Film

Das London Film Festival mausert sich

07.12.2001 12:36 • von Jochen Müller

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit insgesamt 110.000 verkauften Eintrittskarten konnte das Festival seine Zuschauerquote um fünf Prozent steigern, durch Kartenverkäufe erzielte das Festival einen Umsatz von 1,8 Mio. Mark. Bei der Mehrzahl der Vorstellungen standen Regisseure oder Darsteller dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Wooton kam auch seinem Ziel näher, das Festival zu einer europäischen Plattform für die Vermarktung von Filmen zu machen. Das London Film Festival beinhaltet zwar keinen Wettbewerb, doch der überwältigende Erfolg von Robert Altmans "Gosford Park", der das Festival eröffnete, sowie des Schlussfilms "K-Pax" sollten der europäischen Vermarktung dieser Film behilflich sein. Auch die in atemberaubend schönen Bildern erzählte britisch-indische Koproduktion "The Warrior" von Asif Kapadia (eine Koproduktion von Film Four und Senator), die mit der Sutherland-Trophäe des British Film Institute ausgezeichnet wurde, erregte große Aufmerksamkeit unter Zuschauern und Kritikern. Die 1958 eingeführte Trophäe ehrt das originellste Werk des Festivals und wurde bereits an Regisseure wie Antonioni, Godard, Bertolucci und Fassbinder vergeben. Zu weiteren Publikumslieblingen zählten David Lynchs "Mulholland Drive", Todd Field spannendes Neu-England-Drama "In the Bedroom" sowie Ulrich Seidls "Hundstage". Der argentinische Film "Nine Queens" von Fabian Bielinsky wird bereits als neuer "Amores perros" gehandelt.

Als eine echte Überraschung erwies sich Adam Rifkins ("Detroit Rock City") Low-Budget-Film "Night at the Golden Eagle". Der von Rifkin und dem Millionär Steve Bing eigenfinanzierte Film erzählt die dunkle und spannende Geschichte zweier alternder Ganoven, die sich zu einem Leben in der Legalität entscheiden. Davor müssen sie jedoch noch eine Nacht in dem heruntergekommenen Golden Eagle Hotel verbringen, die sich als Nacht der langen Messer entpuppt. Der Film, dessen Hauptrollen von einem tatsächlichen ehemaligen Gangster und seinem Freund gespielt wurden und in dem auch Vinnie Jones ("Snatch") zu sehen ist, erweckt Neugier auf den Thriller, den Rifkin demnächst für Warner drehen wird.

Filmen wie "Night at the Golden Eagle", die hier ihre Weltpremiere erlebten und noch nach einem Verleih suchen, sollte das Festival einen Boost geben. Zwar waren in London kaum Käufer anwesend, doch am Rande des Festivals gab es zahlreiche Pressetermine und Interviews, die der internationalen Bedeutung des Festivals zweifellos zu Gute kommen sollten.