Kino

"Es gibt keine Krise bei UCI und AMC!"

Im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz gab Ramón Biarnés als Managing Director der Odeon Cinemas Group für Spanien, Italien, Deutschland und Portugal heute Auskünfte zur Wiedereröffnungsstrategie der Gruppe - äußerte sich auf Nachfrage aber auch zur generellen Situation innerhalb der Gruppe und dem Schicksal des UCI Colosseum.

17.06.2020 14:14 • von Marc Mensch
Ramón Biarnés, Managing Director Odeon Cinemas Group Southern Europe: Spain, Italy, Germany & Portugal (Bild: Odeon Cinemas Group)

Große Namen liefern große Headlines - beispielhaft dafür stand in den letzten Wochen die weltweit größte Kinokette AMC, der zunächst über Wochen die Insolvenz, dann der Verkauf an Amazon und schließlich gleich das Ende vorhergesagt wurde, teils auf Basis haarsträubend dünner Informationslage. Wobei die letzte Welle an Negativmeldungen bekanntermaßen auf einer Börsenmitteilung des Unternehmens selbst fußte, in der detailliert jene (tatsächlich zahlreichen und erheblichen) Risiken aufgeführt werden, denen sich die Kette in einer nach wie vor unsicheren Pandemie-Lage ausgesetzt sieht.

Nun, eigentlich waren Fragen nach diesen Themen bei einer heutigen virtuellen Pressekonferenz von Ramón Biarnés (Managing Director Odeon Cinemas Group Southern Europe: Spain, Italy, Germany & Portugal) und dem deutschen Leiter Film Booking, Gregor Freund, zuvor ausdrücklich ausgeschlossen worden. Gestellt wurden sie aber doch - und Biarnés antwortete mit der sehr klaren Ansage: "Es gibt keine Krise bei UCI! Und es gibt keine Krise bei AMC!"

Nicht, dass die Zeiten für AMC - wie auch andere Ketten - nach Monaten der globalen Zwangsschließung nicht offensichtlich sehr hart wären. Aber wie Biarnés betonte, gebe es derzeit weder bei UCI noch seiner Konzernmutter Pläne, Standorte aufzugeben. Damit nahm er insbesondere auch auf die Insolvenz des UCI Colosseum in Berlin Bezug. Dieses Kino werde zwar von UCI gemanagt, stehe aber in unabhängigem Eigentum und sei nicht Teil des eigentlichen UCI-Netzwerks. Tatsächlich stehe man aber mit den Eigentümern in engem Kontakt, um im Idealfall Lösungen zu einer Wiedereröffnung des Hauses zu finden.

Womit wir bei den Wiedereröffnungen wären: Hier hatte UCI am 8. Juni eine erste Phase mit den drei Standorten Neuss, Flensburg und Hamburg-Othmarschen begonnen (wir berichteten). Hinsichtlich der Resonanz sprach Biarnés von "ermutigenden Resultaten". Angesichts des gerade einmal zwei Wochen zurückliegenden "Nullpunktes", der notwendigen Restriktionen und des Mangels an neuen Filmen sei man erfreut, dass die Menschen in die Kinos zurückfänden. Theaterleiter seien angehalten, die Besucher gerade in der frühen Phase der Eröffnung nach ihren Eindrücken zu befragen - und das Feedback sei ganz überwiegend sehr positiv: Die Gäste hätten sich demnach wohl und vor allem sicher gefühlt.

Konkrete Termine für weitere Eröffnungen konnte er dennoch nicht nennen, der Plan sei aber, bis Anfang Juli flächendeckend in Deutschland wie auch in Spanien, Italien und Portugal wieder am Start zu sein. Zwar könnten diese Pläne durch etwaige Verschiebungen von Filmstarts noch angepasst werden müssen, allerdings sei dies kein alleine entscheidender Faktor. Diesbezüglich wollte Biarnés ausdrücklich keine Kritik am Vorgehen der Verleiher äußern, die für große Starts auch auf entsprechende Kapazitäten angewiesen seien.

Grundsätzlich verlieh er - wie auch Gregor Freund - der Hoffnung Ausdruck, dass das zweite Halbjahr aufgrund der vielen Verschiebungen großer Blockbuster in diesen Zeitraum sogar besser verlaufen könnte, als es die Pläne vor Corona vorgesehen hätten.

Was die besonderen Lockerungen in NRW, wo mittlerweile unter bestimmten Voraussetzungen auf den Mindestabstand im Saal verzichtet werden kann (wir berichteten), anbelangt, wird UCI zumindest nicht umgehend reagieren. Zum einen empfehle UCI mitunter auch gewisse Sicherheitsmaßnahmen, die nicht strikt vorgeschrieben seien (wie die Online-Buchung und -Bezahlung), zum anderen ließen sich die Anforderungen nach Auskunft von Gregor Freund derzeit kaum erfüllen. Denn eine lückenlose Erstellung eines Sitzplanes erfordere auch bei Gruppenbuchungen Daten jedes einzelnen Besuchers. Man gehe aber davon aus, dass an diesem Thema gearbeitet werde.

Abschließend appellierte Biarnés noch einmal an die Politik: Diese solle weiterhin im Kopf behalten, wie wichtig Kultur und Kino seien - und in ihren diesbezüglichen Anstrengungen nicht nachlassen.