Kino

"Das Kino ist einzigartig"

Im Kino International traf sich Frank-Walter Steinmeier heute zum Gespräch mit Kinomacher Christian Bräuer und Regisseur Andreas Dresen. Der Bundespräsident zeigte sich dabei als großer Fürsprecher der Filmtheater.

09.06.2020 17:49 • von Marc Mensch
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier traf sich gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender im Kino International mit Christian Bräuer und Andreas Dresen zum Austausch (Bild: Bundesregierung/Sandra Steins)

Zu einem Gespräch über die Erfahrungen, Nöte und Hoffnungen der Kulturschaffenden trafen sich am heutigen Dienstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender im Kino International mit Regisseur Andreas Dresen und Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck-Kinogruppe und Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde.

Der Austausch drehte sich dabei unter anderem um die Frage, wie es den Kinos in der Zeit der Krise erging, wie privat betriebene Einrichtungen, die an der Schnittstelle zwischen Kultur und Wirtschaft stehen, in solchen Zeiten überleben können - und wie Filmemacher zurechtkommen, die ihre bereits entwickelten Stoffe nicht drehen können.

In diesem Zusammenhang stellt die Yorck-Kinogruppe in einer Pressemitteilung fest, dass die Schließung gerade für traditionelle Kinos und Filmkunsttheater mit ihrem hohen gesellschaftlichen und kulturellen Engagement eine existenzielle Herausforderung sei. Sie verfügten demnach nicht über erforderliche Rücklagen, zugleich belaste sie eine hohe Grundkostenstruktur. Auch nach der Wiedereröffnung sei nicht mit einer sofortigen Rückkehr zum Normalbetrieb zu rechnen. Als auf Sicht beeinträchtigende Faktoren werden Abstandsauflagen und Vorsicht beim Publikum, der Ausfall von Filmfestivals als "Vitrinen für Filme" sowie die Verschiebung von Filmstarts genannt. Zugleich werde in der aktuellen Krise auch die hohe Relevanz der Kinos für eine lebendige Nachbarschaft und für die Sichtbarkeit filmkultureller Vielfalt deutlich.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe bei einem Pressegespräch nach dem Austausch erklärt : "In der Pandemie spüren wir alle, was uns im Alltag fehlt: Dazu gehört auch der Gang ins Kino. Bald können wir auch wieder in die Lichtspielhäuser gehen. Und ich habe Vertrauen: Die Kino-Betreiber werden alles tun, um den Kinobesuch auch künftig sicher und angenehm zu gestalten". Und weiter: "Hier kann die aktuelle Situation Motor für Fortschritt und Veränderung Signal für das Kino der Zukunft sein. Denn ich bin mir sicher: Das Kino als unmittelbares, als gemeinsames und im gleichen Augenblick privates Filmerlebnis ist einzigartig. Die Couch kann das Kino nicht ersetzen."

Christian Bräuer dankte dem Bundespräsidenten für sein Interesse und sein sehr frühes und nachhaltiges Engagement für die Kultur in der Krise. "Mit seinem Bekenntnis zur filmkulturellen Vielfalt sendet der Bundespräsident ein wichtiges der Unterstützung in dieser schweren Zeit. Wie wertvoll der Kulturort Kino ist, erleben wir gerade jeden Tag, an dem wir diese Orte nicht haben. Mit ihrer Programmauswahl sind sie ein Spiegel unserer Gesellschaft. Denn das Kino hat eine einzigartige Stärke in digitalen Zeiten: den analogen Raum und die lokale Gemeinschaft. Und gerade für die Werke von Filmemachern wie Andreas Dresen sind die Kinos noch immer die Herzkammer. Sie schaffen die gesellschaftliche Relevanz und bilden die Grundlage für Sichtbarkeit und Erfolg. Dies gilt es zu bewahren."

Andreas Dresen sei mit seinen Filmen im Kino International quasi zu Hause, zuletzt konnte er hier mit Gundermann" einen großen Erfolg feiern. Wie die Yorck-Kinogruppe ausführt, habe der Film 67 Prozent seiner deutschen Besucher in den Arthouse-Kinos erreicht, bei der Gruppe selbst sei er zum zweiterfolgreichsten Film des Jahres 2018 avanciert.