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emp-Statement zur Marktlage: "Torpedierende Wirkung"

28.02.2002 15:35 • von Mareike Haus

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, könnte die Überschrift einer von der emp am 25. Februar veröffentlichten Analyse des Verleihmarkts lauten. Die Verfasser des Statements, namentlich emp-Geschäftsführer Ernst Jedamski, André Meyer, Director Marketing & Sales, sowie emp-Beiratssprecher Hans-Hermann Pein, sind nämlich der Überzeugung, dass diverse positive Meldungen nicht die Sicht auf besorgniserregende Tendenzen versperren dürfen und stellen die Frage: "Stürzt der Rentalmarkt 2002 in ein tiefes Loch?"

Offenkundig aufgeschreckt durch einen enttäuschenden Geschäftsverlauf zu Jahresbeginn erklären die Autoren, dass "trotz Anhebung der Verleihpreise, Sonntagsöffnung und erfreulichem DVD-Boom, was ein Umsatzplus von circa 15 Prozent bescheren sollte, wir seit Anfang des Jahres stagnierende bis rückläufige Umsätze feststellen müssen". Begründet werden die Umsatzeinbußen unter anderem mit der Zurückhaltung der Kunden, der antizyklischen Veröffentlichungspolitik, der Verkürzung der Verleihfenster und der verstärkten Konzentration der Anbieter auf den DVD-Kaufmarkt.

Die Folge: "Zur Erhaltung der Liquidität wird hierdurch ein vermindertes Einkaufsvolumen in den nächsten Monaten erzwungen und die Chance, einen attraktiven Vertriebskanal für DVD und VHS zu optimieren, auf eine harte Bewährungsprobe gestellt." Die emp verweist daher mehrmals auf die Dringlichkeit "variabler" beziehungsweise "finanzierbarer" Kopientiefemodelle. Offen lassen die Autoren, mit welchen Vermarktungskonzepten die "notwendige Kopientiefe" erreicht werden soll. Ebenso werden keine konkreten Zeitangaben bezüglich der Auswertungsfristen gemacht, nur, dass die "Erhaltung (an anderer Stelle ist die Rede von "Beibehaltung beziehungsweise Ausweitung") der Verleihfenster wichtiger denn je" sei.

Umso konkreter formuliert die emp mögliche Konsequenzen: "Eine weitere Verkürzung der Verleihfenster und die Erhöhung der Einkaufspreise für Leih-VHS und -DVD behindern das Gesamtwachstum des Videomarkts." Für eine aus Sicht der emp nicht marktgerechte Vertriebspolitik stehen beispielhaft die Anbieter Universal Pictures (wegen Fensterverkürzung) und Columbia TriStar Home Entertainment (CTHE) (wegen Preiserhöhung). Insbesondere die zuletzt von CTHE getroffenen Entscheidungen hätten eine "torpedierende Wirkung", da "zugunsten kurzfristig geglaubter Gewinne nur wenigen Topoutlets die erforderliche Kopientiefe ermöglicht wird".

Im Allgemeinen bedauern die Verfasser, dass sich die Industrie mehr für originäre Kaufoutlets, also Einkaufsstätten wie Elektrofachgeschäfte, Warenhäuser etc., engagiere und "eingleisige Vertriebsmodelle" favorisiere und damit eine "zunehmende Marktkonzentration" fördere, die weder dem Verleih noch dem geforderten Verkauf von DVDs in Videotheken diene. Ziel der emp müsse es sein, "einen Anteil von zehn Prozent am Retailmarkt zu erarbeiten". Dass der Verleihmarkt in seiner Gesamtheit engagiert zur Sache gehe, dokumentieren die Autoren mit einer Auflistung namhafter Händler.

{news.109797.Der vollständige Wortlaut des emp-Statements |U|T}