Film

Anbieter wollen Vorbehalten entgegenwirken. FSK-18-Werbung ist erlaubt.

20.08.2001 15:00 • von Tim Pototzki
Allein im Jahr 2001 wurden bis dato mehr als 75 DVDs veröffentlicht, die von Seiten der FSK mit "Nicht freigegeben unter 18 Jahren" gekennzeichnet wurden - 25 weitere sind derzeit geplant. Während man vor einigen Jahren die Zielgruppen für FSK-18-Filme noch hauptsächlich in Videotheken wähnte, scheint sich dieser Bereich immer stärker auch auf die Kaufvideo-Outlets zu verlagern.

"Wir sind zufrieden", beurteilt Fox-Geschäftsführer Bodo Schwartz dieses spezielle Absatzsegment. Und Nicola Hoffmanns, Marketingchefin bei BMG Video, meint sogar, "dass die Kennzeichnung 'FSK 18" zumindest teilweise einen zusätzlichen Kaufanreiz beim Endverbraucher auslöst". Dennoch könnte der Handel sich nach Hoffmanns Ansicht stärker bei FSK 18 engagieren. Karl Otto Theis, Vertriebsleiter bei

EuroVideo, findet ebenfalls, dass das Thema FSK 18 im Handel oftmals zu "halbherzig" angegangen werde, und kritisiert, dass die Titel zumeist "nicht offiziell gelistet" würden.

Bei BMG Video steht Anfang September nun "Hannibal" auf dem Veröffentlichungsplan. Ein Film, der sowohl als FSK-16- als auch als erscheinen soll. Die Gewichtung der Absatzplanung geht dabei deutlich in Richtung 18er-Version: "Das Verhältnis FSK 16 zu FSK 18 ist bei VHS ausgeglichen. Bei der DVD überwiegt die FSK-18-Version", sagt Nicola Hoffmanns, die deshalb hofft, mit "Hannibal" mehr Händler als bisher für das Thema FSK 18 zu begeistern: "Wir haben sehr viel Pionerarbeit leisten müssen. Hier haben wir bereits sehr früh die Kommunikation mit dem Handel aufgenommen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Über unseren Rechtsanwalt haben wir dem Handel von juristischer Seite die Möglichkeiten einer FSK-18-Vermarktung aufgezeigt. Hier existierte teilweise die Vorstellung, dass man z.B. keine Werbung für einen FSK-18-Titel im Outlet machen darf.

Das stimmt natürlich nicht, das Verbot bezieht sich eindeutig nur auf indizierte Titel", so Hoffmanns. "FSK-18-Titel dürfen in Displays angeboten werden, auch

Schaufensterdekorationen und Dekorationen im Outlet sind zulässig. Weiter haben wir unsere VHS- und DVD-Produkte mit einem Extrasticker versehen, auf dem deutlich vermerkt ist, dass der Verkauf dieser Ware nicht an Personen unter 18 Jahren gestattet ist. Diesen Hinweis haben wir auch auf den Crownern unserer Warenträger deutlich angebracht."

Während einige stationäre Händler aus Anbietersicht unnötigerweise zögern, gibt es eine andere Vertriebsschiene, die gerne auf den FSK-18-Zug aufspringen würde, aus rechtlichen Gründen aber nicht darf: der Versand- und Internethandel. Laut Jugendschutzgesetz (§ 7 Abs. 3) dürfen FSK-18-Titel nicht "im Versandhandel angeboten oder überlassen werden". Ob der steigenden Absatzchancen fühlen sich vor allem Onlinehändler benachteiligt. Felix Petzel, Pressesprecher von Amazon: "Die aktuelle Gesetzeslage schafft eindeutige Nachteile für deutsche Onlinehändler." Amazon selbst agiere jedoch entsprechend der gesetzlichen Regelungen und führe keine FSK-18-Titel im Sortiment, erklärt Petzel, merkt jedoch an: "Technisch wäre es kein Problem, die Verbreitung von FSK-18-Titeln auf Erwachsene zu begrenzen."

Diesen Lösungsansatz vertritt auch Bodo Schwartz: "Der stationäre Handel hat immer den Vorteil einer besseren Kontrolle. Die Versender müssten den Gesetzgeber überzeugen, dass entsprechende Kontrollen auch bei ihnen möglich sind." Ansonsten wäre die Problematik für Schwartz nur durch eine Änderung des Jugendschutzgesetzes lösbar.