Ära wieder erstehen zu lassen, dafür brauche ich Authentizität. Natürlich hätte ich wie Lucas vieles im Computer machen können. Aber ich will ja überzeugende Leistungen von meinen Schauspielern. Und das geht nicht, wenn ich nur eine künstliche Welt erschaffe.

BF: Wie steht es mit Ihrem Verantwortungsgefühl gegenüber den Investoren?

MM: Das ist enorm. Ich bin ganz ehrlich und sage, diese Art von Film will ich machen. Wenn ihr das auch wollt, wunderbar. Und sie bekommen genau das, was ich ihnen verspreche. Ich gebe mein Äußerstes, um den menschenmöglich besten Film zu realisieren. Auch stelle ich mich für die Werbekampagne zur Verfügung. Denn ich will, dass jeder zumindest sein Geld zurückbekommt, ob lang- oder kurzfristig.

BF: Jetzt drehen Sie für CBS die Cop-Serie "Robbery Homicide Divison". Genießen Sie nach dem Mammutunternehmen "Ali" die Rückkehr zum kleinen Format?

MM: Für mich ist das kein kleines Format, sondern ein langes und schnelles. Schnell - weil ich für die Konzeption einer Folge nur drei Wochen brauche und nur eine Woche drehe. Und lang - weil ich gleich 22 Geschichten erzählen kann. Diesen Rhythmuswechsel genieße ich in der Tat.

BF: Gleichzeitig wollen Sie Ihren Fernsehklassiker "Miami Vice" für die Leinwand aufbereiten. Warum?

MM: Die ersten Jahre "Miami Vice" waren mit die besten Zeiten, die ich erlebte. Und der Inhalt der Serie war für die Jahre 1985 und 1986 atemberaubend.

BF: Aber ist er das heute noch?

MM: Wir siedeln die Handlung nicht in den achtziger Jahren an. Heute ist in der Karibik und im Südosten der Staaten wieder so viel los, dass es jede Menge neuen Stoff gibt. Die Herausforderung ist, etwas zu schaffen, das beim Publikum von heute eine ähnliche Wirkung hinterlässt wie seinerzeit die Serie. Das heißt, der Kinofilm wird komplett anders aussehen. Dazu brauchst du auch eine absolute Starbesetzung - Leute in der Kategorie eines Will Smith oder Brad Pitt.

BF: Wann wird der Film zu sehen sein?

MM: Ich denke 2003 oder 2004. Wir arbeiten noch am Drehbuch.

BF: Wie steht es mit Ihren Monumentalfilmprojekten "Rubicon" über den Konflikt zwischen Caesar und Pompeius oder "Gates of Fire" über die Perserschlacht an den Thermopylen?

MM: Auch hier sind die Bücher in der Entwicklung. Diese Projekte landen ständig aus unerfindlichen Gründen in der Fachpresse. Vor kurzem gab es Berichte über "Fortune"s Fools" zu lesen, so als wären wir in der Vorproduktion, was nicht stimmt. Wir arbeiten immer an mehreren Skripts gleichzeitig, bis ich entscheide, welches ich selbst mache. Diejenigen, bei denen ich nicht Regie führe, produziere ich. So geschehen mit "Aviator", dem Howard-Hughes-Film. Den übernimmt jetzt Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio.

BF: Warum hatten Sie selbst keine Lust darauf?

MM: Ich wollte nicht schon wieder ein Biopic drehen.

BF: Wie sind die Chancen, dass Ihre Antiken-Filme zustande kommen?

MM: Ich kann es nicht genau einschätzen, weil die Budgets so immens sind. Momentan stecken deshalb alle möglichen Historien-Projekte in Schwierigkeiten, ob "Alamo" oder Ridley Scotts "Tripoli". Weil die Risiken hoch sind, müssen sich die Filmemacher nach den Interessen der Finanziers richten. Hier kann keiner sagen: Ich drehe einen Kunstfilm.

BF: Und welche Art von Filmen drehen Sie?

MM: Die Filme, die ich machen will. Nur wenn mich etwas wirklich begeistert, gehe ich an die Arbeit. Zum Glück hat sich bislang auch das Publikum dafür begeistert. Sonst wäre es mit meiner Karriere schnell vorbei.

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