Film

Produzent Howard Bingham zu "Ali"

01.08.2002 15:45 • von Jochen Müller

Blickpunkt:Film: Wie haben Sie Muhammad Ali kennen gelernt?

Howard Bingham: Ich erinnere mich noch daran, als ob es gestern gewesen wäre. Bei der schwarzen Wochenzeitung "Los Angeles Sentinel" arbeitete ich für 60 Dollar pro Woche und fotografierte bei gesellschaftlichen Anlässen, vor allem Hochzeiten. Im März 1962 lernte ich auf einer Pressekonferenz einen Typen namens Cassius Clay kennen, der mit George Logan boxen sollte. Ich wusste nichts von seiner Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Ich stellte mich vor und machte das Foto. Auf dem Heimweg sah ich Clay und seinen Bruder an einer Straßenecke herumlungern und den Mädchen nachschauen und bot ihnen an, mit in die Stadt zu fahren. Der Beginn einer lebenslangen Freundschaft, seitdem sind wir immer in Kontakt geblieben, egal wo wir uns aufhielten.

BF: Wie kam es zu Ihrer Mitarbeit bei "Ali"?

HB: Schon seit elf Jahren verfolgte ich die Idee eines Films über Muhammad Ali, weil dieser Mann eine Ausnahmepersönlichkeit ist. Es war schon mal ein anderer Regisseur im Gespräch, doch das Projekt zerschlug sich. Dann stieg Michael Mann ein mit Will Smith in der Titelrolle, und die Dreharbeiten konnten im Januar 2001 endlich beginnen. Mann hatte meine Fotoausstellung in Los Angeles über den Boxkampf Ali gegen Foreman in Kinshasa sieben Mal gesehen und wollte alles wissen über den "Rumble in the Jungle" von 1974.

BF: Gefällt Ihnen Jeffrey Wright als junger Howard Bingham?

HB: Es war schon komisch, mich in ihm auf der Leinwand zu sehen. Wir haben lange miteinander geredet. Und ich finde, er hat mich gut getroffen.

BF: Was war die größte Herausforderung für Sie als ausführender Produzent?

HB: Ehrlich gesagt, war alles easy. Meine Aufgabe lag vor allem in der Beratung, das ging von den einzelnen Figuren bis hin zur Ausstattung. Ich kannte ja fast alle Leute, mit denen Ali in den Jahren 1964 bis 1974 zu tun hatte. Für eine ganze Reihe von Szenen dienten meine Fotos als Vorlage. Michael Mann ist ein fantastischer Regisseur mit Lust an akribischer Recherche, ein Perfektionist und ein Besessener.

BF: Wie sind Sie mit dem fertigen Film zufrieden?

HB: Es stimmt alles bis aufs i-Tüpfelchen. Boxen ist ein sehr komplexer Sport. Michael Mann hat das Feeling sehr gut rübergebracht, vor allem durch die exzellente Kamera-Choreografie.

"Michael Mann war unumstrittener Chef"

BF: Kam es bei vier Produktionsgesellschaften nicht zu Reibereien, zumal Will Smith Produktionsfirma Overbrook auch mitmischte?

HB: James Lassiter von Overbrook pochte nie auf seine exponierte Position. Es war ein sehr gleichberechtigtes Arbeiten. Bei so einem großen Projekt darf man auch nicht Einzelinteressen in den Vordergrund stellen, sondern muss sie der Sache unterordnen. Michael Mann war der unumstrittene Chef, sein Wille zählte.

BF: Die Dreharbeiten in Mosambik sollen kein Zuckerschlecken gewesen sein.

HB: Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, die Moskitos fraßen uns fast auf und die lausige Infrastruktur erforderte ständig neue Pläne, aber trotz Stress herrschte eine sehr offene Atmosphäre. Und als wir den legendären Boxkampf in einem alten Stadion in der Nähe von Maputo drehten, flippten die Einheimischen fast aus. Neben den 10.000 Statisten kamen noch mal über 20.000 Leute und füllten die Ränge. Die Stimmung kochte wie bei einem richtigen Boxkampf.

BF: Bleiben Sie dem Filmgeschäft erhalten?

HB: Die Mitarbeit bei "Ali" war eine persönliche Angelegenheit. Ich bin Fotograf aus Leidenschaft, davon kann mich auch das tollste Angebot nicht abhalten. Neben einigen Ausstellungen kommt demnächst der Band "G.O.A.T. - A Tribute" mit über 2000 Fotos und 20 Essays, darunter auch von Ali selbst, im Taschen-Verlag in einer limitierter Auflage heraus.