Film

Die Fernseh-Zukunft von Filmfonds: Ausgewogenheit zwischen den Medien

16.08.2002 11:26 • von Jochen Müller

Filmfonds sind längst fester Finanzierungsbestandteil in der Filmindustrie, egal ob es sich um Kinofilm- oder TV-Produktionen handelt. Neben Filmförderungen und Bankfinanzierungen decken Gelder aus Filmfonds den Finanzierungsbedarf der Produktionen. Der Anreiz für Investoren sind die höheren Gewinnchancen, die im Filmgeschäft bestehen, und die steuerlichen Vorteile aus Abschreibungen und anfänglichen Verlustzuweisungen. Die Illusion von Filmfonds als endloser Geldquelle, wie noch vor ein bis zwei Jahren gepflegt, besteht allerdings nicht mehr. Filmfondsgesellschaften, die Anleger primär mit hohen Renditeversprechen gelockt und die inhaltliche Komponente der Filme und ihrer Vermarktbarkeit außer Acht gelassen haben, sind darüber ins Konjunkturtal gerutscht.

Einige Brancheninsider sehen darin das Ende von breit angelegten Fonds, den Publikumsfonds, und ziehen sich aus dem Fondsgeschäft zurück. Arbeitete Bavaria Film zum Beispiel noch in den letzten Jahren eng mit KGAL bei der Umsetzung von Medienfonds zusammen, stellt das Unternehmen nun die Fondstätigkeit stark in Frage. Bavaria-Geschäftsführer Dieter Frank: "Die Abschaffung von Publikumsfonds droht. Bavaria Film ist nur noch beratend für einige wenige Medienfonds tätig." Andere betonen die inhaltliche Ausrichtung der Fonds und setzen auf ein homogenes Portfolio. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Einhellige Meinung unter Filmfondsgesellschaften: Geld sammeln und verwalten ist schwieriger als noch vor einem Jahr.

Claus Clausen von Victory Media: "Wir arbeiten mit einem festen Kreis von Privatbanken und privaten Anlegern zusammen. Die langjährige Bindung an unsere Klientel ist uns wichtig und Garantie für den Erfolg unserer Fonds." Auch Investoren schätzen den überschaubaren Kreis von Fondsgesellschaften. Schwarze Schafe gab es schließlich in der Vergangenheit genug, die mit undurchsichtigen Praktiken und unzureichendem Know-how in Finanz- und Filmwelt die ganze Branche in Misskredit gebracht haben.

TV-Produktionen sind berechenbarer

Die jetzigen Fondsgesellschaften wie Apollo Media, IMF oder Victory Media sind längst von reinen Finanzverwaltern zu Medienunternehmen angewachsen und engagieren sich als Produzenten in Filmfinanzierung, -entwicklung und -produktion. Victory Media ist dabei eine der Gesellschaften, die sich auf die Finanzierung von TV-Produktionen spezialisiert hat. Mittlerweile ist der 22. Victory-Fonds auf dem Markt. Damit zählt Victory zu den erfahrensten Fondsgesellschaften in Deutschland. "Im Laufe unserer elfjährigen Firmengeschichte haben wir sehr gute Erfahrungen im Fernsehbereich gemacht. Kinoproduktionen wurden wesentlich restriktiver und selektiver berücksichtigt", so Clausen. Der Grund dafür ist die Berechenbarkeit von Fernsehproduktionen. Der TV-Markt gilt als schnell, nah am aktuellen Geschehen und deshalb besser planbar. In der Auswertung können daher sehr frühzeitig Verwertungspartner mit entsprechenden Mindestpreisen für die jeweiligen Territorien oder Auswertungsstufen gebunden werden. Das heißt, der Rückfluss investierter Gelder lässt sich zuverlässig vorhersagen.

Andy Grosch, Fondsmanager bei VIP AG, meint dazu: "Natürlich ist das Kinofilmgeschäft attraktiver für Fonds. Es bietet einfach die interessante-ren Verwertungsmöglichkeiten. Aber darin liegt auch das Risiko von Kinofilmproduktionen." Gab es in den letzten Jahren eine Polarisierung von Fondsgesellschaften mit ausschließlichem Kinofilm- und mit TV-Ausrichtung, nutzen neu aufgelegte Medienfonds verstärkt die Qualitäten beider Richtungen. Grosch: "Die Mischung von berechenbareren TV-Projekten mit risikovolleren, aber auch Gewinn versprechenderen Kinoprojekten ist sehr gut vorstellbar." Aber nur international vermarktbare Fernsehproduktionen erreichen einen ähnlichen finanziellen Ertrag wie Kinoproduktionen. "Auch im TV-Bereich lassen sich Projekte nicht rein aus dem deutschsprachigen Raum refinanzieren. Wer effektiv sein will, muss für den internationalen TV-Markt produzieren", so Grosch.

Für den langfristigen Erfolg von Medienfonds sind Transparenz und offene Informationspolitik nötig. Bevor Anleger ihr Geld investieren, wollen sie schließlich wissen, wohin ihr Geld fließt, was passiert und wie viel Gewinn zu erwarten ist. Vor allem wenn es um das sensible Thema Gebühren geht, um Weich- und Produktionskosten, Dienstleisterhonorare, Producers Fee und Versicherungen, sind transparente Strukturen absolutes Muss. Fondsgesellschaften stellen sich diesen Anforderungen und legen Kostenstruktur, Ausgaben und Einnahmen regelmäßig offen. Beispiele dafür sind Anlegerschulungen und ausführliche Quartalsberichte von VIP oder Initiativen wie der "Gläserne Medienfonds" von Victory im letzten Jahr. Gerade in Zeiten, in denen der Finanzierungsbedarf bei Film und Fernsehen steigt und das Geldsammeln schwieriger wird, sollen so erfolgreiche Fonds in neuer Qualität entstehen.