Film

Jerry Bruckheimer zu "60 Sekunden" und "Pearl Harbor"

14.07.2000 00:00 • von

Blickpunkt:Film: Ihr Drehbuchautor Scott Rosenberg hat schon einen Teil des Casting für Sie mit übernommen …

Jerry Bruckheimer: Ein bisschen mehr als das: Nicolas Cage wollten wir von Anfang an. Scott schrieb ihm die Rolle auf den Leib. Das gleiche gilt für Angelina Jolie und Robert Duvall. Er schrieb die Figuren für unsere Wunschschauspieler, ohne dass wir mit ihnen gesprochen hätten. Glück für uns, dass alle zusagten.

BF: Würden Sie auch ein viertes Mal mit Nicolas Cage arbeiten?

JB: Auf jeden Fall. Er ist ein brillanter Schauspieler. Er kann alles, sei es eine Komödie wie "Aber nicht ohne meine Braut" oder ein Drama wie "Leaving Las Vegas". Und er ist ein großer Actionstar, wenn er in Filmen wie "The Rock" oder "Con Air" spielt. Es gibt eine Menge Schauspieler, deren Tricks man sofort erkennt, wenn man sie länger beobachtet. Nic überrascht immer wieder.

BF: Stimmt es, dass Cage wegen Drehbuchproblemen zuerst nicht zusagen wollte?

JB: Nic sprang nicht gleich bei der ersten Drehbuchfassung an, auch nicht bei der zweiten. Für ihn entwickelte sich seine Figur zu wenig. Scott musste einige weitere Fassungen schreiben, bevor Nic endlich zusagte.

BF: Wie viele Überarbeitungen waren während des Drehs nötig?

JB: Wir mussten uns an die Terminpläne der Schauspieler halten. Hätten wir mehrere Monate mehr Zeit gehabt für das Drehbuch, hätten wir sie sicherlich genutzt. Es gab einiges, worüber wir uns noch nicht Gedanken gemacht hatten, und das mussten wir beim Dreh im Schnellverfahren durchgehen.

BF: Wie waren die Actionszenen geschrieben?

JB: Scott schrieb nur, dass es eine Superverfolgungsjagd gäbe - einen Satz. Es stand nicht drin, wo oder wie. Dominic Sena und sein Team waren die, die sich die gesamte Ausführung überlegten. Und sie waren es, die die spannenden Locations in der Gegend von Long Beach fanden.

BF: Man wirft Ihnen vor, Filmen Ihren Stempel auf Kosten der Vision der Regisseure aufzudrücken. Was sagen Sie dazu?

JB: Das stimmt überhaupt nicht. Ich versuche meinen Arbeiten Herz zu verleihen, mit spannender Kameraarbeit und guten Darstellern. Das bedenke ich, wenn ich das Team aussuche. Dominic Sena z. B. hat ein unglaubliches visuelles Gespür. Er ist ein Maler und taucht die Dinge in Farben, wie ich es nie zuvor gesehen habe. Wenn ich also gute Leute engagiere, lassen die mich und meine Arbeit eben gut aussehen.

BF: Wie weit sind Sie mit "Pearl Harbor"?

JB: Wir sind zur Hälfte durch. Nachdem wir alle Szenen in Hawaii abgedreht haben, ist Michael Bay immer noch innerhalb des Terminplans und auch der Budgetvorgaben. In Mexiko, in Rosarita Beach, wird eine spektakuläre Szene in den Studiotanks von "Titanic" gedreht. Wir ließen in der größten Filmexplosion seit "Apocalypse Now" 300 Bomben auf Kriegsschiffe werfen. Die Navy war extrem kooperativ. Wir hatten ihre eingemottete Flotte zu unserer Verfügung und auch einiges Personal. Aber es ist sicherlich kein Dokumentarfilm und wird auch nie auf dem History-Channel laufen. Es wird die Essenz dessen sein, was passierte. Wir können es uns nicht leisten, Geschichte detailgetreu zu rekonstruieren. Bei unseren Nachforschungen stellten wir fest, dass es immer drei Ansichten zu geschichtlichen Ereignissen gibt. Überlebende erzählen eine Geschichte, Historiker eine an-dere. So muss man die Wahrheit irgendwo dazwischen suchen.

BF: Sie drehten auch direkt in Pearl Harbor?

JB: Wir drehten genau dort, wo es passierte. Da gibt es immer noch Einschusslöcher, denn man hat alles so erhalten wie es war. Es bringt einen wirklich zum Denken. Am Boden sind Tafeln für die Leute angebracht, die gefallen sind. Es liegen immer noch 1100 Männer in der USS Arizona.

BF: Wie kommt es, dass Filme häufig ihre Budgets überziehen?

JB: Es gibt eine Menge Gründe. Oft liegt es daran, dass die Leute, die man engagiert hat, nicht zeitgerecht arbeiten. Wenn ein Schauspieler zu spät kommt oder zu lange braucht, um sich in die Szene einzufühlen, oder wenn der Regisseur nicht mit dem Zeitplan Schritt halten kann, dem er ursprünglich zugestimmt hatte. Filmemacher sind gezwungen, über das Budget zu lügen, weil das Studio falsche Vorstellungen hat. Sie legen ein Budget fest, das in keiner Relation zum Filmprojekt steht, das sie gerade gelesen und wofür sie grünes Licht gegeben haben. Wir Filmemacher sagen natürlich, dass wir den Film auf jeden Fall realisieren wollen, und versuchen, im Budgetrahmen zu bleiben. Wir müssen uns um viele Kleinigkeiten kümmern. Da kann auch viel schief gehen. Je größer das Projekt, desto größer die Gefahr, dass etwas schief läuft. Bei "Pearl Harbor" hatten wir z. B. einen Unfall und verloren ein Flugzeug. Zum Glück brach sich der Pilot nur einen Finger, dennoch hat uns das einen ganzen Drehtag gekostet.